Aus A+++ wird C

Das EU-Energieeffizienzlabel geht nach der Überarbeitung in die nächste Runde und sorgt für einige Verwirrung

Die EU will den Wildwuchs beim Energieeffizienzlabel beschneiden und das System für den Verbraucher übersichtlicher gestalten. Bislang haben sich die Effizienzeinstufungen nur innerhalb der jeweiligen Gerätegruppe weiterentwickelt. In manchen Produktgruppen wurde die zweitbeste Klasse mit B bezeichnet, in anderen lautete die Klasse zwei: A++. Übersichtlichkeit sieht anders aus. Und jetzt kommt auf die Kunden erst einmal noch mehr Verwirrung zu.

Wenn die gleichen Geräte, die jetzt mit A+++ ausgezeichnet werden, im neuen Energieeffizienz-Label-System in Klasse C verschoben werden, zeichnet sich das Dilemma schon auf den ersten Blick ab. Da stehen dann Geräte aus der letzten Saison mit einer scheinbar besseren Energieeffizienz neben Geräten, die zwar neuer und besser sind, jedoch schlechter eingestuft werden. Dass man auf die +-Exzesse verzichtet, ist ja durchaus lobenswert. Dass es jetzt für längere Zeit keine mit A ausgezeichneten Geräte mehr geben dürfte, wird nicht nur den Kunden, sondern auch dem Handel einigen Verdruss bereiten.

Der Handel muss künftig bei jeder Neueinstufung eines Geräts die entsprechende Auszeichnung am jeweiligen Ausstellungsgerät innerhalb von etwa zwei Wochen aktualisieren. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist jedoch kaum damit zu rechnen, dass ein A+++-Label so schnell gegen ein künftig korrektes C-Label getauscht wird. Man hofft auf diese Weise, die Industrie zur Entwicklung noch effizienterer Geräte anzuspornen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Elektrogeräte effizienter zu machen. Bei den Staubsaugern erfolgt dies beispielsweise durch eine Optimierung des Luftkanals oder den Tausch des Staubbeutels gegen einen Beutel-losen Zyklon. Bei Waschmaschinen gibt es die Möglichkeit, durch einen verlängerten Waschprozess, in dem die Wäsche mechanisch bearbeitet wird, mit niedrigeren Temperaturen zu arbeiten.

Mechanik braucht für die gleiche Waschleistung in der Regel weniger Energie als die Heizung. So steigt die Waschtemperatur moderner Waschmaschinen bei eco 60 kaum über real 40°C, aber die Dauer des Waschvorgangs erreicht gerne drei Stunden. Den Energiebedarf könnte man jetzt, wie es in Japan üblich ist, noch weiter reduzieren, indem man auf die verstärkte Anwendung von Chemie setzt. In den vergangenen Jahren war es auch üblich, das Fassungsvermögen der Waschmaschinen zu erhöhen.

Dies führt ebenfalls zu einer Energieeinsparung je Kilo Waschgut. Der Vorteil geht jedoch sofort verloren, wenn die Waschmaschine nicht mit ihrer Nennmenge beschickt wird. Selbst eine automatische Füllmengenerkennung hilft da nicht wirklich. Eine erkannte Füllmenge von 50 % führt nur zu einer Energieeinsparung von etwa 20 %. Hat man in einem Haushalt nicht genug Raum zum Stapeln schmutziger Wäsche, ist die größere Waschmaschine energetisch kontraproduktiv.

Auch wenn viele Elektrogeräte in den vergangenen Jahren effizienter wurden, gelten die Aussagen nur für Effizienz eines Gerätes zum Zeitpunkt der Produktion/des Verkaufs. Kühlschränke sind ein unter Fachleuten bekanntes Beispiel dafür, dass Geräte durchaus zügig altern können.

Die Dämmung der in Europa verkauften Haushaltskühlschränke erfolgt durch Formteile aus Polystyrol, wie es in ähnlicher Form auch in der Fassadendämmug zum Einsatz kommt. Dieses Material degradiert schneller, als der Verbraucher erwartet. Es gibt bessere Dämmungssysteme, doch der europäische Kühlschrankmarkt ist so preisempfindlich, dass die besseren Dämmungen hierzulande unverkäuflich sind. Der japanische Elektro-Multi Panasonic hat seine Vakuum-gedämmten Kühlgeräte vor wenigen Jahren wegen Erfolglosigkeit aus dem europäischen Markt zurückgezogen. Es gibt diese heute nur noch in den USA und im japanischen Heimatmarkt.

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