Aus Russland über die Türkei nach Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn

Die Pläne für einen South-Stream-Gaspipelinersatz konkretisieren sich

Vor sechs Jahren vereinbarte der russische Energiekonzern Gazprom mit der bulgarischen Energieholding den Bau einer Pipeline durch das schwarze Meer, die bei Varna anlanden und dort die Gasversorgung Europas unter Umgehung des Risikostaats Ukraine sichern sollte. Aber im letzten Jahr verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Brüssel und Moskau deutlich - und die EU drohte Bulgarien mit einem Vertragsverletzungsverfahren, bis die dortige Regierung den Weiterbau der 2012 begonnenen Leitung blockierte. Offizieller Grund dafür ist die Nichteinhaltung von EU-Wettbewerbsregeln durch Gazprom.

Das langfristige Angebot an und die langfristige Nachfrage nach Erdgas bestehen allerdings weiter. Und beide suchen sich neue Wege, um zusammenzukommen: Im Dezember verkündete der russische Staatspräsident Wladimir Putin bei einem Staatsbesuch in der Türkei, dass Gazprom das für South Stream vorgesehene Gas dorthin liefern werde. Die Türkei könne das Gas dann über einen Hub in Rumelien nach Griechenland liefern.

Nun kristallisiert sich heraus, wie eine Gaspipeline aus Griechenland weiterverlaufen könnte: In Ungarn, das im Februar eine engere energiepolitische Zusammenarbeit mit Russland ausgemacht hat, trafen sich jetzt Minister aus der Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien und besprachen den Transport von Gas aus Russland, der dem ungarischen Außenminister Péter Szijjártó zufolge "eine der wichtigsten Fragen der Zukunft" ist. Zu einem zweiten Treffen im Juli will man auch Vertreter von Albanien und Bosnien-Herzegowina einladen. Beide Länder gehören - ebenso wie Serbien, Mazedonien und die Türkei - nicht der EU an.

Karte: San Jose. Bearbeitung: Telepolis. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Von Ungarn aus könnte das russische Gas nach Österreich weitergepumpt werden - zum Beispiel durch die für das ursprüngliche Projekt gegründete österreichische South Stream Austria GmbH, die zu jeweils der Hälfte Gazprom und dem österreichischen Energiekonzern OMV gehört.

Ob sich eine South-Stream-Ersatzpipeline lohnt, hängt vor allem vom Gaspreis ab: Der ist derzeit relativ niedrig, weil er in vielen Verträgen an den (aktuell ebenfalls stark gesunkenen) Ölpreis gekoppelt ist. Allerdings wird erwartet, dass dieser Ölpreis wieder stark steigen könnte, wenn US-amerikanische Fracking-Förderstätten, deren Betrieb sich bei einem niedrigen Öl- und Gaspreis nicht oder kaum lohnt, geschlossen werden. Ist diese Konkurrenz vom Markt verschwunden, könnten Länder wie Saudi-Arabien ihre Förderung wieder drosseln, was den potenziellen Preisanstieg verstärken würde. (Peter Mühlbauer)

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