Aus Terraforming des Roten Planeten wird vorerst nichts

Bild: NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA), J. Bell (ASU), and M. Wolff (Space Science Institute)

Wissenschaftler haben aufgrund neuer Satellitendaten ausgerechnet, dass sich mit den vorhandenen Ressourcen aus Treibhausgasen die Marsatmosphäre nicht lebensfreundlich gestalten lässt

Auf dem Mond waren immerhin schon mal Menschen, wenn man nicht Anhänger der Moon-Hoax-Theorie ist und die Mondlandungen der Amerikaner als aufwendige Inszenierung verstehen will. Aber es gibt ja auch Anhänger der flachen Welt. Wie auch immer, es könnte durchaus sein, dass in den nächsten Jahren wieder eine bemannte Mission auf dem Mond landen und vielleicht dort auch irgendwann eine Siedlung aufbauen wird - geeignet allerdings nur für Menschen, die es wie auf der ISS in kleinen, geschlossenen Räumen ohne Platzangst aushalten.

Attraktiv zum Leben, Wohnen und Arbeiten ist der Mond mit seinen lebensabweisenden Wüsteneien nicht. Daher wurde schon immer gerne der Mars als Ziel einer Kolonisierung aufgebaut. Dort soll es nicht nur einmal flüssiges Wasser gegeben haben, sondern es gibt auch eine Atmosphäre mit viel CO2, das zudem im Polkappeneis gespeichert ist. Um aus dem Mars eine zweite Erde zu machen, was terraforming genannt wird, müsste sich einiges im großen Maßstab durch Geoengineering verändern. Die Temperaturen müssten steigen, die Atmosphäre dichter, der Sauerstoffgehalt erhöht und das Eis geschmolzen werden.

Schon naiv betrachtet ist die Vorstellung, den Mars technisch zu einer Lebenswelt oder neuen Heimat für den Menschen zu machen, wenn er die Erde verlassen muss, kaum mehr als eine träumerische Science Fiction, auch wenn der Mars gegenüber der Erde, die wir als Lebenswelt für Menschen gerade zerstören könnten, aber kaum in der Lage zu sein scheinen, sie zu retten, den Vorteil zu haben scheint, dass man ihn von Grund auf aufbauen könnte, sofern das Wissen und die Mittel vorhanden wären. Auch die Religionen und Philosophen haben immer vom Weltenbauer geträumt, der die Welt von Grund auf und auf einem sicheren Fundament Schritt für Schritt aufbaut. Dem hatte der Philosoph Otto Neurath schon mangelnden Realitätsgehalt entgegengehalten und gesagt: "Es gibt keine tabula rasa. Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können."

"Das Terraforming des Mars ist mit der gegenwärtig vorhandenen Technik nicht möglich"

Nach einer von der Nasa unterstützten Untersuchung von Bruce Jakosky von der University of Colorado, Boulder, und Christopher Edwards von der Northern Arizona University scheint es aussichtslos zu sein, zumindest mit dem heutigen Stand der Technik, auf dem Mars eine zum Leben erforderliche Atmosphäre aufbauen zu können. Die Ergebnisse wurden in Nature Astronomy veröffentlicht. Schon früher wurde versucht, die Möglichkeit des Terraforming zu berechnen, die beiden Wissenschaftler verwendeten dazu die neuen Daten von Satelliten wie Mars Reconnaissance Orbiter, Mars Odyssey und MAVEN (Mars Atmosphere and Volatile Evolution). Daraus ergaben sich neue Kenntnisse über volatile Elemente wie CO2 und H20, über deren Anwesenheit auf und unter der Oberfläche und dem Gasverlust aus der Atmosphäre in den Weltraum.

Es gibt nach den beiden Wissenschaftlern nicht genug CO2, um eine ausreichende Erwärmung zu schaffen, damit das Gas in die Atmosphäre gelangt: "Überdies ist das meiste CO2 nicht zugänglich und kann nicht einfach freigesetzt werden. Konsequenz ist, dass das Terraforming des Mars mit der gegenwärtig vorhandenen Technik nicht möglich ist."

Nach ihren Erkenntnissen, die ältere Ergebnisse bestätigen, ist die Atmosphäre zu dünn und hat sie einen zu geringen Luftdruck - gerade einmal 0,6 Prozent des irdischen -, so dass flüssiges Wasser sich nicht halten könnte oder gefrieren würde. Flüssiges Wasser ist aber entscheidend für Leben, zumindest für irdisches Leben. Um eine dichtere Atmosphäre zu schaffen, müssten massenhaft Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, die diese dann aufheizen könnten. Auf dem Mars gibt es nur CO2 und Wasserdampf als Treibhausgase in ausreichender Menge, um einen Effekt bewirken zu können. Auch wenn es einst auf dem Mars vermutlich flüssiges Wasser auf der Oberfläche und einen entsprechenden Luftdruck gegeben hat, ist die möglicherweise für das Leben geeignete Atmoshphäre durch Solarwinde und Solarstrahlung in den Weltraum entwichen.

Damit flüssiges Wasser auf dem Mars bleibt, müsste der Luftdruck ähnlich hoch wie auf der Erde sein. Es gebe zwar genügend Eis, mit dem sich Wasserdampf erzeugen ließe, aber Wasser wiederum verursacht keine nennenswerte Erwärmung. Um als Dampf in der Atmosphäre zu bleiben, müsste diese erst einmal durch CO2 aufgewärmt werden. Es wurde zwar auch vorgeschlagen, andere Treibhausgase wie Fluorkohlenwasserstoffe zu verwenden. Aber diese seien kurzlebig und würden so umfangreiche Herstellungsprozesse erfordern, dass sie die beiden Wissenschaftler nicht in ihrer Untersuchung einbezogen haben.

Bild: NASA Goddard Space Flight Center

Das CO2 aus den Polareiskappen ließe sich lösen, indem ausreichend Staub auf sie gesprüht wird, damit das Gas durch Erwärmung entweicht. Allerdings würde die gesamte Menge nur reichen, um den Luftdruck zu verdoppeln, der aber auch dann nur 1,2 Prozent des irdischen betragen würde. Wie immer man das in großem Maßstab auch machen will, so könnte durch Erhitzen des Marsbodens auch CO2 in die Atmosphäre gebracht werden. Das aber würde höchstens für 4 Prozent des erforderlichen Luftdrucks ausreichen.

Und dann könnte man theoretisch noch CO2 aus den Gesteinen freisetzen, was aber auch höchstens 5 Prozent beitragen würde. Um nur das oberflächlich gespeicherte CO2 freizusetzen, müsste der ganz Mars bis in eine Tiefe von 100 Metern zu einer Mine werden. Zwar könnte kohlenstoffhaltiges Gestein bis tief in die Kruste genügend CO2 enthalten, um einen genügend hohen Luftdruck herzustellen, aber in welchen Mengen es dort vorhanden ist, ist nicht bekannt. Zudem wäre die Freisetzung eine gewaltige technische Herausforderung und würde Temperaturen über 300 Grad Celsius erforderlich machen. Man könnte auch Kometen und Asteroide auf den Mars lenken, um den Vorgang zu beschleunigen, aber das müssten schon tausende sein, was kaum machbar erscheint.

Insgesamt ließe sich mit den auf dem Mars vorhandenen Ressourcen ein Luftdruck herstellen, der gerade einmal 7 Prozent des irdischen beträgt. Damit lässt sich nach Wissenschaftlern ein Terraforming nicht bewirken, selbst wenn es möglich wäre, alle CO2-Vorräte tatsächlich in die Atmosphäre zu bringen. Damit kann man zumindest vorerst das Thema Terraforming des Mars abhaken. Allerdings konnte man sich noch nie recht vorstellen, wie solch ein gigantisches Unternehmen über lange Zeit überhaupt hätte von einer Menschheit vollbracht werden können, die es noch nicht einmal schafft, auch nur kurzfristig auf der Erde friedlich zu leben und Lebensgrundlagen für alle zu bieten. (Florian Rötzer)

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