Ausbildungsmarkt: Wer findet nach Corona noch einen Job?

Betriebliches Angebot nimmt um 8,8 Prozent ab. Pandemie erschwert Lage. Gewerkschaften fordern staatliche Unterstützung

Der Ausbildungsmarkt befindet sich aktuell im Sinkflug, kritisiert der DGB. Die Zahlen des aktuellen Berufsbildungsberichts sorgen für Aufsehen. Dabei hat das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) bereits zu Beginn der Pandemie gewarnt: "Vergesst die Auszubildenden nicht!"

Die Warnungen wurden überhört. Das Ausbildungsangebot der Betriebe ist um 8,8 Prozent auf 527.400 gesunken. Die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf 59.900 gestiegen. Diese Zahlen liefert der Anfang des Monats veröffentlichte Berufsbildungsbericht. Er beschreibt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt und die Situation zum Beginn des Ausbildungsjahres zum Stichtag 30. September 2020, dem aktuellen Ausbildungsjahr.

Es sei Zeit zum Handeln, die Berufsbildung benötige eine "strukturelle Therapie", betonte DGB-Vorstand Elke Hannack. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist zum ersten Mal seit der Deutschen Einheit unter die 500.000er-Marke gefallen.

Lage auf Ausbildungsmarkt schon vor Pandemie schwierig

Schon vor der Corona-Krise hatte sich die Zahl der jungen Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung auf 2,16 Millionen erhöht. Das sind 14,7 Prozent der 20- bis 34-Jährigen. "Seit Jahren kommen die Unternehmen ihrer Verantwortung nicht nach und bilden viel zu wenig aus", bemängelt Jacqueline Weber, ehrenamtliche Vertreterin der DGB-Jugend. Mehr als 80 Prozent aller Betriebe stellen keine Auszubildenden ein. Der Schwund zeigt sich nicht nur bei kleinen und mittelgroßen Firmen aus Handwerk, Gastgewerbe und Handel. Gleichzeitig beklagen Unternehmen Fachkräftemangel.

Dieser Fachkräftemangel sei eine der größten Herausforderungen für den deutschen Mittelstand, so das Ergebnis einer Betriebsbefragung des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mit der DZ Bank.

Ein Instrument gegen Fachkräftemangel wäre die Ausbildung im Betrieb. "Das Ausbildungssystem in Deutschland ist ein Erfolgsmodell", jubelt das Bundeswirtschaftsministerium. Es sind nur Ausbildungen zulässig, deren Ausbildungsordnung staatlich anerkannt ist, die einerseits über Berufsschulunterricht, andererseits durch Lernen im Betrieb organisiert werden. Nach Berufsbildungsgesetz hat der Ausbildungsbetrieb die Ausbildung so zu organisieren, dass die Auszubildenden eine berufliche Handlungsfähigkeit erwerben.

Eine konkrete Gliederung der Ausbildung muss sich aus dem betrieblichen Ausbildungsplan ergeben, der eine besondere Rolle für die Qualität der Ausbildung hat. Dies setzt aber voraus, dass Betriebe auch ausbilden. "Die Schrumpfung des Ausbildungsmarktes besorgt mich zutiefst", erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.