Auschwitz-Christbaumschmuck aus Fernost via Amazon

Symbolbild: Kristina Paukshtite, Pixabay License

Das staatliche Museum Auschwitz in Polen protestiert

Der Todesstreifen von Auschwitz als Motiv auf einem Weihnachtsstern, an einem Christbaum hängend - Produkte dieser Art wurden bis Sonntag bei Amazon vertrieben. Das staatliche Museum Auschwitz in Polen protestierte via Twitter und der globale Onlineversandhändler hat bereits reagiert und entsprechende Mousepads, Weihnachtsschmuck und Bieröffner aus seinem Sortiment entfernt.

"Das ist ein Skandal" meint Pressesprecherin Dorota Kuczynska auf Anfrage. "Wir haben bereits die Rechtsabteilung benachrichtigt." In letzter Zeit würde die Gedenkstätte öfters Hinweise auf unethische Kommerzialisierung von Bildern des KZ über die Sozialen Medien hingewiesen.

In dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im von Deutschland besetzten Polen starben von 1940 bis 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen, davon waren die meisten Juden. Auschwitz war das größte Lager und Instrument der Nationalsozialisten bei der Vernichtung der Juden, die Bilder des Tors von Auschwitz, der Todesstreifen, die Todesmauer haben heute einen ikonenhaften Charakter. Gleichzeitig ist das Gelände heute UNESCO-Weltkulturerbe und ein "Touristenmagnet".

"Verkaufsschlager"

Mit über 2,1 Millionen Besuchern wurde im vergangen Jahr ein Rekord erreicht, der seine mediale Verbreitung fand. Vielleicht ist dies der Grund warum man im fernen Quanzhou, gelegen in Südost-China, auf die Idee mit dem Vertrieb von "Christmas Ornaments" mit Auschwitz-Motiven kam.

Denn der Verkäufer "eddiwei shop" hat dort seine Geschäftsadresse und seine zweifelhafen Produkte werden noch bei "Whish-shopping" gelistet (Stand Montagmittag) und scheinen ein Verkaufsschlager zu sein. "Fast weg!" steht bei dem Christbaumschmuck mit dem Eisenbahntor von Auschwitz.

Zumindest Amazon verfügt eigentlich über eine ethische Linie, was den Vertrieb seiner Produkte betrifft, dies ist auf der Webseite unter "Anstößiges und umstrittenes Material" nachzulesen. Dort stehen "Produkte im Zusammenhang mit menschlichen Tragödien und Naturkatastrophen" auf dem Index. Dies betreffe jedoch keine Bücher, Musik, Videos oder DVD.

Gegenüber der New York Times erklärte der ehemalige Amazon-Mitarbeiter Chris McCabe, dass Algorithmen das Angebot durchsuchen und mögliche Verstöße melden - über den Verbleib entschieden jedoch "menschliche Wesen". Das große Angebot mache es unmöglich alles zu kontrollieren bevor es auf der Webseite angezeigt werde. Vor allem der "Black Friday" habe die Mitarbeiter stark belastet.

Amazon müsste hier mehr in sein Internet-Tools investieren. Wie die Algorithmen auf Anstößiges programmiert werden und welche Schulungen die Amazon-Mitarbeiter erhalten, wäre mal interessant zu wissen. Doch gilt der Konzern nicht als sehr auskunftfreudig, so bekam die NYT dort keine Informationen, wie lange der zweifelhafte Christbaumschmuck schon im Angebot war. (Jens Mattern)