Auto-Terrorismus in Deutschland

Bild: F.R.

Kommentar zur deutschen Regierung und Autoindustrie

Das Wohlergehen der Autoindustrie war jeder Bundesregierung wichtiger als die Gesundheit ihrer Wähler. Das Ergebnis dieser verbrecherischen Politik: Zehntausende Tote durch zu hohe Feinstaubwerte und Dieselruß. Das ist praktizierter Auto-Terrorismus.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Den Anfang machte Norwegen. Bis 2025 sollen dort keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Die Niederlande lassen ab 2035 nur noch emissionsfreie Autos zu. In Schweden verabschiedet sich sogar der Autohersteller Volvo vom Verbrennungsmotor - schon im Jahr 2019.

China will ab 2018 oder 2019 eine ehrgeizige Quote für Elektroautos einführen, vor der die deutschen Autobauer Angst haben, weil sie darauf nicht vorbereitet sind. Und nun hat die konservative Regierung in London bekanntgegeben, dass im zweitgrößten Auto-Land Europas ab 2040 der Verkauf von Benzin- oder Dieselautos verboten sei. Die französische Regierung hat Ähnliches beschlossen.

Und was macht in dieser Umbruch-Situation Europas größtes Autoindustrieland Deutschland?

Es behandelt diese Ankündigungen wie einen Aprilscherz. Dabei ist hierzulande jeder siebte Arbeitsplatz von der Autoproduktion abhängig. Die Sprecherin von Verkehrsminister Dobrindt, der in Wirklichkeit ein Autominister ist, sagt zur aktuellen Ankündigung aus England: Dieser Beschluss sei "relativ phantasielos". Wie phantasievoll ist denn diese deutsche Phantasielosigkeit?

Schon einige Mal hat sich die deutsche Industrie vergeblich gegen anstehenden Wandel gewehrt. Zum Beispiel in den Siebzigern und Achtzigern gegen die Computerisierung. Die Computer-Jobs sind dann in Japan und in Kalifornien entstanden.

Oder: Schon Anfang der Siebziger haben zwei deutsche Professoren an der TH Aachen das erste Hybrid-Auto der Welt entwickelt und es allen deutschen Autobauern angeboten. Doch diese wollten es damals so wenig wie heute das Elektroauto. 20 Jahre später schließlich hat die japanische Autoindustrie mit der deutschen Hybrid-Technik viel Geld verdient und viele Jobs geschaffen. Wer den notwendigen Wandel verschläft, kann ihn nicht mitgestalten.

Die klassischen Otto-Verbrennungsmotoren nutzen die eingesetzte Energie über Benzin nur zu 20%. Und das im Zeitalter der Energie-Effizienz. Sowohl die EU-Kommission in Brüssel wie auch die Bundesregierung betonen immer wieder, dass wir in Europa bis zum Jahr 2050 die Energieverbräuche mehr als halbieren müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Jedes Kind lernt heute in der Schule, dass das mit dem Verbrennungsmotor nicht zu erreichen ist.

Benzin- und Diesel-Autos sind schon lange ein Anachronismus. Ein einziger Liter Benzin vergiftet und verpestet 10.000 Liter Luft. Unsere Enkel werden uns dafür verfluchen und auslachen. Aber die Konsequenz aus dieser schon lange bekannten Erkenntnis wird nicht gezogen. Die Bundesregierung weiß zwar, was sie tut, aber sie tut nicht, was sie weiß. Es gibt aber keine Energiewende ohne Verkehrswende.

Wenn die deutsche Autoindustrie Zukunft haben will, dann sollte sie zum Beispiel mal über die Frage nachdenken, warum ausgerechnet das Öl-Exportland Norwegen beschlossen hat, schon 2025 keine Benziner oder Diesel mehr zuzulassen.

Die deutsche Bundesregierung hat vor der eigenen Auto-Industrie so viel Angst wie vor einem Verbot der Tabak-Werbung oder vor einer Zuckersteuer. Sie geht vor mächtigen Interessengruppen in die Knie. Diese Angst hat den Autokanzler Schröder politisch ebenso erblinden lassen wie die Autokanzlerin Merkel.

Das Wohlergehen der Autoindustrie war jeder Bundesregierung wichtiger als die Gesundheit ihrer Wähler. Das Ergebnis dieser verbrecherischen Politik: Zehntausende Tote durch zu hohe Feinstaubwerte und Dieselruß. Das ist praktizierter Auto-Terrorismus.

Wieder einmal bewahrheitet sich Horst Seehofers Erkenntnis, wonach die Gewählten nichts zu entscheiden haben und die wahren Entscheider nicht gewählt worden sind. Die Bundesregierung kungelt beim Diesel-Skandal mit der Autoindustrie, schließt die Augen bei wahrscheinlichen Kartellabsprachen und verschläft die Elektromobilität. Das ist Demokratie-gefährdend, führt zu Wahlverdrossenheit und ist Stoff für populistische Parteien.

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(Franz Alt)

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