Autoren über Ebay gesucht!

Wer schreiben will, muss aber zahlen

Wer ein Buch veröffentlicht, der macht das in der Regel nicht für umsonst. Gewöhnlich zahlt ihm der Verlag ein vorher festgelegtes Honorar oder der Autor wird am Umsatz des Buches beteiligt. Nun jedoch dreht ein Verlag den Spieß um. Wer bei ihm schreiben möchte, der braucht zwar kein Talent, muss aber dafür bezahlen. Genauer gesagt: er muss zuvor im Internet-Auktionshaus Ebay eine oder mehrere Seiten des geplanten Buches ersteigern. Und das kann ganz schön teuer werden: Bereits drei Tage vor Auktionsschluss liegt das Höchstgebot beispielsweise für die Seite 32 bei 110 Euro.

Dennoch scheint die Nachfrage groß zu sein. 12 Seiten sind nämlich schon versteigert worden. Und müssen nun natürlich noch von den Auktionsgewinnern mit Text gefüllt werden. Aber damit keiner den ersteigerten literarischen Freiraum mit totalem Unsinn füllt, hat der verantwortliche „Graf von Wurmbrand-Stuppach Verlag“ eine genaue Vorgabe genannt. Das geplante Buch, das 2006 ganz regulär in den Handel kommen soll, trägt den Titel Geschichte des Lebens, und dementsprechend sollen die Autoren also ihre ganz persönlichen Geschichten ihres Lebens niederschreiben. Weil – dieser Hinweis durfte in der Presseerklärung des Verlages natürlich nicht fehlen – das Leben bekanntlich die besten Geschichte schreibt.

Bloß geschrieben wird dann leider nicht vom Leben selber, sondern von ganz normalen Menschen, die allerdings einen Hang zum Literarischen oder zur literarisch verbrämten Selbstdarstellung verspüren. Ob das jedoch später Käufer und Leser finden wird, darf bei einem angekündigten Buchpreis von 24,50 Euro zumindest bezweifelt werden. Aber dem Verlag kann es ja egal sein, schließlich haben seine Autoren das Buch schon vorher aus eigener Tasche bezahlt.

Da sage einer, dass es bei uns keine kreativen Geschäftsideen mehr gebe. Genauso kreativ war vor einiger Zeit die Idee, über Ebay Rollen in Spielfilmen zu versteigern. Die gingen zwar weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, aber von den angeblich geplanten Filmprojekten hat man danach nicht mehr viel gehört. (Ernst Corinth)

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