"Autoritärer Populismus" auf dem Vormarsch

Besonders stark in Rumänien, Polen und Frankreich. Meinungsforschungsinstitut YouGov geht von einer Herausforderung für die Demokratie aus

Wie populistisch sind die Bürger in den verschiedenen Ländern Europas eingestellt? Das britische Meinungsforschungsinsitut YouGov ging der Frage nach und kam zu dem Ergebnis: In acht von zwölf europäischen Ländern teilt beinahe die Hälfte der Bürger Ansichten einer Sichtweise, die Politikwissenschaftler als "autoritären Populismus" bezeichnen - in einigen Ländern sind es gar weit mehr als die Hälfte.

Laut den nun von YouGov veröffentlichten Daten, gehören Rumänien und Polen zu den Ländern, deren Bürger besonders häufig Meinungen vertreten, die als autoritär populistisch eingeordnet werden können. In Rumänien sind es 82 Prozent, in Polen 78 Prozent der Befragten, die beispielsweise ihre Probleme mit Einwanderung und der EU haben. Selbst in Frankreich liegt der gemessene Wert bei 63 Prozent.

Auch die Bürger der Niederlande (55 Prozent), Finnlands (50 Prozent), Dänemarks (49 Prozent), Großbritaniens (48) und Italiens (47) hängen zu einem großen Teil dem autoritären Populismus an. Für Deutschland hat YouGov einen Wert von 18 Prozent ermittelt.

Wie YouGov erklärt, handele es sich bei dem Ausdruck "autoritärer Populismus" um einen Begriff, der in den 80er Jahren geprägt wurde, als es darum ging, die Politik von Ronald Reagan und Margaret Thatcher sprachlich zu erfassen, also eine Politik, die unter anderem Zynismus anstelle von Menschenrechte setzte und außenpolitisch vor allem die nationalen Interessen in den Vordergrund stellte, so das Meinungsforschungsinstitut. Mit Bill Clinton und Tony Blair habe dann ein anderer politischer Stil Einzug gehalten und der Begriff sei ins Abseits geraten.

YouGov befürchtet, dass der autoritäre Populismus zu einem entscheidenden Faktor in der Politik des nächsten Jahrzehntes werden könnte - und das "nicht nur in Europa, sondern in allen Vorzeigedemokratien". Sollte es zu einer Verbindung von denjenigen mit einem "moderaten autoritären Populismus" und jenen mit einem "starken autoritären Populismus" kommen, sieht man YouGov eine ernsthafte Herausforderung für die bestehende politische Ordnung gegeben.

Doch selbst wenn dies nicht eintreten würde: Alleine die Masse der Unterstützer eines autoritären Populismus könne bereits einen Druck innerhalb des politischen Systems erzeugen, der stark genug ist, um den Kurs der Politik in den jeweiligen Ländern zu beeinflussen. (Marcus Klöckner)

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