Bachelor-Abschluss: Die Unzufriedenheit der Unternehmen steigt

DIHK-Chef plädiert für eine bessere Orientierung an Duale Aus-und Weiterbildung und für Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen

Weniger Ausbildungsverträge, weniger Bewerber und viele unbesetzte Lehrstellen konstatierte kürzlich der Berufs-Bildungsbericht 2015 der Bundesregierung, der "Passungsprobleme" zwischen betrieblichen Anforderungen und Ausbildungswünschen der Jugendlichen akzentuierte. Dabei kam auch ein Phänomen zur Sprache, das häufig mit dem Reizwort "Akademisierungswahn" umschreiben wird, der Trend zum Gymnasium und folgendem Studium, das Verblassen der früheren Zugnummer "Duale Ausbildung" (vgl. Weniger Lehrstellenverträge und weniger Bewerber).

Daran knüpfen nun Äußerungen des Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, an. Er moniert ebenfalls eine "Überakademisierung" zu Lasten der Attraktivität der Dualen Ausbildung. Dabei kritisiert er besonders die Ausbildungsqualität der Bachelor-Absolventen aus der Warte der Unternehmen. Auch hier zeigen sich wachsende Passungsprobleme: die Unternehmer würden immer unzufriedener mit Studenten, die einen Bachelor-Abschluss haben, so Schweitzer.

Alle vier Jahre fragen wir ab, ob die Erwartungen der Unternehmen an die Bachelor-Absolventen erfüllt werden. Es zeigt sich, dass dies gerade in den letzten vier Jahren immer weniger der Fall ist. Waren 2011 noch 63 Prozent der Unternehmen zufrieden, sind es heute nur noch 47 Prozent. Ein Unterschied von 16 Prozentpunkten! Das ist eine besorgniserregende Entwicklung.

Machen die Studenten weiter bis zum Master-Abschluss - das sind immerhin zwei Drittel der Studierenden - stellt sich die Sache schon etwas anders dar. 78 Prozent der Unternehmen seinen mit ihnen zufrieden, 2011 waren es nur 65 Prozent. Der Masterabschluss käme der Wirtschaft zugute und schaffe auf jeden Fall bessere Chancen, so der DIHK-Präsident, der dazu noch anmerkt, dass das Alter, bzw. der Reifegrad der Master-Studenten auch eine Rolle spielen könnte.

Zwar sei es im Prinzip richtig, dass man in Deutschland darauf geachtet habe, dass Studenten in jüngerem Alter abschließen, aber, so Schweitzer, er könne sich schon vorstellen, "dass die wachsende Unzufriedenheit mit den Bachelor-Kandidaten mit dem sinkenden Alter der Absolventen zusammenhängt.

Ein wenig Erfahrung und Horizont schaden nicht.

Die große Stoßrichtung seines Interviews ist jedoch die Kritik an der mangelnden Berufsorientierung der hierzulande bevorzugten Schulausbildung. Es würden zu viele studieren, die besser eine Ausbildung machen sollten, so Schweitzer. Als Indiz dafür zählt er etwa die hohe, volkswirtschaftlich teure Abbruchquote auf (30 Prozent).

Man müsste schon beim Gymnasium ansetzen. Sie sollten davon ablassen, in den Schülern nur künftige Studenten zu sehen, sondern die duale Aus- und Weiterbildung als "gleichwertige Möglichkeit" begreifen lassen. Zumal das Abitur als Zulassungsvoraussetzung für das Studium nach Ansicht des DIHK-Chefs "entwertet" würde: "Im Ausland wird ja bereits hinterfragt, ob das deutsche Abitur dort noch als Zulassungsvoraussetzung für ein Studium genügt."

Schweitzer fordert andere "politische Angebote". Was er meint, ist eigentlich eine Angebotseinschränkung für Studierwillige, weil das "unbegrenzte politische Angebot", wonach jeder, der studieren will, auch studieren können soll, falsch sei.

Stattdessen sollte die Zahl der Studienplätze "wieder verknappt" werden, mit "sinnvollen Zulassungsbeschränkungen". Die vage Formulierung ergänzt Schweiter damit, dass sie die Beschränkungen nicht nur an Abiturnoten orientieren und die Hochschulen geeignete Kandidaten für die richtigen Fächer finden sollten. (Thomas Pany)

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