Bald Kinofilme auf YouTube?

Angeblich stehen die Verhandlungen mit mindestens einem großen Studio kurz vor dem Abschluss

Bisher sind auf YouTube vor allem ältere und nach amerikanischem Recht gemeinfreie Spielfilme zu sehen, viele davon in zehnminütige Häppchen zerteilt. Seit Cnet letzte Woche von einem hochrangigen Mitarbeiter eines Medienkonzerns Insider-Informationen erhalten haben will, wird in amerikanischen Blogs und Technologiemedien intensiv darüber spekuliert, ob, wann und von wem YouTube zukünftig auch neuere Spielfilme streamen wird.

Den Gerüchten zufolge soll Google, die Konzernmutter von YouTube, mit den großen Filmfirmen in so intensivem Kontakt über ein Spielfilm-Streaming stehen, dass der Start des neuen Angebots möglicherweise noch vor Weihnachten erfolgt. Eine amerikanische Google-Sprecherin bestätigte Cnet gegenüber angeblich Verhandlungen, deren Ziel es sei Nutzern, Partnern und Werbekunden die "größtmögliche Auswahl" zu bieten.

Den Cnet-Gerüchten zufolge soll nun mindestens ein großes amerikanisches Filmstudio so starkes Interesse an einem Spielfilmangebot bei YouTube haben, dass im Grundsatz Einigkeit herrscht und nur noch über die Ausgestaltung der Werbung diskutiert wird. Angeblich will Google ein neues Werbeformat verwenden, das bei den Filmfirmen auf Skepsis stößt. Zudem soll es unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie viel Werbung direkt im Stream platziert werden kann, ohne zu viele Benutzer zu sehr zu verärgern.

Inwieweit die Spielfilm-Streams auch auf IP-Adressen außerhalb der USA abspielbar sein werden, ist noch offen. Allerdings kann YouTube zwar bestimmte IP-Nummernbereiche ausgrenzen, sperrt damit aber weder die Nutzer von Proxies, noch die von speziellen Unblocker-Portalen aus, welche mittlerweile vor allem in zensurintensiven Ländern wie der Türkei sehr beliebt sind.

YouTube versucht bereits seit einiger Zeit, sein Angebot zu erweitern: Mit mehreren Fernsehsendern und Musikkrechteinhabern gibt es Kooperationsabkommen, die eine Teilung der Werbeeinnahmen für professionell produzierte Inhalte vorsehen. Seit Oktober laufen komplette Episoden von Fernsehserien wie Star Trek und McGyver auf dem Portal, seitdem gibt es auch eine neue Widescreen-Abspielmöglichkeit namens "Theater View".

Allerdings gibt es auch Medienkonzerne, die sich bisher einer Zusammenarbeit verweigern und auf eigene Konkurrenzangebote setzen – unter anderem NBC Universal und Robert Murdochs News Corporation, zu der die Filmfirma 20th Century Fox gehört. Beide gründeten im letzten Jahr das Film- und Serienportal Hulu, das zwar nur einen kleinen Bruchteil der monatlich 80 Millionen YouTube-Nutzer hat, dessen Einnahmen aber fast so hoch sind wie die der Google-Tochter.

Der Medienkonzern Viacom, zu dem unter anderem Disney, Paramount und MTV gehören, versucht es mit einer Kombination aus Konkurrenz und Klagen: Seit Ende Oktober laufen auf einem neuen Webportal Musikvideos in besserer Qualität als bei YouTube (aber teilweise zensiert). Zudem versucht Viacom über Kooperationen Geld aus ungenehmigt eingestellten Inhalten zu machen – allerdings nicht mit YouTube, sondern mit dem zum Murdoch-Imperium gehörenden Portal MySpace und der Werbeplattform Auditude, die mittels "Video-Fingerabdrücken" und einer 250 Millionen Clips umfassenden Datenbank auch kurze und von Dritten eingestellte Inhalte erkennen und mit Werbung versehen soll.

Gleichzeitig will der Konzern vor einem amerikanischen Gericht beweisen, dass der Großteil der auf YouTube gestreamten Clips nicht aus nutzer-, sondern aus fremdgenerierten Inhalten besteht, was der Google-Firma nicht nur bewusst gewesen sein soll, sondern angeblich auch von ihr gefördert wurde. Aus diesem Grund verlangt Viacom von Google eine Milliarde Euro für das ungenehmigte Zeigen von Inhalten, an denen der Medienkonzern Rechte beansprucht.

Google wiederum soll in dem Prozess unter anderem damit argumentieren, dass Viacom selbst heimlich Inhalte zu Werbezwecken bei YouTube einstellte. Zudem verweist das aus einer Suchmaschine entstandene Unternehmen auf seine Bereitschaft, Werbeeinnahmen mit Content-Anbietern zu teilen, und auf sein seit letztem Jahr eingesetztes Videoidentifikationssystem, welches das Einstellen von solchen Medieninhalten erheblich erschweren soll.

Das funktionierte zumindest bei einigen der beliebtesten Fernsehclips der letzten Wochen und Monate überraschend gut - den Sarah-Palin-Parodien aus der NBC-Sendung Saturday Night Live, in welchen der amerikanischen Öffentlichkeit in Erinnerung geführt wurde, dass der Begriff "Maverick" einmal eine Bezeichnung für Kühe war. Davon gab es auf YouTube nur sehr kurze Ausschnitte zu sehen - mit Suchen nach ganzen Sketchen landeten Nutzer dagegen bei Links und Kommentaren, die auf das Streamingangebot des Fernsehsenders verwiesen. NBC Universal sieht die Zuverlässigkeit dieses Verfahrens mittlerweile bei 75 bis 80 Prozent. YouTube selbst äußert sich dazu nicht öffentlich, inoffiziell spricht man angeblich von Raten von über 90 Prozent.

Update: Der New York Times zufolge ist die Einigung von Google mit dem Filmstudio MGM jetzt perfekt, eine Pressemitteilung dazu soll noch heute herausgegeben werden. Danach soll YouTube zukünftig neben Spielfilmen wie Bulletproof Monk und The Magnificent Seven auch alte Folgen von MGM-Fernsehserien wie American Gladiators abspielen dürfen.

(Peter Mühlbauer)