Bald soll es den ersten geklonten Menschen geben

Wieder einmal wollen Reproduktionsmediziner menschliche Embryos geklont und in Leihmütter eingepflanzt haben - noch ohne Erfolg

Seit Jahren kündigt der Reproduktionswissenschaftler Panayiotis Zavos immer einmal wieder möglichst medienwirksam an, demnächst den ersten Menschen zu klonen. Das hatte er schon 2001 zusammen mit dem ebenso obskuren italienischen Fruchtbarkeitsexperten Severino Antinori (Ein italienischer Wissenschaftler will Menschen klonen). 2004 hatte Zavos bereits verkündet, erstmals einen geklonten Embryo einer Leihmutter eingepflanzt zu haben. Da er Beweise dafür schuldig blieb, galt er seitdem als Scharlatan, auch wenn der österreichische Reproduktionsmediziner Karl Immensee ebenfalls behauptet hat, zusammen mit Panayiotis Zavos ein geklontes menschliches Embryo für unfruchtbare Eltern erzeugt zu haben, das allerdings nicht zu einer Schwangerschaft führte (US-Unternehmen hat menschliche Embryonen aus Hautzellen geklont).

Zavos verspricht sich wohl nicht nur Ruhm als Pionier beim reproduktiven Klonen von Menschen, sondern vermutlich auch enorme Profite. Wenn Menschen für Hunde oder andere Tiere schon bereit sind, viel Geld fürs Klonen hinzulegen, um ein genetisches Doppel ihres Lieblings zu haben, dann dürften die Summen bei Menschen noch viel höher sein, zumal dies in vielen Ländern auch verboten ist. Zavos bietet seine Dienste nach Informationen des Independent ab einem Preis von 45.000 US-Dollar an.

Panayiotis Zavos in dem Dokumentarfilm, in dem er seine Klonexperimente bewirbt

Jetzt haben sich Zavos und Karl Illmensee dabei filmen lassen, wie sie angeblich in einem geheim gehaltenen Labor im Nahen Osten 14 menschliche Embryonen geklont und davon 11 in den Uterus von Frauen eingesetzt haben. Die Aufnahmen hat ein Dokumentarfilmer gemacht, der gegenüber der britischen Tageszeitung bestätigte, dass das Klonen stattgefunden habe und dass die Frauen hofften, ein geklontes Kind zu erhalten. Damit hätte das Gespann Zavos/Illmensee, wenn dies wirklich zutreffen sollte, erstmals - oder erneut - das Tabu durchbrochen.

Allerdings räumte er ein, dass das Experiment nicht geklappt hatte. Seine Kunden seien drei verheiratete Paare und eine einzelne Frau aus den USA, aus Großbritannien und einem arabischen Land gewesen. Auch wenn die Einpflanzung der geklonten Embryos nicht funktioniert hat, weil die Kunden nicht "ideal" gewesen seien, verspricht Zavos – um weitere Kunden werbend -, dass dies nur der erste Schritt gewesen sei. Und er erklärt, dass sich das Klonen von Menschen nicht verhindern lassen werde:

Es besteht absolut kein Zweifel daran. Zwar muss nicht ich es sein, der dies macht, aber ein geklontes Kind wird kommen. Es gibt absolut keine Möglichkeit, dass dies nicht geschehen wird.

Dass er nach weiteren Geldgebern sucht, lässt sich daraus erschließen, dass er sagt, er könne in ein bis zwei Jahren ein geklontes Baby schaffen, wenn er seine Forschungsarbeit intensiviere. Ob er dies aber im notwendigen Ausmaß machen könne, wisse er noch nicht. Zavos suggeriert auch, er wisse, warum es zu keinen Schwangerschaften gekommen sei. Wenn er "bessere" Kunden hätte, würde er es schaffen können. Es gäbe Hunderte von Menschen, die ein Kind klonen wollen. Wenn er 10 junge und geeignete Paare finden würde, würde er auch mehrere Schwangerschaften erzielen können.

Angeblich geklontes menschliches Embryo

Zavos gab weiter bekannt, dass er von drei toten Personen Embryos geklont habe, indem er den Zellkern in eine tierische Eizelle eingepflanzt habe. Das sei aber nur zu Versuchszwecken erfolgt, er habe sie nicht in eine Leihmutter einpflanzen, sondern nur mit diesen "hybriden Modellen" experimentieren und die Methoden verbessern wollen. Ein amerikanisches Paar wollte angeblich ein Mädchen klonen, weil ihre Tochter im Alter von 10 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei.

Der Film, der heute Abend im britischen Discovery Channel gesendet wird und von dem eine Kurzfassung auf YouTube zu sehen ist, ist mithin als Werbespot zu verstehen, um an neue und vermögende Kunden heranzukommen. Zwar warnen die meisten Experten vor den vielen Risiken beim reproduktiven Klonen von Menschen, aber es kann gut sein, dass es Manche drängt, etwa ein verlorenes Kind durch ein Double zu ersetzen oder auch einfach als Pionier in die Geschichte einzugehen.

Zavos sagt, er würde jeden Tag ernsthafte Anfragen erhalten, was ähnlich auch Antinori verkündet hatte, bevor er von der Bühne verschwunden ist (200 Paare wollen ein Klonkind). Und er will sich auch als verantwortlicher Reproduktionsmediziner darstellen. Das Kriterium für ihn sei, dass das reproduktive Klonen für die Kunden die letzte verbliebene Option sei, ein Kind zu erhalten. Überdies würde er nicht "die Michael Jordans und Michael Jacksons dieser Welt" klonen wollen: "Die Reichen und Berühmten nehmen nicht teil", meinte er, er wolle lediglich Menschen helfen.

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