Banken in Griechenland bleiben geschlossen

Für Touristen gibt es angeblich eine Sonderbehandlung

Je nach Kapitallage erreichte die griechischen Bürger heute eine frohe oder schlechte Nachricht. Ab Montag bleiben die griechischen Geschäftsbanken zunächst geschlossen. Für Sparer mit Kapital bedeutet dies, dass sie nicht mehr an ihr Erspartes kommen können. Positiv empfinden aber andere, dass sie nicht mehr von den Inkassounternehmen der griechischen Banken malträtiert werden können.

So weit erscheint die Lage noch beherrschbar. Unübersehbar werden die Risiken jedoch dadurch, dass sich Panik breit macht. Dass ausländische Kommentatoren den Griechen prophezeien, ein "Nein" beim Misstrauensantrag würde sie entweder direkt in die Drachme führen oder aber den Sparern eine Kappung der Kontenbeträge bescheren, macht die Sache nicht einfacher.

Für die Aktivisten des linken Sammelbündnisses ANTARSYA ist der Euro als solches Grund allen Übels. Sie nutzten die Gelegenheit, um vor den Büros der EU in Athen Euroscheine in Flammen aufgehen zu lassen. Die vorbeigehenden Minister Varoufakis und Tsakalotos wurden von den ANTARSYA-Mitgliedern beschimpft und bespuckt. Die Partei möchte ebenso wie die kommunistische KKE ganz aus dem Euro und der ihrer Ansicht nach neoliberalen EU austreten.

Es wird definitiv Kapitalverkehrskontrollen geben und darüber hinaus wird die Summe der an Geldautomaten abhebbaren Geldmenge an Bankautomaten begrenzt. Pro Geldkarte können ab Dienstag 60 Euro pro Tag und maximal bei zwei oder mehreren Karten 120 Euro abbuchbar sein. Die Schließung der Banken wurde vom Premierminister per Ansprache ans Volk erklärt und ist mindestens jedoch bis zum 7. Juli 2015 terminiert. Am Montag bleiben nicht nur die Banken geschlossen, auch die Bankautomaten werden ab Mitternacht abgeschaltet. Die offizielle Begründung lautet, dass der Tag benötigt wird, um die Geldautomaten umzustellen. 840 Millionen Euro Bargeld haben die griechischen Geschäftsbanken noch. Bei ungefähr 14 Millionen Bankkarten im Land würden die 60 Euro pro Karte die Geldreserven innerhalb eines Tages komplett aufbrauchen, wenn jeder mit allen Karten das Maximum abheben würde.

Für die Touristen gibt es in diesem Zusammenhang angeblich eine Sonderbehandlung. Wie Reuters bereits berichtete und wie Regierungskreise bestätigen, soll die Obergrenze der Bargeldabhebung nicht für Touristen gelten. Doch auch diese wurden am Sonntag von der Panik erfasst und sammelten sich an den Bankautomaten der Flughäfen. Die gleichen Schlangen gibt es vor den Tankstellen. Denn die Griechen fürchten, dass auch der Sprit bald knapp wird.

Die kommende Woche wird für das Land sehr kritisch werden. Einer der ersten Härtetests auf den Straßen steht am Dienstag bevor. Die Befürworter des Euro haben für 19:30h zur großen Demonstration auf dem Syntagma-Platz aufgerufen. Es ist zu erwarten, dass es ebenso wie beim letzten Mal zu Konflikten mit Anarchisten und Linken kommen wird.

Vieles, was nun in und um Athen geschieht, wird zudem durch die Medienberichte sowohl in der Wirkung als auch hinsichtlich der Entstehung der jeweiligen Panik verstärkt.

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