Banküberfälle sind in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen

Auch die "Gewinne" von klassischen Überfällen, die mit Todesgefahr einhergehen, sinken, wogegen die Gewinne von Cybereinbrüchen riesig sein können

Im digitalen Zeitalter werden nicht nur viele Berufe obsolet oder müssen sich verändern, sondern auch kriminelle Tätigkeitsfelder verschwinden, während sich andere öffnen. Lange Zeit waren Überfälle auf Banken, die mit diesen entstanden, ein lukratives Geschäft und Bankräuber gut angesehen in der Welt des Verbrechens. Bekannt wurden beispielsweise das Paar Bonnie und Clyde, die während der Weltwirtschaftskrise quer durch die USA Banken ausraubten. Spektakulär war der Überfall auf eine Bank in Berlin-Zehlendorf, bei dem eine elfköpfige Bande einen mehr als 150 m langen Tunnel buddelte, um nach einer Geiselnahme über Nacht über diesen mit 16 Millionen D-Mark wieder zu verschwinden, bevor die Polizei in die Bank einbrach.

In den 1990er Jahren stieg in Deutschland die Zahl der Banküberfälle, inklusive Postfilialen, an, was allerdings auch mit der Wiedervereinigung zu tun hat. Nach der Polizeistatistik wurde erst ab 1993 das gesamt Bundesgebiet einbezogen. 1993 wurde denn auch ein Höhepunkt registriert, dann ging die Zahl minimal zurück, um dann ab 2000 stärker zu fallen. 2012 gab es nur noch ein Fünftel so viele Banküberfälle wie 1993. 2015 waren es gerade noch 148 Banküberfälle. Dafür steigen Wohnungseinbrüche und vor allem Internetkriminalität an.

In den USA hat sich eine ähnliche Entwicklung vollzogen. Gab es etwa 2003 noch 7.465 Banküberfälle, waren es 2015 nur noch 4.091. Während 10 Kunden, 35 Angestellte, 1 Wachmann, 1 andere Person und 9 (mutmaßliche) Täter 2015 verletzt wurden, ging neben einer anderen Person der Überfall allerdings für 9 Täter tödlich aus. Banküberfälle sind also in erster Linie für die Täter gefährlich. Mit der Zahl der Überfälle ist auch die Menge des geraubten Geldes von 80 Millionen US-Dollar im Jahr 2003 auf gerade noch 28 Millionen im Jahr 2015 zurückgegangen, was auch damit zu tun hat, dass die Banken nicht mehr so viel Bargeld vorrätig haben. Durchschnittlich wurde bei einem Bankraub gerade noch die läppische Summe von 6.500 US-Dollar erbeutet. Damit nähert sich der Bankräuber, der früher mit Millionen abzog, dem Kleinkriminellen.

2012 kam eine Studie von drei britischen Wirtschaftswissenschaftlern bereits zu dem Ergebnis, dass sich Banküberfälle alleine finanziell nicht lohnen, selbst wenn sie mit Zahlen von 2006 und 2007 von einem Gewinn pro Überfall von 20.000 Pfund und pro Räuber von 12.700 Pfund ausgingen. Das wäre gerade einmal die Hälfte eines jährlichen Mindesteinkommens. Dazu kommt die hohe Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden. "Lohnender seien da schon Überfälle auf Geldtransporter.

Das könnte sich ändern, wenn dank der faktischen Nullzinspolitik die Menschen wieder vermehrt Bargeld horten, auch wenn Banken und manche Politiker darauf drängen, das Bargeld ganz abzuschaffen. Dann wäre auch der klassische Bankräuber, selbst wenn er nur Geldautomaten knackt, endgültig obsolet und arbeitslos. Er würde durch den digitalen Cracker ersetzt, der in die Banksysteme einbricht und sich das digitale Geld holt - und der jetzt schon Karriere macht. Auch Insider haben es als Cyberkriminelle leichter. Berücksichtigt man dazu, dass nach dem FBI Bankräuber die größte Chance unter allen Kriminellen haben, erwischt zu werden, ist der Cyberräuber, wenn er kundig vorgeht, relativ sicher.

Der Washington Post sagte der ehemalige FBI-Agent und jetzige Strafrechtsprofessor Gerald Clark: "Ein Banküberfall ist heute weitgehend eine Straftat des Verzweifelten." Der würde jetzt dringend Geld brauchen, beispielsweise um Drogen zu kaufen. Dagegen wird auf einen Bericht von Kaspersky verwiesen, nachdem eine Hackergruppe bei einer Bank durch Phishing-Tricks 2013 in das Intranet eindringen und dann im Laufe des Jahres 2014 von mehr 100 Finanzinstituten weltweit bis zu einer Milliarde US-Dollar entwenden konnte. Falls dies zutreffen sollte, würde dies die Möglichkeiten des klassischen Bankraubs bei weitem übertreffen.

Das FBI listet keine Cybereinbrüche bei Banken und anderen Geldinstituten auf, die diese im Gegensatz zu den klassischen im realen Raum auch nicht unbedingt melden, sondern nur Cyberbetrügereien, bei denen Opfer Geld verloren haben. Das war mit 70.000 Vorfällen schon 2003 viel häufiger als Bankeinbrüche und ist seitdem auf über 127.000 hochgeklettert. Die berichteten Verluste stiegen von 127 Millionen auf mehr als eine Milliarde US-Dollar mit einem Durchschnittsverlust von mehr als 8000 US-Dollar, was also auch schon über den durchschnittlichen "Profit" bei einem Banküberfall liegen würde. (Florian Rötzer)