Bargeld lacht nicht mehr

Grafik: TP

Die Verbraucher in Deutschland bezahlen ihren Einkauf an der Ladenkasse weiterhin vorwiegend bar. Dies steht im deutlichen Kontrast zu anderen Ländern Europas, wo deutlich mehr unbar bezahlt wird, was jetzt auch in Deutschland forciert werden soll.

Nach Aussage der Deutschen Bundesbank wollen 88 Prozent der für die Studie zum "Zahlungsverhalten in Deutschland 2017" befragten Bundesbürger auch in Zukunft mit Bargeld bezahlen können. In der Praxis bezahlen Privatpersonen jedoch nur 48 Prozent der Waren und Dienstleistungen mit Banknoten und Münzen. Und die Tendenz zum Bezahlen per Karte hält deutlich an. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch die steigenden Gebühren für den Umgang mit Bargeld getrieben.

War es bis vor wenigen Jahren noch möglich, Bareinzahlungen auf ein deutsches Konto vorzunehmen, ist diese Möglichkeit inzwischen weitgehend versperrt. Zunehmend mehr Bankfilialen lassen eine Bareinzahlung nicht einmal mehr auf das eigene Konto zu. Auf fremde Bankkonten kann man in der Regel nur noch bei der Postbank, einer 100%-Tochter der Deutschen Bank einzahlen. Dafür verlangt die Postbank den stolzen Betrag von 15 Euro. Nach Auskunft am Schalter will man damit die Kunden vom Bargeld entwöhnen.

An manchen Geldautomaten kann man zumindest noch Banknoten auf das eigene Konto einzahlen. Die Einzahlung von Münzrollen am Automat scheint jedoch nicht mehr zulässig zu sein und am Schalter richtig teuer geworden. Da kostet eine Rolle schon mal fünf Euro Gebühr auch wenn beispielsweise der Wert bei 1 Cent Münzen gerade mal 50 Cent ausmacht. Kostenlos ist der Tausch von Münzgeld nur noch bei der Deutschen Bundesbank und den unselbständigen Einheiten in den Bundesländern. Dort kann man zudem immer noch D-Mark in Euro umtauschen. Leider hat sich die Zahl der Filialen von 129 im Jahr 2000 inzwischen auf 35 reduziert.

Banken und Sparkassen trennen sich zusehends vom Bargeld

Schon seit vielen Jahren trennen sich die Geldinstitute vom Umgang mit Bargeld. Selbst wenn in den Filialen noch Kassen bestehen, die Bargeld annehmen, läuft das in der Regel über Einzahlungsautomaten. Und diese Geldautomaten werden zumeist nicht mehr von den Geldinstituten bewirtschaftet, sondern von sogenannten Wertdienstleistern. Offensichtlich sind die Kosteneinsparungen so gewaltig, dass trotz des Heros-Skandals die Wertdienstleister weiter Zulauf haben.

Nachdem der damalige Marktführer vom Markt verschwunden ist, wird der Geldtransportmarkt inzwischen durch neue Fusionen aufgemischt. Nach dem spanischen Dienstleister Prosegur drängt seit vergangenem Jahr die schwedische Loomis auf den deutschen Markt. Nach der Übernahme des Geldtransporter-Geschäfts des nordrhein-westfälischen Marktführers Kötter soll nun die südbadische Ziemann Sicherheit Holding GmbH von der Hannover Finanz Gruppe an Loomis verkauft werden.

Auch nach der Auslagerung der Geldautomaten an externe Dienstleister sind die Banken mit den Erträgen in diesem Bereich nicht zufrieden und sehen die Automaten derzeit in erster Linie als Service für die eigenen Kunden und solchen von mehr oder weniger verbundenen Instituten. Fremde Nutzer bezahlen fürs Abheben höhere Gebühren. Da kommt vielen Bürgern das Angebot von Lebensmittelhändlern entgegen, bei welchen man inzwischen auch Bargeld vom eigenen Girokonto abheben kann. Dieser Service wird die Nachfrage nach Bankautomaten weiter reduzieren. Aus Sicherheitsgründen wird der Zugang zu Bankautomaten in der wenig frequentierten Zeit zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh inzwischen vielfach gesperrt.

Die Banken argumentieren, dass sie aufgrund der Nullzinspolitik sich den Umgang mit Bargel kaum noch leisten können. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Ein steigender Anteil der Bargeldnachfrage kommt inzwischen von den Banken selbst, für die es preiswerter ist, sich Bargeld im Tresor zu stapeln, als Strafzinsen bei der EZB zu bezahlen.

Bargeld für Auslandsüberweisungen

Lassen sich Auslandsüberweisungen bei den meisten Banken nur noch vom eigenen Konto aus und zu exorbitanten Gebührensätzen durchführen, bietet die Reisebank hier im Zusammenhang mit Western Union noch die Möglichkeit Bareinzahlungen vorzunehmen, die binnen Minutenfrist für den Empfänger bei der Korrespondenzbank abholbar sind. Allerdings mag man letztlich auch bei Western Union das Bargeld nicht mehr so sehr und bietet unbare Transfers zu einem Bruchteil der Bearbeitungskosten an.

So kostet derzeit eine Überweisung auf ein Girokonto in Fernost gerade mal 2,90 Euro, wobei die Bearbeitungszeiten des über die baltischen Staaten angebotenen Service deutlich länger sind, als der Bargeldtransfer. Die günstigste Transfermöglichkeit besteht über eine WU-App. Da betragen die Gebühren teilweise weniger als zwei Euro. Dieser Service scheint in erster Linie auf Migranten ausgerichtet zu sein, die Geld an die Familie in der Heimat senden wollen. (Christoph Jehle)