"Baut sie hier"

Eingang zum BMW-Werk in Spartanburg. Foto: User:AnthonyA. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Trump rät deutschen Automanagern zur Verlagerung ihrer Produktion in die USA

Gestern empfing US-Präsident Donald Trump den Daimler-Chef Dieter Zetsche, den BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter und den VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess im Weißen Haus. Die drei Automanager waren nach Washington gereist, um die vom US-Präsidenten angedrohten Importzölle in Höhe von 25 Prozent auf europäische Automobile abzuwenden.

Nach dem etwa halbstündigen Treffen hatten sich die drei deutschen Automanager anscheinend darauf geeinigt, die Gespräche bei Medienanfragen mit der Vokabel "konstruktiv" zusammenzufassen. Diess sprach darüber hinaus von einem "großen Schritt vorwärts, um die Zölle zu vermeiden" - und Zetsche meinte, dass die "guten Gespräche [...] normalerweise auch nach vorne führen" sollten.

"Nach vorne" könnte in diesem Fall heißen: Nach Westen, in die USA. Trump forderte die Konzernvertreter nämlich dazu auf, ihre Fertigung in die USA zu verlagern, wenn sie Zölle vermeiden möchten. Mit dem Satz "baut sie hier", soll er dem Spiegel zufolge seine Forderung prägnant zusammengefasst haben. Trumps Handelsminister Wilbur Ross nach gilt diese Forderung vor allem für Elektroautos, wie der ehemalige Demokrat dem Sender CNBC sagte. Ihm zufolge soll das amerikanische Handelsdefizit außerdem nicht nur bei ganzen Autos, sondern auch bei Autoteilen gesenkt werden.

Den Ruf, mehr in den USA zu produzieren, hörten die deutschen Autohersteller bereits vor Trumps Amtsantritt. Und sie folgten ihm auch: BMW etwa hat seine weltweit größte Fabrik inzwischen nicht mehr in Dingolfing oder in München, sondern in Spartanburg, South Carolina, wo im letzten Jahr über 400.000 SUVs gefertigt wurden, von denen 70 Prozent in den Export gingen. VW produzierte im selben Zeitraum in Chattanooga, Tennessee 150.000 Fahrzeuge. Daimler brachte es in Tuscaloosa, Alabama auf 300.000 und hat dort im Oktober mit dem Bau einer Batteriefabrik begonnen. VW will in Chattanooga künftig sogar ganze Elektroautos herstellen - und BMW sucht nach einem zweiten amerikanischen Standort für ein Motoren- und Getriebewerk.

Die Entscheidungen dafür fielen bereits vor dem Besuch der drei Manager in Washington und haben auch mit Standortbedingungen wie Steuern, Bürokratie und einer sich wandelnden Mentalität in Deutschland und den USA zu tun. Dort - also in den USA - wurden die Unternehmenssteuern im letzten Jahr von 35 auf 20 Prozent abgesenkt. Außerdem schuf die US-Politik neue gesetzliche Möglichkeiten, mit denen Unternehmen Investitionen schneller abschreiben dürfen. Vielleicht noch wichtiger ist, dass die Genehmigung (und damit auch die Verwirklichung) großer Bauvorhaben in den USA zwar stark von den Bundesstaaten und den kommunalen Gebietskörperschaften abhängt, aber in der Praxis häufig sehr viel schneller geht als in Deutschland, wo ein Hauptstadtflughafen, dessen Bau 2006 begann, immer noch nicht fertig ist (vgl. Baublockaden mit Löchern und Losung).

Der Wirtschaftswoche zufolge waren sich "alle drei Autohersteller", die Vertreter nach Washington schickten, "im Klaren darüber, dass die Verhandlungshoheit in Handelsfragen und bei Zöllen bei der EU-Kommission und der Bundesregierung liege". Dem Informanten der Zeitung nach halten es die Konzerne aber für "besser, wenn man miteinander als übereinander redet".

Außerdem habe man sich "im Vorfeld der Gespräche mit der US-Regierung" sowohl mit der EU-Kommission als auch mit der deutschen Bundesregierung "eng abgestimmt und werde sie unmittelbar im Anschluss über mögliche Ergebnisse unterrichten". Den von Richard Grenell, dem neuen amerikanischen Botschafter in Berlin, gegenüber dem Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und dem BMW-Vorsitzenden Harald Krüger gemachten Vorschlag, die USA und die EU sollten einfach gegenseitig auf alle Zölle beim Auto- und Autoteilehandel verzichten, hatte die EU-Kommission im Juli abgelehnt (vgl. Handelskrieg: Trump am längeren Hebel).

Die Kompetenz dafür, wo neue Produktionseinrichtungen entstehen, in die das Kapital eines Konzerns fließt, liegt dagegen nicht bei der EU-Kommission oder der deutschen Bundesregierung, sondern in den Händen der Unternehmen. Kommen sie zum Ergebnis, dass es betriebswirtschaftlich gesehen sinnvoller wäre, neue Werke in den USA und nicht in Europa zu errichten, dann übt dies indirekt auch Druck auf die Politik aus, Bedingungen wie die eigenen Importzölle zu überdenken, die in solche betriebswirtschaftlichen Entscheidungen mit einfließen. Inwieweit diese Bedingungen dann tatsächlich angepasst werden, hängt auch damit zusammen, wie schwerfällig oder wie flexibel politische Institutionen sind. Kleinere Einheiten haben hier häufig einen Vorteil gegenüber größeren (vgl. Kleinstaaten sind erfolgreich). (Peter Mühlbauer)

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