Bedingt geschlechtsbereit

Symbolfoto (Ausschnitt): John Scott Rafoss/gemeinfrei

Frauen im Generalsrang: Ist die Bundeswehr für den Stellungskrieg gerüstet?

Vor ein paar Jahren lernte ich bei einer Feier zufällig eine ca. 80-jährige Person kennen, die sich als pensionierter Bundeswehrgeneral vorstellte. Mein Gegenüber war geistig bemerkenswert fit und verdankte seine militärische Karriere wissenschaftlichen Fähigkeiten. Ungewöhnlich war jedoch die Zivilkleidung des ergrauten Generals a.D.: die einer Frau. Vermutlich erst im Ruhestand hatte sich mein Gegenüber entschieden, öffentlich so zu leben, wie sie sich fühlte.

Militärische Tarnung der Geschlechtsidentität war jedenfalls im 20. Jahrhundert anzuraten gewesen. Bereits 1908 war der deutsche Kaiser in Verlegenheit geraten, als bekannt wurde, dass sein General vor ihm in Frauenkleidern zu tanzen pflegte.

1971 galt Monty Pythons Tuntenparade offenbar als witzig. Als man den untadeligen, aber Nato-kritischen General Günther Kießling 1983 wegmobben wollte, reichten hierfür vage Gerüchte über Homosexualität, die offenbar auf einer Verwechslung beruhten. Während es im US-Militär schwulen Soldaten bis 2010 sogar untersagt war, ihre Orientierung preiszugeben, beendete die Bundeswehr bereits 2000 die institutionelle Diskriminierung.

Aktuell profiliert sich die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl, mit einem Tweet über ein Foto des militärischen Führungsrats, in dem sie Frauen vermisst. Woher eigentlich nimmt Frau Högl die Sicherheit, dass sich keine(r) dieser Generäle als Frau identifiziert?

Der Tweet erweckt auch den Eindruck, als sei der Wehrbeauftragten unbekannt, dass der Generalsrang erst nach ca. 30 Jahren realistisch ist, die Bundeswehr aber erst seit 20 Jahren Frauen Dienst an der Waffe ermöglicht. Last but not least stellen solche Forderungen auch die Autorität von Soldatinnen infrage, die sich nicht über Jammern, sondern über das Leistungsprinzip definieren.

Ebenfalls an die Beurteilung nach Arbeitsleistung appellierte der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, als er das Urteil gegen eine trans- und bisexuelle Offizierin kritisierte, die sich vergeblich gegen einen Verweis wegen ihres freizügigen Tinder-Profils wehrte.

Soweit Lehmann von einem Skandalurteil spricht, dürfte weniger das Gericht zu kritisieren sein, das der Bundeswehr die Bewertung über das Selbstverständnis ihres Führungspersonals zugestand. Gerichte sollen keine politischen Urteile fällen, sondern juristische.

Politisch verantwortlich aber ist vielmehr die rotgrüngelbe Bundesregierung, nämlich die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, die den aus der Zeit gefallenen Verweis per Federstrich hätte aufheben können – selbst aber die Trennung von Dienst- und Privatleben nicht durchweg meistert.

Auch Lambrecht gefällt sich am liebsten in Frauenkleidern und Stöckelschuhen, was im Wüstensand zumindest die konservative Presse erhitzte.

Das war insoweit unfair, als dass Lambrecht offenbar auch mit femininem Schuhwerk nicht einsank. Die Ministerin ist für ihre Vorliebe für Stöckelschuhe im Zauberwürfeldesign bekannt.

Im August wird der Verweis nach Dreijahresfrist aus der Akte der Offizierin getilgt werden. Dann hat sie die Chance, vielleicht Deutschlands erste als solche bekannte Generalin zu werden.

Ergänzung: Wie uns ein Leser hinweist, gab es mit General-Major Erika Franke bereits eine BW-Generalin. Ein Leser der Bundeswehr ergänzte dies mit weiteren Namen (sowie mit der Mitteilung, dass die Bundeswehr seit 1975 Frauen im Sanitätsdienst leisten):

  • Frau Generalarzt a.D. Verena von Weymarn war 1994 der erste weibliche General der Bundeswehr
  • Frau Generalstabsarzt a.D. Dr. Gesine Krüger;
  • Frau General Dr. Almut Nolte (aktiv)
  • Frau Generalstabsarzt Dr. Nicole Schilling (aktiv)

(Markus Kompa)