Befragung: Kinder und Jugendliche finden Corona-Maßnahmen ungerecht

Distanzlernen am Küchentisch? - Heute keine Seltenheit. Symbolbild: Falk Schirrmeister auf Pixabay (Public Domain)

In Arbeitswelt und Profisport ist mehr erlaubt: Sechs- bis 16-jährige fühlen sich durch Pandemie-Maßnahmen benachteiligt. Auch an Ausstattung für den Distanzunterricht fehlt es

Kinder und Jugendliche tragen die Hauptlast bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie - so lautet sinngemäß das Zwischenergebnis der fünften Kinderstudie der internationalen Hilfsorganisation World Vision, das am vergangenen Dienstag vorgestellt wurde. Zwei sehr unterschiedlich geprägte Länder waren für die Studie untersucht worden: Deutschland und Ghana. Doch: "Für beide Länder müssen wir feststellen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie Kinder diskriminieren, weil ihre Lebensbereiche wesentlich stärker eingeschränkt werden als die der Erwachsenen", sagte Studienleiterin Caterina Rohde-Abuba laut Evangelischem Pressedienst (epd).

Befragt wurden in beiden Ländern jeweils 15 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren. Vor allem beim Thema Distanzunterricht stimmten viele Aussagen überein. Sie kritisierten mangelnde technische Ausstattung und Angebote, die sich nicht am Bedarf orientieren. Kritisiert wurde auch, dass die Schule von den Erwachsenen kaum als wichtiger Sozialraum für Treffen und Austausch wahrgenommen werde.

Viele fühlten sich beim Distanzunterricht alleingelassen, weil die Eltern voll berufstätig sind. Als ungerecht wurde empfunden, dass die Arbeitswelt nahezu uneingeschränkt funktioniere, genauso wie der Profisport, während sich die Kinder massiv einschränken müssten. Dieses Ergebnis ist nicht repräsentativ - die Studie wird aber weitergeführt: Für den Sommer sind weitere Umfragen unter je 2.000 Kindern in Ghana und Deutschland geplant. Die Ergebnisse sollen 2023 veröffentlicht werden.

Eltern durch Homeoffice nur bedingt entlastet

Bislang gibt das, was hier präsentiert wurde, nur ein Stimmungsbild wieder - aber es deckt sich mit dem, was sich aus anderen deutschen Studien ergibt. Das Deutsche Jugendinstitut in München hat am Donnerstag ebenfalls neue Forschungsergebnisse vorgestellt, welche die Lebenswelten Kindern, Jugendlichen und Familien vor und während der Corona-Pandemie beschreiben.

Die Wissenschaftler gingen unter anderem der Frage nach, ob Homeoffice und Notbetreuungen wirksam gegen elterlichen Stress sind. Das Ergebnis: Wer von zuhause aus arbeitete, konnte Familie und Beruf nur bedingt vereinbaren. Kinder in die Notbetreuung der Schule oder des Kindergartens zu schicken, konnte den Druck auf die Eltern nur wenig mindern. Ein Anstieg negativen Erziehungsverhaltens wie häufiges "Wütend werden" konnte dagegen verhindert werden.

Für Kinder war die Pandemie bisher oft mit Gefühlen der Einsamkeit verbunden. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Eltern, die befragt wurden, stimmten der Aussage zu, dass sich ihr Kind während des ersten Lockdowns einsam fühlte. In Familien mit geringen Einkommen traf das fast auf die Hälfte (48 Prozent) zu. Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich bei den emotionalen Problemen wie Niedergeschlagenheit, Ängsten und Sorgen sowie mit Hyperaktivität. Darüber hinaus zeigte die Untersuchung, dass vor allem Kinder besonders häufig emotionale Probleme entwickelten, die wenig im Lockdown wenig Kontakt zu Freunden pflegen konnten.

Anfang des Jahres hatten Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in einer Studie bei fast jedem dritten Kind psychische Auffälligkeiten festgestellt. Vier von fünf Kindern fühlen sich demnach durch die Corona-Pandemie belastet. (Bernd Müller)