Befürchteter Terroranschlag in Belgien: "Kein Risiko eingehen"

Belgische Spezialeinheiten auf einer Parade. Foto: Collectorofinsignia/CC BY-SA 3.0

Bei einer landesweiten Anti-Terror-Operation wurden 12 Verdächtige festgenommen, die möglicherweise zu einer IS-Zelle gehören. Waffen oder Sprengstoffe wurden nicht gefunden

In der Nacht auf den heutigen Samstag wurde in Belgien eine groß angelegte Anti-Terror-Operation durchgeführt, über das ganze Land verteilt: in der Region Brüssel, in der Wallonie und in der Region Flandern. Insgesamt 16 Kommunen listet der öffentlich-rechtliche Sender RTBF in seinem Bericht als Ziel von Durchsuchungen von Anti-Terroreinheiten auf.

Über 40 Örtlichkeiten wurden durchsucht, dazu 152 Garagenboxen. Bislang wurden weder Waffen, noch Sprengstoffe entdeckt, aber es wurden 12 Personen vorläufig festgenommen, informiert der Sender. Ein Ermittlungsrichter werde in den nächsten Stunden darüber entscheiden, ob sie weiter festgehalten werden. In der Nacht zuvor hatte ein Richter seine Erlaubnis zur Operation erteilt.

Er folgte der Einschätzung der belgischen Anti-Terror-Ermittler, die einen sofortigen Zugriff für notwendig hielten. Es seien mehrere Personen seit Tagen genau überwacht, augenscheinlich auch beschattet worden ("visées et suivies"). Sie werden verdächtigt, einer Zelle anzugehören, "die den Willen und die Mittel dazu hatte, ein Attentat zu begehen". Laut Staatsanwaltschaft sei anhand der gesammelten Elemente während der Ermittlungen, die Notwendigkeit zu einer sofortigen Intervention gegeben gewesen.

Weitere Informationen zu den Festgenommenen und Anschlagsplänen gab die Staatsanwaltschaft nicht heraus. Belgische Medien berichten über Vermutungen, dass es sich um Ziele im Rahmen des EM-Fußballspiels Belgien-Irland handeln könnte, wie zum Beispiel eine Fanzone in Brüssel.

Nach Informationen des RTBF sollen die überwachten Verdächtigen am Freitag mit einem Auto im Zentrum Brüssels ("quartier de la place Rogier") herumgefahren sein, "um Ziele für ein Attentat auszukundschaften".

Die Behörden wollten kein Risiko eingehen, erklärt der Sender in seinem Beitrag. Zwar sei noch wenig über die Festgenommenen bekannt, aber es soll durchgesickert sein, dass einige unter ihnen Verbindungen zum Umkreis der Terroristen hatten, die am 22. März Attentate auf dem Brüsseler Flughafen und eine Metrostation verübt haben - zu den Brüdern El Bakraoui und zu Mohamed Abrini.

Ermittlungen zu den Anschlägen in Belgien brachten Verbindungen zu Personen an den Tag, die an den Terroranschlägen in Paris im November beteiligt waren. So war bald die Rede von einer größeren Zelle, mindestens von einem gut geknüpften Netzwerk aus französischen und belgischen Dschihadisten, dem die Anti-Terrorspezialisten nur peu à peu auf die Spur kamen. Als Indiz für die Existenz eines solchen Netzwerkes wurde u.a. auf die Aussage des Pariser Attentäters Abdelhamid Abaaoud verwiesen, der behauptet haben soll, dass er mit 90 Selbstmordattentätern nach Europa gekommen sei (Anschläge in Paris: "Ein größeres Netzwerk, als wir dachten").

Ob die Festgenommen tatsächlich diesem Netzwerk angehören, ob sie als Zelle agierten und tatsächlich Gefahr in Verzug war, ist bislang nur den Ermittlern bekannt. Sicher ist, dass den belgischen Anti-Terror-Fahnder viele Vorwürfe zu ihrer Ermittlungsarbeit gemacht wurden (Brüssel: Prozess gegen die Terror-Zelle von Verviers). Sie müssen nun unter Beweis stellen, dass sie alles tun, um Sicherheit zu garantieren.

In der vergangenen Woche soll die belgische Polizei eine Warnung bekommen haben, wonach eine Gruppe von Männern aus dem IS-Kalifat nach Europa unterwegs sei, um Anschläge in Frankreich und Belgien auszuführen. (Thomas Pany)

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