Befürworter von Negativzinsen und Bargeldabschaffung soll Gouverneur der US-Notenbank werden

Grafik: TP

US-Präsident Donald Trump hat den Ökonomieprofessor Marvin Goodfriend für den Posten nominiert

Gestern gab das Weiße Haus in Washington bekannt, dass US-Präsident Donald Trump Marvin Goodfriend als Kandidaten für einen der insgesamt sieben Gouverneursposten bei der US-Notenbank Fed nominiert hat. Die Stelle, die zuletzt Sarah Bloom Raskin einnahm, ist derzeit (wie zwei weitere) vakant.

Anzeige

Der 1950 in New York geborene und an der Brown-Universität in Providence promovierte Ökonom lehrt aktuell an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh. Vorher war er unter anderem Forschungsdirektor an der Federal Reserve Bank von Richmond. Als Mitglied des Shadow Open Market Committee kritisierte er die aktuelle Fed-Chefin Janet Yellen, die am 3. Februar ihr Amt räumen wird. Im März bemängelte Goodfriend vor dem Finanzunterausschuss des Repräsentantenhauses, dass die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit beschädige und "Risiken" für Politik und Wirtschaft erzeuge, wenn sie ihr Zwei-Prozent-Inflationsziel nicht einhält.

Neben einem öffentlich-offiziellen Bewerten der Zinsentscheidungen mit der vom Stanford-Professor John Taylor entwickelten und nach ihm benannten Taylor-Formel empfahl er damals eine stärkeren Einflussnahme des Kongresses auf die Fed, was seiner Beliebtheit bei republikanischen Abgeordneten und Senatoren, über die US-Medien heute berichten, nicht abträglich gewesen sein dürfte. Yellen hatte diese Forderungen Goodfriends im Frühjahr als Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank zurückgewiesen.

Obwohl der frisch nominierte Gouverneurskandidat dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg nach kein "reflexhafter Inflationsfalke" ist, fiel er in der Vergangenheit nicht nur mit immer wiederkehrenden Warnungen vor einer Deflation, sondern auch mit der Befürwortung von Negativzinsen auf. Deren Einführung sollte seiner Ansicht nach mit der Abschaffung von Papiergeld gekoppelt werden, damit ihnen nicht ausgewichen werden kann (vgl. Bargeldverbot würde zu mehr Kontrolle und Enteignung führen).

Goodfriend ist bereits Trumps dritte Nominierung für einen der Fed-Gouverneursposten: Im Oktober besetzte Randal Quarles den vorher vakanten Sitz für die Bankenaufsicht. Er ist ein Yale-Jurist, den es in den 1980er Jahren ins Investmentbanking zog, wo er es zum Partner in der Private-Equity-Firma Carlyle Group brachte. Sein politischer Aufstieg begann in der Administration von George W. Bush. Mit seiner Forderung, die am Ausbruch der Finanzkrise maßgeblich mit beteiligten staatlich geförderten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac stärker zu regulieren, stieß er dort allerdings erst dann auf Gehör, als es bereits zu spät war.

Ebenfalls im Oktober trat Fed-Gouverneur Stanley Fischer, dessen Amtszeit eigentlich erst im Juni 2018 abgelaufen wäre, aus persönlichen Gründen zurück. Für seine Nachfolge soll dem Wall Street Journal nach Mohamed El-Erian im Gespräch sein, der ehemalige CEO der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco). Der 1958 geborene ägyptischstämmige Cambridge-Absolvent war in der Vergangenheit außerdem stellvertretender Direktor des Weltwährungsfonds in Washington und Verwalter des Stiftungsvermögens der Harvard-Universität. Trumps demokratischer Vorgänger Barack Obama übertrug ihm 2012 den Vorsitz seines Weltentwicklungsrats.

Einen anderen freien Fed-Gouverneurssitz muss Trump mit einem Experten für kleine Banken besetzen. Hier soll Michelle Bowman gute Chancen haben, die derzeit die Bankenaufsicht von Kansas leitet. Die eher wenig bekannte Kandidatin war in der Vergangenheit Vizechefin der Farmers & Drovers Bank und arbeitete politisch für den 1996 gescheiterten republikanischen Präsidentschaftsbewerber Bob Dole, den Verkehrs- und Infrastrukturausschuss des Repräsentantenhauses, das Heimatschutzministerium und die Federal Emergency Management Agency.

Janet Yellens bereits am 2. November nominierter Nachfolger Jerome Powell begann seine Karriere bei der Investmentbank Dillon, Read & Co., wo er bis zum Vizepräsidenten aufstieg. Danach wechselte er in das Finanzministerium. Seine erste Amtszeit im Federal Reserve Board of Governors verdankt er Barack Obama, der ihn 2011 als Teil eines überparteilichen Kompromisspakets nominierte. Das Bloomberg Intelligence Fed Spectrometer stuft Powell geldpolitisch weder als Falken noch als Taube, sondern als "neutral" ein. Das gilt auch für seine Einstellung zur Regulierung von Banken: Er ist nicht grundsätzlich dagegen, spricht sich aber für Ausnahmen zugunsten kleiner Geldinstitute aus. (Peter Mühlbauer)

Anzeige