Beim Sex setzt bei Frauen das Denken aus

Während des Orgasmus wird das Gehirn abgeschaltet

Dass bei Männern das Denken bei sexueller Erregung aussetzt, ist zugegeben keine neue Erkenntnis, die meist witzelnd damit begründet wird, dass in dieser Situation das Blut nun einmal in einem anderen Körperteil benötigt wird. Doch Frauen ergeht es auch nicht besser: Nicht einmal die Emotionen bleiben während des Orgasmus aktiv.

Das Team um Gert Holstege an der niederländischen Universität von Groningen hatte 11 Männer und 13 Frauen zusammen mit ihren Partnern auf ein Bett gelegt, das mit einem Gehirnscanner ausgerüstet war, in den der Kopf gesteckt wurde. Dabei wurde bei den Männern die Gehirnaktivität in Ruhe, mit einer Erektion, bei manueller Stimulation durch den Partner und bei einer auf diese Weise ausgelösten Ejakulation aufgezeichnet. Bei den Frauen wurde ebenso die Gehirnaktivität in Ruhe, bei einem vorgetäuschten Orgasmus, bei manueller Stimulation durch den Partner und bei einem echten Orgasmus aufgezeichnet.

Mit den Aufzeichnungen der Männer konnten die Wissenschaftler wenig anfangen: Ihre Orgasmen waren schlichtweg zu kurz – der Scanner benötigt etwa zwei Minuten, um etwas Eindeutiges aufzuzeichnen. Somit war kein Unterschied zwischen der Ejakulation und den anderen Zuständen messbar.

Bei den Frauen entdeckte man dagegen, dass die Bereiche des Gehirns, die Angst und Furcht, aber auch andere Gefühle kontrollieren, bei ihnen während des Orgasmus abschalten. Eine Nebenwirkung der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist, dass sich nun eindeutig feststellen lässt, ob eine Frau den Orgasmus simuliert: Dann verändert sich nämlich nichts im Gefühlszentrum des Gehirns, doch dafür werden die Bereiche aktiv, die bewusste Aktionen kontrollieren. Wie man allerdings eine Frau, deren Orgasmus man nicht traut, zur Nummer auf dem Gehirnscanner überredet, ist dann eine andere Frage…

Umgekehrt könne eine Frau auch nur zu einem Orgasmus kommen, wenn sie keine Angst habe, so einige Interpretationen der Forschungen. Und wenn sie Socken trägt: 80% der Paare kamen dann zum Orgasmus, dagegen nur 50% mit nackten, kalten Füßen in dem offensichtlich nicht ausreichend geheizten Versuchsraum. Wobei Sex mit dem Kopf in einem Gehirnscanner zugegeben ohnehin nur für Gehirnforscher erotisch sein dürfte. Und Frauen beim Sex sockentragende Männer wiederum normalerweise eher wenig erotisch finden.

Also wird der mode- und stilsichere Casanova auf seinen eigenen Orgasmus wohl verzichten müssen – zumindest zu 30%. Oder in wärmeren Ländern tätig werden müssen.

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