Beleuchtung macht Straßen nicht sicherer

Studie: Dimmen oder Abschalten der Straßenbeleuchtung hat keine Auswirkungen auf Unfall- und Kriminalitätshäufigkeit

Mit der Finanzkrise haben einige britische Städte als Sparmaßnahme die Straßenbeleuchtung zurückgefahren, indem die Beleuchtung teilweise ausgeschaltet, die Leuchtzeit verkürzt oder die Helligkeit reduziert wurde. Gerade erst wurde in einigen Städten wie Salisbury, Melksham oder Westbury im Council Wiltshire damit begonnen, das Licht zwischen Mitternacht und 5:30 am Morgen abzuschalten, nur an Kreuzungen und Fußgängerübergängen sowie an Orten mit hoher Kriminalität bleibt die Beleuchtung an. Der Council will damit 300.000 Pfund im Jahr sparen.

Nachts ist Europa in voller Aufklärung. Bild: Nasa

Nach vorherrschender Meinung ist die Straßenbeleuchtung aber notwendig, um Unfälle zu vermeiden, das Gefühl der Sicherheit zu erhöhen und Kriminalität zu verhindern. Das war schon die Strategie im 19. Jahrhundert, mit Gas und dann elektrischem Licht die Städte zu erhellen und so angeblich sicherer zu machen. Das Bild ist auch ganz einfach. Da Verbrechen und Gewalt mit dem Dunkeln und Bösen verbunden sind, bringt Licht Aufklärung und Ordnung und vertreibt die Dämonen.

Nach einer kürzlich im Journal of Epidemiology and Community Health erschienenen Studie aus Großbritannien, für die Wissenschaftler die Folgen der Lichtabschaltung in 62 englischen und walisischen Städten untersucht haben, scheint aber das Abschalten weder zu erhöhter Kriminalität noch zu mehr Unfällen zu führen. So wurde überprüft, wie sich zwischen 2000 und 2013 Verkehrsunfälle und zwischen 2010 und 2013 die Kriminalitätsraten für Diebstahl eines Wagens oder aus einem Fahrzeug, Raub, Gewalt und sexuelle Gewalt in verschiedenen Stadtteilen je nach Beleuchtungsstrategie entwickelt haben.

Das Ergebnis: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Veränderungen der Straßenbeleuchtung mit Veränderungen der Unfallhäufigkeit zusammenhängen. Bei den Kriminalitätsraten gab es zwar eine Korrelation mit der jeweiligen Polizeistärke, aber keine zwischen dem gänzlichen oder zeitweisen Abschalten von Licht und der Kriminalität. Man habe nicht beobachten können, dass weniger Leute im Dunklen unterwegs gewesen seien, was ein Grund für eine fehlende Zunahme an Kriminalität hätte sein können. Seltsam aber ist, dass das Dimmen der Lichtstärke Kriminalität, vor allem Gewaltverbrechen, gegenüber hellem Licht mindert. Möglicherweise können bei schwächerem Licht die möglichen Opfer nicht genau genug erkannt werden, vermuten die Wissenschaftler. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen hellem, weißem Licht und einem Rückgang von Diebstahl, was in diesem Fall gegen die These sprechen würde.

Mitautor Phil Edwards von der London School of Hygiene & Tropical Medicine fordert gewissermaßen Aufklärung über die Aufklärung: "Geschätzte 300 Millionen Pfund werden in Großbritannien jährlich für die Straßenbeleuchtung ausgegeben. In einer Zeit, in der die Behörden Ausgabenkürzungen vornehmen müssen, zeigen unsere Ergebnisse, dass bei sorgsam abgeschätzten Risiken die Straßenbeleuchtung ohne Zunahme an Unfällen und Kriminalität reduziert werden kann."

Also Licht aus zum Stromsparen und damit eine Reduzierung der "Lichtverschmutzung", die Menschen in Städten daran hindert, den Sternenhimmel zu sehen und Dunkelheit zu erleben. Die Autoren verweisen auch noch darauf, dass künstliches Licht negative gesundheitliche Wirkungen haben könne wie Fettleibigkeit, Schlafstörungen und Krebs. (Florian Rötzer)