Bereitet Nordkorea einen weiteren Atomwaffentest vor?

Kim Jong-un freut sich über den Test mit der Langstreckenrakete im Juli 2017. Bild: Korea Today

Unter anderem hat der Nordkorea-Konflikt die Waffenverkäufe 2016 wieder ansteigen lassen, vor allem US-Rüstungskonzerne profitieren

Nordkorea könne erneut einen Atomwaffentest vorbereiten, warnen amerikanische Experten auf der Website 38North.org, die vom US-Korea Institute an der Johns Hopkins University zur Beobachtung des verschlossenen Landes betrieben wird. Auf Satellitenbildern sei ein "konstant hoher Level an Aktivitäten" in Punggye-ri zu erkennen, wo die bisherigen Atomwaffentests in Tunneln tief im Berg durchgeführt wurden.

Jetzt finden die Aktivitäten, auf die bereits Anfang November hingewiesen wurde, an einem Tunnelsystem im Westen statt, der noch nicht verwendet wurde. Das wird festgemacht an der dauernden Anwesenheit von Fahrzeugen und Personal im Eingangsbereich und an Förderwagen, die offensichtlich frisches Material zu einer Halde bringen. Daraus wird geschlossen, dass weitere Tunnel am Westportal gebaut werden, um so "die Möglichkeit für künftige Atomwaffentests" zu schaffen.

Am Samstag hatte die CTBTO (Organisation über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen) in der Nähe des Testgeländes zwei Erdbeben der Stärke 2,9 und 2,4 beobachtet. Vermutlich seien diese Nachwirkungen des letzten Atomwaffentests. Nach diesem hat es bereits eine ganze Reihe von Erdbeben gegeben, was Sorgen in Südkorea auslöste, dass das Tunnelsystem einstürzen und Radioaktivität freigesetzt werden könnte.

Da Nordkorea weiß, wann die Satelliten über das Testgelände fliegen, ist immer auch zu vermuten, dass Aktivitäten bewusst inszeniert werden. Möglicherweise will man so nur vor den anstehenden Winterspielen im Februar 2018 oder angesichts des Konflikts mit den USA, aber auch mit China, mit einem Atomwaffentest drohen. Im April 2017 waren auch schon mal Aktivitäten beobachtet und vermutet worden, es werde ein Test stattfinden. Dann waren auf den nächsten Satellitenbildern nur noch Menschen zu erkennen, die an mehreren Stellen Volleyball spielten (Nordkoreas Atomtestgelände im Stand-by-Modus). Der Test fand schließlich am 3. September statt.

Der Nordkorea-Konflikt war schon letztes Jahr, wie aus Daten des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) hervorgeht, neben einem zunehmenden Aufrüstungstrend ein Grund, dass die globalen Waffenverkäufe wieder angestiegen sind. Vor allem die Nachfrage nach neuen Kampfflugzeugen führte 2016 zum ersten Mal seit 6 Jahren wieder zu einer Zunahme der Waffenverkäufe um 1,9 Prozent auf 374,8 Milliarden US-Dollar. 2010 lagen sie allerdings mit 432 Milliarden US-Dollar noch deutlich höher.

Profitiert davon haben vor allem US-Rüstungskonzerne, die 2016 für insgesamt 217 Milliarden US-Dollar Waffen verkauften, was einen Anteil von 57,9 Prozent an allen Waffenverkäufen darstellt. Ihr Umsatz ist um 4 Prozent gestiegen. Hauptgewinner war Lockheed Martin, dessen Verkäufe um mehr als 10 Prozent zulegten. So war vor allem das Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35 begehrt. 8 der 10 Rüstungskonzerne, die am meisten verkaufen, sind amerikanische Unternehmen, BAE Systems und Airbus liegen auf Platz 4 und 7.

Bild: SIPRI

Russlands Waffenverkäufe stiegen "nur" um 3,8 Prozent an, insgesamt wurden Waffen für 26,6 Milliarden US-Dollar verkauft. SIPRI macht dafür finanzielle Probleme aufgrund der niedrigen Energiepreise und der Sanktionen geltend. In Westeuropa stiegen die Waffenverkäufe um 0,2 Prozent auf 91,6 Milliarden US-Dollar. Westeuropa und die USA haben einen Anteil von 82,4 Prozent an den globalen Waffenverkäufen und damit auch einen Grund, Konflikte am Kochen zu halten. Deutschland verkaufte 6,6 Prozent mehr Waffen als 2015, profitiert haben davon vor allem Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall mit ihrem Leopardpanzer, der in Eruopa, aber auch im Nahen Osten und Südostasien nachgefragt wurde.

Südkorea hat 2016 bei den Waffenverkäufen am meisten zugelegt, die um mehr als 20 Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar anstiegen. Damit wird Südkorea mehr und mehr zu einem größeren Waffenexporteur, der u.a. an Brasilien, Indien und die Türkei verkauft. Wegen des Konflikts mit Nordkorea kauft das Land aber auch mehr Waffen und hat nach SIPRI seine Rüstungsbranche dahin umgestellt, Waffen für den eigenen Bedarf herzustellen und gleichzeitig zu einem größeren Waffenexporteur zu werden. Der Rüstungshaushalt wird um 7 Prozent auf 40 Milliarden US-Dollar im nächsten Jahr ansteigen. (Florian Rötzer)

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