Bereitschaft zum Sex lässt sich vom Gesicht ablesen

Nach einer Studie von britischen Psychologen können Männer und vor allem Frauen an den Gesichtszügen erkennen, wer auf kurz- oder langfristige Beziehungen aus ist

Menschen lassen sich, wenn es um das sexuelle (Such)Verhalten geht, in zwei Typen einteilen, sagen Wissenschaftler. Während die einen kurzfristige Beziehungen bevorzugen, suchen die anderen nach langfristigen Partnern. Solch eine soziosexuelle Orientierung lässt sich, wie britische Psychologen herausgefunden haben wollen, auch von den Gesichtern der Personen direkt ablesen. Und das soll auch mit darüber entscheiden, wen man attraktiver findet.

Für diejenigen, die auf der Suche nach sexuellen Beziehungen unterwegs sind, wäre es vermutlich in der Tat hilfreich, schon von weitem zu sehen, auf wen sie sich einlassen, wenn das Werbungsspiel denn überhaupt klappen sollte. Wer ein kurzes Abenteuer will, sollte denn auch an eine für kurzfristige Beziehungen eher offene (unrestricted) Person geraten, wer etwas Festeres haben will, wäre bei dem eher auf Langfristiges eingestellten Typ besser aufgehoben. Männer, so heißt es, würden eher nach Frauen suchen, die kurzfristige Beziehungen eingehen wollen, bei Frauen sei es umgekehrt.

Ein Paar von Porträts aus übereinandergelagerten Fotos, links der langfristige, rechts der kurzfristig orientierte Typ. Bild: Boothroyd

Wie Psychologen in Tests festgestellt haben, können Menschen anhand von visuellen Merkmalen der Gesichter erkennen, um welchen soziosexuellen Typ es sich handelt. Das können sie, wie Lynda Boothroyd und ihre Kollegen von der Durham University in ihrem Artikel in der Zeitschrift Evolution and Human Behavior berichten, mit wirklichen Gesichtern und aber auch anhand von Fotos, auf denen Gesichter zu einem Porträt übereinander gelegt wurden. Die Auswahl der fotografierten jungen Männer und Frauen erfolgte aufgrund eines Fragebogens, bei dem die soziosexuelle Orientierung erfasst wurde, beispielsweise an der Zahl der Sexualpartner.

Das Übereinanderlegen von Bildern hat den Vorteil, dass gemeinsame Gesichtsmerkmale beispielsweise der offenen Personen eher zur Geltung kommen. Bei den Tests, die online durchgeführt wurden, wurden Personen, die eher zur Homosexualität neigen, ausgeschlossen, da die Orientierung am jeweils anderen Geschlecht im Vordergrund stand. Bei den übereinandergelegten Gesichtern wurde den Versuchspersonen - man kann den Test auch selbst auf der Webseite mitmachen, die vielen Fragen zu Beginn müssen nicht ausgefüllt werden - jeweils ein Paar gezeigt, das einmal den offenen, auf One-Night-Stands und Sex-ohne-Liebe ausgerichteten und das andere Mal den eingeschränkten Typ darstellt. Bewertet wird auf einer 4-Punkte-Skala. Erfasst wurde auch, welche Gesichter männlicher, weiblicher und attraktiver wirkten.

Ein Paar von Porträts aus übereinandergelagerten Fotos, links der langfristige, rechts der kurzfristig orientierte Typ. Bild: Boothroyd

Für Männer und Frauen ist bei den zusammengesetzten Bildern der kurzfristigen Beziehungen offene weibliche und männliche Typ prinzipiell attraktiver. Frauen neigen allerdings eher zu den langfristig orientierten Männer, während die kurzfristig orientierten Männer eher als maskuliner galten (was bei den Fotos von einzelnen Männern aber nicht zutraf). Auch auf den Fotos von Einzelpersonen konnten die Versuchspersonen erkennen, wer eher sexuellen Abenteuern offen steht oder wer eine langfristige Beziehung sucht.

Allerdings können Frauen die soziosexuelle Orientierung bei anderen, auch bei ihren Geschlechtsgenossinnen, besser erkennen, als dies die Männer vermögen. Das könnte, wie die Autoren vermuten, damit zusammenhängen, dass der Druck der sexuellen Selektion für Frauen höher ist, einen langfristigen Partner zu wählen. Dem käme entgegen, dass die Männer nicht so gut die soziosexuelle Orientierung der Frauen erkennen und dann trotz ihrer eher auf kurzfristige Beziehungen ausgerichteten Haltung "in die Falle" treten. Dass attraktive Frauen auch als offener für kurzfristige Beziehungen bei Männern und Frauen gelten, führen die Autoren darauf zurück, dass offenbar angenommen wird, attraktive Frauen seien als Sexualpartner begehrter und würden deswegen anders aussehen. Die Ergebnisse zeigen, so Boothroyd, dass es starke Präferenzen für verschiedene Gesichtstypen bei der Bewertung möglicher Geschlechtsopartner gibt: "Das verweist darauf, dass diese ersten Eindrücke in die Bewertung möglicher Geschlechtspartner oder möglicher Rivalen einfließen, wenn wir sie zuerst treffen." (Florian Rötzer)