Berliner Anschlag: Gravierende Fehleinschätzungen im Fall Amri

Anschlagsabsichten und Kontakte zum IS

Laut SZ hatte Amri am 2. Februar 2016 gestanden, in Kontakt mit mutmaßlichen Mitgliedern des "Islamischen Staates" (IS) zu stehe. Er habe sich offenbar als Selbstmordattentäter angeboten. Seit Ende Februar wurde Amri von der Polizei in Nordrhein-Westfalen als Gefährder geführt. Mit einer bemerkenswerten Einschätzung:

Aktuell sind bei Amri Verhaltensmuster feststellbar, die auf eine Intensivierung von Anschlags-Planungen hindeuten könnten und die Tiefe seiner radikal-islamistischen Gesinnung untermauern. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass Amri seine Anschlags-Planungen ausdauernd und langfristig verfolgen wird.

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Die Behörden erfahren zudem, dass Amri im Februar über den Messengerdienst Telegram Kontakt zu mutmaßlichen IS-Kämpfern aufgenommen hatte. Zu diesem Bild kommen noch Hinweise auf eine "aktenkundig" hohe kriminelle Energie. Amri war der Polizei mehrmals aufgefallen durch Gewalttätigkeiten, Vorwürfe wegen Betrug und Diebstahl sowie Drogendealerei am Görlitzer Park.

Durch die Observation wird Amri zudem der Kleindealer-Szene am Görlitzer Park in Berlin zugeordnet, auch gibt es Hinweise, dass er in eine Schlägerei in einer Bar verwickelt ist. Amri hatte zudem davon gesprochen, sich bei Überfällen Geld für Waffen zu beschaffen - und dabei auch bereits ein mutmaßliches Opfer ausgemacht, einen Mann im brandenburgischen Falkensee. Die Polizei warnt den Mann, aber die monatelange Überwachung ergibt letztendlich wenig und wird am 21. September eingestellt.

Die Spur verloren

Die Observation des Mannes wurde von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft eingeleitet, nachdem die Generalbundesanwaltschaft keine Grundlage für eigene Ermittlungen sah. Die Observation dauerte von Anfang April bis Ende September und ergab nichts. Das war auch in einigen Fällen in Frankreich so und zeigt an, wie geschickt Dschihadisten vorgehen.

Noch zwei Tage vor Ablauf der Observation (21.September) bis in den Oktober hinein hatte der marokkanische Geheimdienst DST das BKA und den Bundesnachrichtendienst (BND) vor Amri gewarnt:

Am 2. November dann wird die Personalie Amri letztmalig im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ) besprochen. Die GTAZ-Runde urteilt erneut, es sei "kein konkreter Gefährdungssachverhalt erkennbar". Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen soll noch einmal die Abschiebung forcieren.

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Nach der Observation verloren die Behörden Amris Spur. (Thomas Pany)