Bernie Sanders will 2020 demokratischer Präsidentschaftskandidat werden

Bernie Sanders. Foto: Gage Skidmore. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Inzwischen gibt es deutlich über ein Dutzend Bewerber

Der 2016 bei den Vorwahlen der Demokraten gegen Hillary Clinton unterlegene Senator Bernie Sanders hat in einem Interview mit dem Sender Vermont Public Radio angekündigt, dass er bei den nächsten Präsidentschaftsvorwahlen der Demokratischen Partei erneut einen Anlauf wagen will. Vorher war spekuliert worden, ob der 77-Jährige sich hinter die 37-jährige interventionskritische Irakkriegsveteranin Tulsi Gabbard stellt, die ihn 2016 unterstützte und ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2020 bereits im Januar verkündete (vgl. US-Demokraten: Bewerberfeld für die nächste Präsidentenwahl formiert sich).

Sanders hatte bei den Vorwahlen 2016 mit dem Hindernis zu kämpfen, dass er eigentlich ein unabhängiger Senator ist, der im Establishment der demokratischen Datei kaum Rückendeckung hatte. Kurz vor Beginn des Nominierungsparteitages musste deshalb sogar die Vorsitzende des Democratic National Committee (DNC) zurücktreten, nachdem WikiLeaks interne E-Mails öffentlich machte, die nahe legten, dass das DNC im Vorwahlkampf nicht (wie es die Statuten eigentlich verlangen) neutral war, sondern sich auf die Seite von Clinton geschlagen hatte und für sie arbeitete (vgl. Wasserman Schultz tritt nach HillaryLeaks als DNC-Chefin zurück und wird von Clinton umgehend mit einem Chefposten im Wahlkampfteam belohnt).

Bestes Ergebnis in der DFA-Umfrage

Die Vorwahlen sorgten allerdings auch dafür, dass Sanders heute der bekannteste unter den Vorwahlbewerbern bei der Demokratischen Partei sein dürfte. In der letzten DFA-Umfrage aus dem Dezember schnitt er von allen potenziellen demokratischen Kandidaten mit Abstand am besten ab (vgl. Sanders führt DFA-Umfrage zur demokratischen Präsidentschaftskandidatur mit 36,14 Prozent an).

Die große Verliererin in dieser DFA-Umfrage war Elizabeth Warren, die vor vier Jahren noch auf 42 Prozent kam und jetzt bei nur mehr 7,89 Prozent landete. Dafür dürfte unter anderem ein Glaubwürdigkeitsproblem verantwortlich sein. Die Identitätspolitikerin hatte sich nämlich an den Universitäten, an denen sie Karriere machte, als indianischstämmig dargestellt. Nachdem Donald Trump meinte, sie solle dies doch durch einen Gentest belegen, legte sie einen vor. Der indianische Genanteil, der damit belegt wird, ist jedoch kleiner als der des amerikanischen Durchschnittsweißen (vgl. 1/64 bis 1/1.024 Indianerin).

Konkurrenten

Trotzdem beteiligt sich Warren jetzt ebenso an den Vorwahlen wie Barack Obamas Wohnungsbauminister Julian Castro, die mit der Forderung nach Gefängnisstrafen für YouTube-Videos aufgefallene Juristin Amy Klobuchar (vgl. Justin Bieber will Urheberrechtsextremistin hinter Gittern sehen), die durch die #MeToo-Welle US-weit bekannt gewordene Juristin Kirsten Gillibrand, die außenpolitisch einen Hillary-Clinton-Kurs fahrende Juristin Kamala Harris, der fleischverzichtfordernde Jurist Cory Booker und eine Reihe weniger bekannter Bewerber - unter ihnen der 92 Millionen Dollar schwere Marylander Kongressabgeordnete John Delaney, der offen homosexuelle maltesischstämmige Afghanistanveteran und South-Bend-Bürgermeister Peter Buttigieg, die jüdische Buchautorin Marianne Williamson, die für Sklaverei-Reparationszahlungen an Schwarze wirbt, der chinesischstämmige Unternehmer Andrew Yang, der "Free Hugs Guy" Ken Nwadike, der Sonnenenergieapostel Harry Braun und der Grundeinkommensbefürworter Michael Arth.

Wahrscheinlich kommen noch weitere hinzu: Als gesetzt gilt unter anderem Robert Francis alias "Beto" O'Rourke, der früher häufig mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron verglichen wurde.

Bei den Republikanern hat bislang lediglich William Weld, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, ein Erkundungskommitte ins Leben gerufen, das ermitteln soll, mit wie vielen Spendern und Unterstützern er rechnen könnte, wenn er im nächsten Jahr bei den Präsidentschaftsvorwahlen antreten würde (vgl. Ex-Gouverneur von Massachusetts prüft, in republikanischen Vorwahlen gegen Trump anzutreten). Große Chancen, Donald Trump die erneute Kandidatur abzunehmen, werden ihm zumindest in der aktuellen Situation nicht zugebilligt. Bislang gelang es in der über hundertjährigen Geschichte der amerikanischen Vorwahlen nur ein einziges Mal, einen Amtsinhaber aus dem Rennen zu werfen: Der Demokrat Lyndon B. Johnson zog sich 1968 freiwillig zurück, nachdem Robert Kennedy in das Rennen einstieg.

Neben den Demokraten und den Republikanern wird auch die Libertarian Party einen Präsidentschaftskandidaten ins Rennen schicken. Der mit Abstand bekannteste unter den bislang fünf Bewerbern dafür ist der IT-Pionier John McAfee. Er macht mit einem "Pepe-PAC", Memes wie Whale Humping und anderen dezidierten Tabubrüchen einen Wahlkampf, der den von Donald Trump an Unterhaltungswert durchaus übertreffen könnte.

Dass er im amerikanischen Zweiparteiensystem eine realistische Chance hat, glaubt McAfee selbst nicht. Seinen eigenen Angaben nach will der Steuerverweigerer, der sich derzeit an einem unbekannten Ort aufhält, auch gar nicht Präsident werden, weil er dann nur "eine Marionette [wäre], die an tausend Schnüren hängt". Stattdessen möchte er die Wahlkampagne dazu nutzen, um den Amerikanern zu sagen, dass ihre Regierung nicht mehr für das Volk arbeitet, sondern das Volk für die Regierung (vgl. Ein gutes Dutzend Demokraten und John McAfee wollen Trump herausfordern). (Peter Mühlbauer)

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