Besser spät als nie: Auch Moody's stuft Portugal hoch

Palácio de São Bento, Sitz des portugiesischen Parlament. Bild: Tomasz Dunn/CC BY-2.0

Die letzte große Ratingagentur bewertet das einstige Krisenland nicht mehr als Ramsch ein, doch diese Einstufung droht dem großen Italien

Die kleine kanadische Ratingagentur DBRS hatte den Kurs der großen US-Agenturen nicht mitgemacht und Portugals Staatsanleihen nie als "Ramsch" eingestuft und damit die Versuche durchkreuzt, das Land unter der Linksregierung wieder unter den Rettungsschirm zu treiben. Doch eine nach der anderen haben auch Standard & Poor's und Fitch später die Erfolge der sozialistischen Regierung bei der Abkehr vom Austeritätswahn anerkennen müssen, die von zwei linksradikalen Parteien gestützt wird.

Jetzt schloss sich mit großer Verspätung auch Moody's an und zog die bisherige absurde Ramsch-Einstufung zurück. Dieses Rating verpasste die Agentur dem Land 2011 und hielt es bisher, obwohl es seit drei Jahren eine klare Erholung gibt, weshalb die Arbeitslosenquote nun mit 6,8% unter dem Durchschnitt der Euroländer liegt.

Die Agentur setzt die Staatsanleihen Portugals von "Ba1" auf "Baa3" herauf, womit sie wieder als "Investment Grade" eine Stufe über der Ramsch-Grenze liegen. Begründet wurde der Schritt mit Fortschritten beim Schuldenabbau und der guten Wirtschaftsentwicklung. Der Ausblick für das kleine Euroland am westlichen Rand Europas wird als stabil eingeschätzt, womit Moody's in absehbarer Zeit keine Veränderung der Lage prognostiziert.

"Die Last der Staatsschulden hat sich auf einen nachhaltigen, wenn auch allmählichen Abwärtstrend begeben." Die Agentur führt an, dass die Schuldenquote 2017 im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP) auf 124,7% gesunken sei und weiter sinken soll. Zudem führt Moody's einen "gesunden" Primärüberschuss an. Das Land hatte, anders als der große Nachbar Spanien, sein Defizit längst deutlich unter die Stabilitätsgrenze von 3% gedrückt. Die sinkende Arbeitslosigkeit spielt dabei eine bedeutsame Rolle.

Zeitbombe Italien tickt

An den Finanzmärkten wird Portugal längst ein deutlich höheres Vertrauen entgegengebracht als zum Beispiel dem drittgrößten Euroland Italien. Der Risikoaufschlag (Spread) für Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen zehnjährigen Anleihen liegt für Portugal bei 150 Basispunkten, während Italien, mit seiner extremen Schuldenlast, einen doppelt so hohen Spread verkraften muss. Muss Portugal eine Rendite von etwa 2% bieten, sind es für Italien schon mehr als 3,5%. Das ist angesichts einer Schuldenlast von 2,3 Billionen Euro ein riesiges Problem für das Land. Im Verhältnis zum BIP sind das schon fast 132%.

Anders als in Portugal ist auch das Wachstum in Italien schwach und mit 9,7% die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch. An den Finanzmärkten kursieren Gerüchte, dass die Ratingagenturen italienische Staatsanleihen bald als "Ramsch" einstufen könnten. Ende Oktober verkünden sowohl S&P als auch Moody's ihre neuen Einstufungen für Italien. Würde die beiden Agenturen das Land um zwei Stufen zurückstufen, wäre das Rating auf Ramsch-Niveau, das Portugal gerade verlassen hat. Das könnte einen Abverkauf von Anleihen auslösen. Es ist klar, dass die Zeitbombe Italien immer lauter tickt. (Ralf Streck)