Bessere Straßenbeleuchtung statt Überwachungskameras

Ein Bericht über Video-Überwachung in Großbritannien, wo es weltweit am meisten Kameras gibt, empfiehlt eher billigere und effektivere Maßnahmen

Schon seit Jahren ist Großbritannien Rekordhalter für die Zahl der Überwachungskameras. Seit 1990, als es gerade einmal 100 Kameras an öffentlichen Plätzen und Straßen zur Verbrechensverhinderung gab, ist die Zahl auf jetzt 40.000 Kameras in England und Wales angestiegen. Die britische Regierung setzt noch immer auf den weiteren Ausbau der Überwachungsmaßnahmen, ein Bericht, der eben veröffentlicht wurde, sagt hingegen, dass es oft schon genüge und viel billiger, etwa die Straßenbeleuchtung zu verbessern.

Neben den erwähnten 40.000 Kameras zur Verbrechensverhütung gibt es freilich noch um die 2 Millionen weitere Kameras für Sicherheitszwecke oder zum Ertappen von Autofahrern, die zu schnell fahren. Man geht davon aus, dass jemand, der in einer Stadt herumgeht, mindest acht Mal von einer Überwachungskamera gefilmt wird. Letzten Freitag wurde erst wieder ein neuer Rekord eingestellt, als das bislang größte zentral kontrollierte und natürlich modernste Überwachungssystem mit mehr als 400 Kameras in Manchester in Betrieb genommen wurde. Überwacht werden damit das Stadtzentrum und die Parkplätze. In der Zentrale werden die Bilder der Kameras auf sechs großen Bildschirmen beobachtet, die jeweils 180 hoch aufgelöste Bilder darstellen können. Mit dem System lassen sich im Prinzip Menschen lückenlos auf ihrem Gang durch die Stadt beobachten.

Der am selben Tag veröffentlichte Bericht der National Association for the Care and Resettlement of Offenders (Nacro) ermutigt die weitere Aufrüstung der Überwachungsgesellschaft nicht direkt und könnte auch Anderen eine Lehre sein, die Sicherheit durch Überwachungskameras versprechen. Schon frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass überwachte Bezirke zwar sicherer sein können, die Kriminalität aber nur in andere Bezirke verschoben wird. Blickt man nicht auf das umfassende Ergebnis, so können Überwachungskameras durchaus als erfolgreich gelten. Das britische Innenministerium, das drei Viertel des Budgets für Verbrechensprävention, d.h. 200 Millionen Pfund, in Überwachungskameras investiert, weist auf Statistiken hin, die so belegen, dass in 13 von 24 Fällen die Kriminalitätsrate gefallen sei (in vier Fällen ist sie allerdings auch angestiegen).

Lord Falconer, Staatssekretär im Innenministerium, ist also weiterhin davon überzeugt, dass Überwachungskameras das richtige Mittel zur Bekämpfung der zunehmenden Straßenkriminalität seien. Wahrscheinlich ist in der Tat der Einsatz von Technik billiger als andere Programme, die die Kriminalität an der Wurzel zu bekämpfen suchen, ziemlich sicher ist die Installation von Überwachungskameras ein sichtbarer Beweis dafür, dass die Regierung etwas zur Verbrechensbekämpfung macht. Und offenbar setzt die britische Regierung auf die Stimmung der meisten Menschen, die sich tatsächlich durch Überwachung, also in Anwesenheit von Big Brother, sicherer fühlen. So meinte denn Lord Falconer auch im Hinblick auf Manchester, dass hier die drei Millionen Pfund eine gute Investition gewesen, um "den Menschen Sicherheit und ein Gefühl von Sicherheit zu bieten". Es geht also mehr um ein Gefühl als um belegbare Effekte: "Die Menschen wollen wirklich CCTV-Kameras haben, weil die Polizei und die Menschen, die in den Gebieten wohnen, glauben, dass sie mehr Sicherheit bringen."

Von Nacro wurden die bereits vom Innenministerium analysierten 24 Überwachungssysteme noch einmal ausgewertet. Bei sieben habe die Installation keine Auswirkungen gehabt. Die größten Erfolge seien in der Phase erzielt worden, in der die Kameras eingerichtet werden, aber noch nicht in Funktion seien, weil in dieser Zeit die größte Aufmerksamkeit erzielt werde. Zwar könnten Diebstähle auf Parkplätzen reduziert werden, in Stadtzentren hätten Überwachungskameras aber kaum Erfolge bei schweren Verbrechen. Ohne die "permanente Sauerstoffzufuhr durch Werbung" würden solche Überwachungsmaßnahmen schnell ihre Wirkung verlieren. Nach Narco würde die Kriminalität durch Überwachungskameras um 5 Prozent zurückgehen, nach einer Statistik des Innenministeriums jedoch um 20 Prozent.

Rachel Armitage von Nacro zog die Konsequenz, dass gut geplante Video-Überwachungssysteme zwar durchaus eine Wirkung hätten, aber dass sie normalerweise überschätzt würde. Die Stadtverwaltungen hätten eine große Verantwortung, wenn sie teure Video-Überwachungssysteme anderen und vor allem billigeren Maßnhamen vorziehen würden. Beispielsweise sei eine bessere Straßenbeleuchtung auch ein wirksames Mittel: "Die Orte müssen angemessen von der Polizei und nicht aus der Entfernung kontrolliert werden. Was würden Sie vorziehen, wenn Sie die Wahl hätten: Eine dunkle Straße entlang zu gehen, die von Überwachungskameras beobachtet wird, oder eine gut beleuchtete Straße?" (Florian Rötzer)

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