Bestechen und Abzocken?

Der Gentech-Riese Monsanto muss 1,5 Millionen Dollar Strafgeld zahlen, weil indonesische Beamte bestochen wurden

Indonesien hat derzeit sicher andere Sorgen als eine Diskussion über Gentechnik, ist das Land doch schwer durch die Tsunami-Katastrophe getroffen. Nichts desto trotz ist es interessant zu lesen, wie gerade in Entwicklungs- oder Schwellenländern von Biotech-Konzernen versucht wird, Einfluss zu nehmen. So bestach Monsanto hochrangige indonesische Beamte, um in dem Land ein "günstiges Klima" für Gentech-Pflanzen zu schaffen.

Ein Monsanto-Manager versuchte im Jahr 2002, einen hochrangigen Beamten mit 50.000 US-Dollar zu bestechen. Im Gegenzug sollte die Behörde dann auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung für gentechnisch veränderte Baumwolle verzichten. Doch aus dem Deal wurde dann nichts. Und es kam noch schlimmer für den Konzern. Monsanto wurde jetzt in den USA zur Zahlung 1,5 Millionen Dollar Bußgeld wegen des Bruchs amerikanischer Anti-Korruptionsgesetze verurteilt, wie BBC berichtet.

Der Weltmarktführer für gentechnisch verändertes Saatgut hatte jahrelang versucht, in Indonesien Fuß zu fassen. Wie weitere Ermittlungen der amerikanischen Behörden ergaben, floss in den Jahren 1997 bis 2002 auch an etliche andere indonesische Beamte illegales Geld, um die eigene insektenresistente GV-Baumwolle in dem Land zu etablieren. Greenpeace Deutschland spricht von 140 indonesischen Beamten, die mit insgesamt rund 700.000 Dollar an Bestechungsgeldern "umworben" wurden. BBC wiederum berichtet, dass zu diesem Zweck eine eigene Consulting-Firma von dem Monsanto-Manger betrieben wurde. Die Bestechungsgelder wurden dann als "Berater-Honorare" deklariert. Laut Greenpeace Deutschland finanzierte Monsanto die Bestechung unter anderem durch den undokumentierten und überteuerten Verkauf von Pestiziden in Indonesien.

Monsanto nahm das US-Urteil bereits an und will sich auch der Auflage fügen, dass für die nächsten drei Jahre ein unabhängiger Finanzprüfer die Bücher des Konzerns überwachen soll. Der Konzern feuerte selbstredend inzwischen den verantwortlichen Manager und beteuert, solche Praktiken keineswegs zu tolerieren zu wollen. Zudem habe man selbst, als Unregelmäßigkeiten in der indonesischen Zweigstelle ruchbar geworden waren, eine interne Überprüfung gestartet und im Anschluss auch das amerikanische Justizministerium informiert.

Allerdings ist Monsanto international immer wieder aufgrund der aggressiven Vermarktungs- und Durchsetzungspolitik in Patentfragen negativ in die Schlagzeilen geraten. Der bekannteste Fall war wohl jener des kanadischen Farmers Percy Schmeiser dessen Felder durch Pollenflug von Monsanto-Pflanzen gentechnisch verunreinigt worden waren, der aber dann von dem Konzern wegen Genklaus vor den Kadi gezerrt wurde. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgte, der erst vergangenes Jahr ganz knapp zugunsten Monsantos entschieden wurde. Allerdings erlies das kanadische Höchstgericht dem Farmer auch die von Monsanto geforderten exorbitanten Schadensersatzzahlungen (Percy Schmeiser verliert gegen Monsanto).

Generell wird dem Konzern ein starker Hang zur "Lobby-Arbeit" auf politischer Ebene nachgesagt. In Indonesien scheiterte der Versuch, die Hürden einer strengen Umweltverträglichkeitsprüfung zu umschiffen, an dem starken Widerstand von Umweltaktivisten und indonesischen Bauern, die mit Kampagnen die Öffentlichkeit mobilisiert hatten. Indonesien hatte 2001 als erster Staat in Südostasien genmanipulierte Baumwolle von Monsanto zugelassen.

Der Konzern hatte behauptet, Gen-Baumwolle sei umweltfreundlich, würde weniger Pestizide brauchen, eine üppige Ernte und zunehmenden Wohlstand der Bauern garantieren. Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Bereits im ersten Jahr des Anbaus gab es Berichte über Misserfolge. Die Pflanzen waren zwar gegen einen Schädling resistent, nicht aber gegen alle natürlichen Feinde der Baumwolle. Hunderte Hektar wurden von anderen Schädlingen befallen. Wie die britische Non-Profit-Organisation Institute of Science in Society berichtet, standen viele Bauern vor dem Ruin. Etwa 70 Prozent der 4.438 Bauern, die Gen-Baumwolle angebaut hatten, konnten nach dem ersten Pflanzjahr ihren Kredit, den sie von einer Tochtergesellschaft von Monsanto für den Kauf von Saatgut und Dünger bekommen hatten, nicht zurückzahlen. Dennoch verdoppelte das Unternehmen im kommenden Jahr die Preise für das Gen-Saatgut und senkte gleichzeitig die Preise für den Aufkauf der Gen-Baumwolle. Das Vorgehen führte zu so starken Protesten der Bauern, dass sich Monsanto Ende 2003 ganz aus Indonesien zurückzog. Schließlich räumte sogar der indonesische Umweltminister ein, dass die GV-Baumwolle mehr Schaden als Nutzen gebracht hätte.

Allerdings scheinen solche Misserfolge dem "Siegeszug" der grünen Gentechnik keinen Abbruch zu tun. Im Jahr 2003 wurden weltweit rund 70 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut, berichtet der International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) . Das sind um rund 15 Prozent mehr als das Jahr zuvor. Wirtschaftsexperten schätzen das Marktpotenzial auf bis zu 500 Mrd. Doller - insbesondere dann, wenn Pflanzen als Rohstofflieferanten für die Industrie eingesetzt werden können. Dass zu dieser gigantischen Summe die in Indonesien getestete GV-Baumwolle mit ihren mickrigen Erträgen wesentlich beitragen wird, darf allerdings bezweifelt werden. (Brigitte Zarzer)

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