Bevölkerung: Zunahme allein durch einen Überschuss in der Zuwanderung

Sterbeüberschuss auf historischem Höchststand. Nettozuzug verhindert Schrumpfen der Bevölkerung

Deutschlands Bevölkerung wächst wieder, nachdem es 2020 einen Stillstand gegeben hatte. Das geht aus den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik (destatis.de) hervor, die am gestrigen Montag vorgelegt wurden. Nach den vorläufigen Berechnungen der Bundesstatistiker lebten am 31. Dezember 2021 gut 83,2 Millionen Menschen zwischen Oder und Rhein.

Gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs um 82.000 Personen, beziehungsweise 0,1 Prozent der Bevölkerung. Erreicht wurde die Zunahme allein durch einen Überschuss in der Zuwanderung, der im vergangenen Jahr 317.000 betrug. Dem stand nach Destatis-Angaben ein Sterbeüberschuss von 228.000 gegenüber.

Die Differenz beträgt allerdings 89.000, und diese Diskrepanz wird in der verlinkten Presseerklärung nicht erläutert. Daher und da es sich um eine Fortschreibung des letzten Zensus in Kombination mit aktuellen Meldedaten handelt, sollten die Zahlen nur als ungefähre Angaben gelesen werden.

Jedenfalls ist der Sterbeüberschuss deutlich gewachsen, gar so hoch wie nie zuvor seit 1945, und auch die Zuwanderung sowie der gewachsene Anteil der Kinder und Jugendlichen (+99.000 oder +0,6 Prozent bei den unter 20-jährigen) konnte nicht verhindern, dass das Durchschnittsalter weiter auf 44,7 Jahre gestiegen ist.

Seit 1972 sterben in Deutschland (bis 1990 West- und Ostdeutschland) mehr Menschen als geboren werden. Nur acht Jahre zuvor, 1964, hatte hingegen mit fast 500.000 der Geburtenüberschuss seinen Nachkriegshöchststand erreicht. Nach 1972 konnte die Bevölkerung nur noch durch Nettozuwanderung stabil gehalten werden und wuchs sogar weiter an.

2013 lag derweil der Sterbeüberschuss erstmals über 200.000, fiel dann aber in den kommenden Jahren wieder deutlich unter diese Marke. 2020 betrug er dann aber bereits 212.428 und erreichte 2021 einen neuen historischen Höchststand.

Ende 2021 hatten 72,3 Millionen der Einwohnerinnen und Einwohner einen deutschen Pass und 10,9 Millionen eine andere Staatsbürgerschaft. Die Anzahl der Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft sank um 226.000 Personen.

An anderer Stelle spricht das Amt allerdings von 11,8 Millionen Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Letztere Zahl bezieht sich auf Angaben des Ausländerzentralregisters, in dem auch noch Personen erfasst sind, die weggezogen sind, aber sich nicht abgemeldet haben.

Auffällig ist, dass sich die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland weiter stark voneinander unterscheidet. Während Westdeutschland wächst, schrumpft Ostdeutschland weiter. Vor allen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Bevölkerung geschrumpft. Mecklenburg-Vorpommern ist annähernd stabil und Brandenburg etwas gewachsen.

Im Westen ist nur in Bremen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen die Bevölkerung geringfügig zurückgegangen. Wachstumszentren sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg und – mit Abstand – Berlin. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt war der Nettozuzug in der Bundeshauptstadt mit rund 13.000 eher gering. (Wolfgang Pomrehn)