Beyond Meat: Fleischlose Ernährung wird chic

Nach Bill Clinton wurde auch Al Gore zum Veganer, Vegetarier Bill Gates und andere investieren in Firmen, die tierische Produkte ersetzen wollen

Nach Bill Clinton ist sein ehemaliger Vizepräsident und einstiger Präsidentschaftskandidat Al Gore, der zum Vorreiter des Klimaschutzes wurde, auch zum Veganer geworden. Das darf sich wohl ein US-Präsident oder Vizepräsident in den USA noch nicht leisten. George W. Bush, der in einer umstrittenen Wahl gegen Al Gore gewann, predigte zwar Fitness und Abnehmen, gegen Fleisch hatte und hat der Texaner aber ebenso wenig einzuwenden wie sein erzkonservativer Vize Dick Cheney, der im Augenblick zwischen seinen Töchtern steht. Sie bekriegen sich, weil die eine lesbisch ist und die andere einen Senatssitz ergattern will und sich im Kampf gegen den republikanischen Amtsinhaber gegen die Homoehe ausspricht.

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Und die Obamas zelebrieren das gute Essen, preisen frisches Gemüse und Obst, geben Kochrezepte (meist für Kuchen oder Sußspeisen), haben einen eigenen Blog fürs Essen Obamafoodorama, wo es gut Ratschläge gibt, und fordern die Amerikaner zum Selberkochen und zum Gärtnern auf, Michelle Obama hat einen Gemüsegarten, der entsprechend zelebriert wird. Barack Obama hat schon einige Truthähne begnadigt. Angeblich ist Barack Obamas Lieblingsessen Broccoli.

Bill Clinton liebte Fleisch, fettes Essen und Fastfood. Als er aber krank wurde und sich 2004 einer schweren Herzoperation unterziehen musste, begann er auf veganes Essen umzusteigen - nicht aus Ideologie, Gründen des Tier- oder Klimaschutzes, sondern aus persönlichen Gesundheitsgrünen. Seit einiger Zeit scheint er ganz vegan zu leben, also auch keinen Käse oder Joghurt mehr zu essen. Dem Gesundheitssystem und Land würde es gut tun, wenn die Menschen mehr aus Essen achten, sagt er dann aber doch auch.

Nun ist also auch Al Gore Veganer geworden. Bekannt wurde das eher zufällig, er hat offenbar keine Botschaft damit verknüpft, obgleich er alles daran gesetzt, beispielsweise durch den Film "An Inconvenient Truth", mit an die Spitze der Klimaschützer zu rücken und die Welt vor der Erwärmung zu retten. Ganz selbstlos geschah das allerdings nicht, er will auch an Investitionen in erneuerbaren Energien verdienen und hat damit auch die Kritik mancher verstärkt, die im Klimaschutz vor allem den Versuch sehen, neue Geldquellen zu erschließen. Es gibt auch ein neues Buch von ihm: "The Future: Six Drivers of Global Change", wo er vieles zusammenmixt. Gore hat 2007 zusammen mit dem IPCC den Friedensnobelpreis erhalten.

Der Grund, warum Al Gore vor wenigen Monaten beschlossen hatte, Veganer zu werden, ist nicht bekannt, schreibt die Washington Post. Mag sein, dass dies auch aus gesundheitlichen Gründen geschehen ist. Es könnte aber auch Überlegungen zum Umwelt- und Klimaschutz dahinter stehen. Offenbar interessiert sich Gore wie etwa auch der Vegetarier Bill Gates oder Oeter Thiel für die Firma Hampton Creek Foods, dessen Chef Vegetarier ist. Die Firma will aus Tierschutz- und Umweltgründen auch die Verwendung von Eiern obsolet machen und hat eine Mayonnaise ohne Eier entwickelt. Andere Kreationen sollen folgen.

Our vision is to become the market leader in the development and introduction of new plant protein products. We are focused on perfectly replacing animal protein with plant protein where doing so creates nutritional value at lower cost.

Beyond Meat

Fleischlos könnte also nicht nur chic, sondern auch profitabel werden. Auch Oprah Winfrey propagiert fleischloses Essen, Bill Gates wirbt für vegeatrisches Essen und wie deutschen Grünen für einen fleischlosen Tag. Die industrielle Fleischproduktion sei für 51 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, sagt er. Wenn die Menschen mehr werden und weiter Fleisch essen, gebe es ein Problem, weswegen er Innovationen fördern will, die Fleisch ersetzen können. Zudem fördert er deswegen auch genveränderte Pflanzen, weil pflanzliche Proteine gesünder seien. So investierte Bill Gates in die Firma Obvious Corporation, die wiederum von den Twitter-Gründern Biz Stone und Evan Williams gegründet wurde. Da geht es u.a. um die "Beyond Meat", also um Investitionen in Produkte, die Fleisch ersetzen können. Ein Hühnerimitat aus Pflanzenproteinen schmeckte Gates, er sah darin die Zukunft der Ernährung - und natürlich auch einen Zukunftsmarkt mit Profitversprechen.

Der libertäre Peter Thiel, der in pflanzliche Mayonnaise investiert, fördert auch In-Viro-Fleisch, also in die Herstellung von Fleisch in der Petrischale aus Muskelzellen, woran seit Jahren Mark Post an der Universität Maastricht forscht und kürzlich den ersten Burger präsentiert hat. Der hat allerdings 250.000 US-Dollar gekostet, aber das soll natürlich billiger in der Massenproduktion werden (Ist der Burger aus der Petrischale halal oder koscher?). Nicht nur Peter Thiel, sondern auch Google-Gründer Sergey Brin fördert die Herstellung von Kunstfleisch. (Florian Rötzer)

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