Biden mit Problemkind, Sanders nach Herzinfarkt und Bloomberg als Ersatz-Elefant im Raum

CNN-Moderater Anderson Cooper und Joseph Biden. Bild: CNN. Screenshot: TP

Bei der vierten Demokratendebatte war Tulsi Gabbard wieder dabei

Heute Nacht fand an der Otterbein University in Westerville im Rust-Belt-Bundesstaat Ohio die vierte Fernsehdebatte zur Auswahl des Präsidentschaftskandidatens der Demokratischen Partei für die US-Wahl 2020 statt. Anders als in der dritten Runde, für die man die zuvor 20 aussichtsreichsten Bewerber auf zehn eingedampft hatte, nahmen diesmal zwölf teil.

Damit reagierte die Parteiführung der Demokraten unter anderem auf Kritik der Bewerberin Tulsi Gabbard, die auf einen Auswahlprozess aufmerksam gemacht hatte, bei dem relativ undurchsichtig blieb, nach welchen Kriterien das DNC und die mitveranstaltenden Medien nur bestimmte Umfragen gelten ließen (vgl. Tulsi Gabbard raus, Andrew Yang dabei).

Gabbard hatte außerdem bemängelt, dass die Medienvertreter, die den Bewerbern die Fragen stellen, nicht immer hundertprozentig unparteiisch und neutral wirken. Deshalb hatte Gabbard erst am Montag entschieden, dass sie an der vierten Debatte überhaupt teilnimmt.

"Russischer Aktivposten"

Dort warf sie dem übertragenden Sender CNN und der New York Times eine Schmierenkampagne gegen ihre Bemühungen vor, den "Regime-Change-Krieg" in Syrien zu beenden. Als besonders unangemessen, so Gabbard, habe sie dabei die Formulierung eines CNN-Experten empfunden, sie sei ein "russischer Aktivposten".

Joseph Biden widersprach der 38-jährigen Irakkriegsveteranin und meinte, beim Krieg in Syrien gehe es darum, das "Auslöschen" tausender Menschen zu verhindern. Ihn hatten CNN und die New York Times vorher zu seinem Sohn Hunter gefragt. Der hatte am Dienstag dem Sender ABC ein Interview gegeben, in dem man ihm die Frage stellte, ob ihm sein gut dotierter Posten bei der ukrainischen Gasfirma Burisma auch angeboten worden wäre, wenn sein Vater damals nicht der amerikanische Vizepräsident gewesen wäre.

Biden inzwischen nur mehr auf Platz 3

Hunter Biden antwortete darauf: "Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Rückblickend gesehen wahrscheinlich nicht. [….] Aber das ist - wissen Sie - Ich glaube nicht, dass in meinem Leben viele Dinge passiert wären, wenn mein Nachname nicht Biden gewesen wäre." Und er ergänzte, es gebe "für einen jungen Mann, aber auch für einen Erwachsenen buchstäblich nichts, auf das dessen Vater nicht in irgendeiner Weise Einfluss haben würde". Biden meinte dazu, die Stellungnahme seines Sohnes spreche "für sich selbst" und weder er noch der Junior hätten etwas Falsches gemacht.

In einer kurz vor der Debatte veröffentlichten Umfrage der George-Washington-Universität fiel Biden mit inzwischen nur mehr 18,4 Prozent auf den dritten Platz ab. Die erstplatzierte Elizabeth Warren liegt dort jetzt bei 27,8 Prozent, der Zweitplatziere Bernie Sanders bei 21. Alle anderen Bewerber kommen auf weniger als fünf Prozent Umfrageanteil.

Irakkrieg, NAFTA und das PNTR-Handelsabkommen mit China

Sollte Biden um Zuge der Ukraine-Affäre weiter an Boden verlieren, wenn beispielsweise auch die Transkripte seiner Ukraine-Telefonate veröffentlicht werden (wie der republikanische Senator Ted Cruz am Sonntag in der CBS-Sendung Face the Nation gefordert hat), will CNBC unter Berufung auf das Umfeld von Michael Bloomberg erfahren haben, dass dann der ehemalige New Yorker Bürgermeister den frei gewordenen Platz des moderaten Establishment-Kandidaten einnehmen will: "Bloomberg is in, if Biden is out" verriet ein Bekannter des Medienmilliardärs dem Sender angeblich.

Gestern gab sich Biden allerdings noch selbstbewusst und meinte auf sein Alter angesprochen, das bringe "Weisheit" mit sich. Außerdem sei er von allen Bewerbern derjenige, der "am meisten auf die Reihe bekommen" habe. Bernie Sanders (der nach seiner Herzoperation frischer wirkte als vorher) zählte dazu drei seiner Ansicht nach schädliche Sachen auf, die Biden "auf die Reihe bekam": Den Irakkrieg, NAFTA und das PNTR-Handelsabkomen mit China. Biden wiederum gestikulierte in Richtung seines Nachbarn Sanders, als er von Wladimir Putin sprach, dem Donald Trump seinen Worten nach nicht ausreichend misstraut.

Yang trägt "MATH"-Anstecker am Revers

Mit der Russenkarte versuchten auch andere Kandidaten zu punkten, darunter Robert Francis alias "Beto" O'Rourke (der mit spanischen Einsprengseln von einer "russischen Invasion der amerikanischen Demokratie" sprach) und Amy Klobuchar (die behauptete, der aktuelle US-Präsident mache "Russia great again").

Elizabeth Warren, die kurz vor der Debatte mit einer absichtlich platzierten Fake-Anzeige bei Facebook auf ein anderes Wahlkampfthema aufmerksam gemacht hatte (vgl. Desinformation im Wahlkampf: Demokratin Warren stellt Facebook bloß) konzentrierte sich eher auf diesen Buhmann. Die Zerschlagung dieses und anderer IT-Konzerne, die ihr vorschwebt, ist für Andrew Yang (der diesmal einen "MATH"-Anstecker am Revers trug) ein zum Scheitern verurteilter Versuch, Probleme aus dem 21. Jahrhundert mit Instrumenten aus dem 20. lösen zu wollen. O'Rourke zeigte sich in dieser Frage überraschend als Anhänger der Lösung seines texanischen (aber republikanischen) Landsmanns Ted Cruz, der für die großen Social-Media-Dienstleister die rechtlichen Pflichten anderer Medienunternehmen gelten lassen will (vgl. Facebook, Google und Twitter verweigern Erscheinen vor Zensurausschuss).

Als die Frage zu den IT-Giganten an Kamala Harris ging, wich diese auf ihre bereits früher geäußerte Forderung aus, Twitter solle den Account von Donald Trump sperren. Warren lenkte daraufhin die Aufmerksamkeit darauf, dass Harris Spenden "Big Tech" und "Big Pharma" bekommt. Zu ihren wichtigsten Geldgebern zählen The Intercept zufolge Apple, Alphabet (Google), AT&T, Disney und eine ganze Reihe hochrangiger Manager von Pharmafirmen. (Peter Mühlbauer)