Bierdeckel-Fachmann Friedrich Merz, der Klimawandel und die Verunglimpfung der Klimaaktivistin Greta Thunberg

Greta Thunberg klagt auf dem Klimagipfel an. Screenshot vom UN-Video

Eine Polemik

Friedrich Merz, Spezialist für Bierdeckel-Steuerkonzepte und Repräsentant des einflussreichen US-Finanz"dienstleisters" "Black Rock" in Deutschland, hat sich wieder öffentlich geäußert; dieses Mal natürlich zum Klimawandelprogramm der Bundesregierung. Es sei keine "langfristige und strategische Planung erkennbar", meint er.

Nach allem, was die Kritiker vom Fach so an Argumenten anführen, scheint dies durchaus stimmen. Nur: Dies großkotzig so dahinzusagen, ist das Gegenteil einer Kritik, die detailliert begründet, inwiefern und wieso. Das ist das übliche Hingepinkel aus dem arroganten Gestus des Durchblickers, wie ihn Merz schon immer gerne pflegt.

Inhaltliche Fundamentalkritik am Regierungskonzept liegt wohl auch nicht in der Absicht von Herrn Merz: Gerade er vertritt doch das ewige kapitalistische "Weiter so!" bis in die Fingerspitzen - Politiker seiner Provenienz vertrauen am liebsten auf die "Innovationskräfte des Marktes", die das Klimawandelproblem, wenn sie erst einmal geweckt sind, schon lösen würden.

Lächerlich. Den werten "Marktkräften" war und ist der Klimawandel wie alle langfristigen Folgen ihrer ureigenen Profitlogik scheißegal. Und "Anreize" als Heilmittel unterstellen genau gegenläufige Interessen, derer man sich dennoch bedienen will, garniert durch freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmensszene. Wie effektiv das ist, kann man an den Ausbeutungsverhältnissen bei den asiatischen Textilzulieferern sehen, die in regelmäßigem Turnus als unverändert besichtigt werden.

Und der Verweis auf den Ostblock schmälert dieses Argument nicht: Denn erstens ist er weg, der Staatssozialismus sowjetischer Prägung, und alles, was die letzten 30 Jahre passiert ist, hat sich der globale Kapitalismus selbst zuzuschreiben. Die bequeme Ausrede "Kalter Krieg" trägt nicht mehr.

Zweitens war das Projekt, den Kapitalismus einzuholen und sich mit ihm auf seinem eigenen Terrain, entlang seiner auf Profitmaximierung ausgerichteten Erfolgsmaßstäbe, zu messen, schon der entscheidende Fehler des alternativen Systems im Osten; egal, ob es dabei um abstrakte, in Geld bezifferte Wachstumsraten, allseitiges weltpolitisches Mitmischen oder die kostspielige Konkurrenz auf dem Felde des absurden Hochleistungssports ging - die Spezialisten des Staatssozialismus waren immer & überall als Konkurrenten auf den ureigensten Feldern des Kapitalismus dabei. Damit hat man staatlicherseits den auf Vermehrung abstrakten Reichtums gepolten Industrialismus des Kapitals, den abstrakten Erfolgs- und Wachstumszwang des gegnerischen Systems kopiert. Wie soll dann auch was anderes rauskommen?!

"Anders zu sein ist keine Krankheit"

Zurück zu Merz: Der Mann belässt es nicht bei seinen nebulösen Formeln. Er muss natürlich noch zu Greta persönlich Stellung nehmen. Dazu ist im Handelsblatt online zu lesen:

Kritisch äußerte sich Merz über Greta Thunberg und ihren Auftritt bei den Vereinten Nationen in New York: "Also ganz ehrlich, meine Tochter hätte ich da nicht hingelassen", sagte Merz. "Auf der einen Seite ist das Mädchen bewundernswert, aber auf der anderen Seite ist sie krank.

Handelsblatt

Wahrscheinlich lässt Merz seine Tochter nur zu den Wirtschaftsjunioren oder zur Jungen Union, vielleicht noch in den Tennisclub. Aber das wissen wir natürlich nicht. Sein Kritikverfahren gegenüber Thunberg kennt man jedoch schon: Wer nicht ins System passt, wer abweichende Argumente vertritt und sich dabei nicht von der integrativen Schleimerei der Offiziellen einfangen lässt, kann nur psychisch krank sein. Da ist Merz daher auch nicht der einzige, der dergleichen behauptet: Der US-Sender Fox-News beschrieb Greta Thunberg gar als "geistig krankes, schwedisches Kind". Geistig krank und auch noch keine Amerikanerin! Das kann ja nicht gutgehen.

Wer sich nicht als anerkannte Alternative in das System der konstruktiven staatspolitischen Bearbeitung von Interessen unter besonderer Berücksichtigung der ominösen "Wirtschaft", von der wir ja bekanntlich alle leben und die qua Naturgesetz so aussehen muss, wie sie aussieht, einfügt, hat es verschissen und zieht irgendwann den Zorn der Politik auf sich. Immer und überall, wie es scheint.

Insofern wird die "FFF"-Bewegung noch einiges erleben mit ihren politischen Gegenspielern - außer sie gibt sich irgendwann mit dem Status einer bedenkens- und dankenswerten politischen Initiative von unten zufrieden, die den "Offiziellen" zur "realistischen" Umsetzung überlassen wird. Das hatte ja FDP-Lindner von Anfang an angemahnt: Lasst die politisch Verantwortlichen machen, die verfügen über Sachkompetenz und kennen sich aus. Und er meint das ernst! Greta Thunberg hat auf die Anwürfe per Twitter geantwortet:

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, sind die Hater nach wie vor aktiv - sie greifen mich an, mein Aussehen, meine Klamotten, mein Verhalten und mein Anderssein … Anders zu sein ist keine Krankheit und der aktuelle wissenschaftliche Stand ist keine Meinung - es sind Tatsachen.

Greta Thunberg

Das muss sich die herrschende Erwachsenenriege ausgerechnet von einer 16-Jährigen erklären lassen. Trostlos. Politische Dummheit als Folge von Herrschaftsinteressen. (Rainer Schreiber)