Bildersturm

Ein fränkischer Spielzeugrechteinhaber verklagt einen hessischen Pfarrer, weil der mit Playmobil-Figuren Szenen aus der Bibel nachstellt

Markus Bomhard ist evangelischer Pfarrer in der hessischen Kleinstadt Eschborn. Vor zwei Jahren begann er damit, Szenen aus der Bibel nachzustellen und zu fotografieren. Die Bilder stellte er anschließend ins Netz. So weit, so unspektakulär. Das Ungewöhnliche an Bomhards Vorgehen war, dass er für seine Standbilder keine handgeschnitzten Krippenfiguren benutzte, sondern Playmobil-Plastikpuppen. Weil es die zwar als Müllkutscher und Piraten gibt, aber nicht als Jesus oder Moses, musste Bomhard bestehende Figuren etwas abändern und zum Beispiel Arme durch Erwärmung kreuzigungstauglich auseinanderbiegen.

Das aber rief den Zorn einer Wesenheit hervor, die mächtiger ist, als der evangelische Pfarrer: Der fränkische Spielzeughersteller Geobra Brandstätter GmbH sah durch das Treiben seine "geistigen Eigentumsrechte" verletzt und schickte Bomhard eine Unterlassungserklärung, mit der er sich verpflichten soll, seinen Domainnamen playmo-bibel.de nicht mehr zu benutzen, keine Fotos zu veröffentlichen und keine Playmobil-Figuren mehr zu verändern.

Auf welche Rechtsgrundlagen sich die Firma darin genau beruft, war weder von ihr noch vom offenbar sehr verängstigten Pastor zu erfahren. In jedem Fall entfernte Bomhard nicht nur primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale von Adam und Eva, sondern kündigte auch an, den Namen seines Projekts von "Playmo-Bibel" in "Klicky-Bibel" und später vielleicht in "Plemo-Bibel"zu ändern.

Der Süddeutschen Zeitung sagte eine Firmensprecherin, dass Geobra Brandstätter grundsätzlich das Recht habe, so etwas durchzusetzen, aber manchmal auch "tolerant" sei. Wenn es tatsächlich nur Toleranz ist, die die Firma in solchen Fällen von Klagen abhält, dann müsste man Eltern möglicherweise davor warnen, ihren Kindern solche Figuren in die Hände zu geben. Nicht auszudenken, was diese damit alles unabsichtlich an Monopolrechten verletzen könnten. Und schließlich entschied ja das Landgericht München I vor zwei Jahren, dass Eltern für Immaterialgüterrechtsverletzungen ihrer minderjährigen Kinder haften.

Dass Harald Schmidt, so die Firma zur SZ, sich einen Playmobil-Hitler basteln durfte, sei etwas anderes. Das ist nachvollziehbar. Die Rechtsabteilung, die damals hinter Schmidt stand, ließ sich nicht so leicht einschüchtern wie ein Kleinstadtpfarrer. Und der Showmaster hätte entsprechende Forderungen des Herstellers wahrscheinlich monatelang genüsslich im Fernsehen ausgebreitet. Mit entsprechenden Imagefolgen für Playmobil.

Möglicherweise bleibt Bomhard keine andere Wahl, als zu konvertieren: Nicht zum Katholizismus, sondern zu einem anderen Figurenhersteller. Lego beispielsweise verkauft ähnliche Figuren. Dort war zwar niemand für eine Stellungnahme erreichbar, aber zahlreiche Brickfilms und Websites deuten darauf hin, dass die Firma entweder etwas weniger universelle Vorstellungen von Monopolrechten hat, oder dass die Rechtslage in den USA der Kreativität deutlich mehr Raum lässt als in Deutschland.

Töten statt beten

Ein – wenn man so will – relativ direktes Lego-Äquivalent zu Bomhards Playmo-Bibel wäre The Brick Testament. Eine Seite, die ebenfalls zahlreiche Szenen aus der Bibel nachstellt, sich dabei aber auf Stellen konzentriert, die von den meisten christlichen Kirchen eher ein wenig vernachlässigt werden.

Der Betrachter bekommt dort beispielsweise anhand von Deuteronomium 25:1-3 und vier Illustrationen erklärt, wie man Streitfälle beilegt und 16 Arrangements zu Numeri 35:11-27 schildern den Umgang mit dem Unfalltod.

Immerhin noch 15 Bilder gibt es zum sexuell bedingten Ausstoß von Körperflüssigkeiten. Auch Inzest und Vergewaltigung werden relativ ausführlich behandelt. Unter anderem erfährt man so, dass ein Vergewaltiger sein Opfer heiraten muss und sich niemals scheiden lassen darf.

Etwas weniger, aber künstlerisch durchaus interessantes Material liefert die Site zur Homosexualität, zum Cross-Dressing, zum Nachweis der Jungfräulichkeit und zum weiblichen Ehebruch. In 4 Illustrationen zu Deuteronomium 23:9-14 wird außerdem klar, warum Costa Cordalis im Dschungelcamp den Zorn Gottes auf sich zog.

Für manche mit religiösen Schriften weniger befassten Leser wahrscheinlich überraschend sind die Ausführungen zur Sklaverei, zum Umgang mit Kriegsgefangenen oder dazu, wann nur die eigenen Kinder zu steinigen sind und wann die ganze Familie. Auch zur religiösen und zur rassischen Toleranz zeigen die vor allem in der Mimik mit viel Liebe zum Detail gestalteten Arrangements von Brendan Powell Smith in beeindruckender Klarheit Forderungen und Konsequenzen der heiligen Schrift auf. (Peter Mühlbauer)