Bill Gates zwischen Schein und Sein

Agrarkonzerne erhalten Millionenspenden

Die BMGF spendet zudem Millionensummen an Chemie- und Agrarkonzerne wie Monsanto, Cargill, DuPont Pioneer, Dow Chemicals, BASF und Bayer. Gleichzeitig investiert die BMGF in deren Aktien, 2010 beispielsweise kaufte die BMGF für 23,1 Millionen US-Dollar über 500.000 Monsanto-Aktien. Natürlich hat die BMGF somit ein Interesse daran, dass die geförderten Agrarkonzerne Gewinne erwirtschaften.

  • Die BMGF unterstützt den Agrarkonzern Cargill, weltweit größter Produzent und Händler von Soja, mit einem 8 Millionen US-Dollar schweren Projekt, um in Ländern wie Mosambik und Sambia die "Wertschöpfungskette von Soja zu entwickeln". Cargill hat bereits in Lateinamerika riesige Monokulturen mit genmanipulierten Soja installiert und gleichzeitig tausende Kleinbäuerinnen und -bauern von ihren Ländereien vertrieben. Nun möchte Cargill mithilfe der BMGF auf dem afrikanischen Kontinent Fuß fassen und genmanipulierten Soja einführen. Käufer des Soja auf dem Weltmarkt sind vor allem große Fast-Food-Ketten; die Expansion von "Kentucky Fried Chicken" auf den afrikanischen Markt wird ebenfalls durch das Projekt unterstützt.
  • Die BMGF unterstützt Cargill und andere Konzerne wie Nestlé auch dadurch, indem sie über 34 Millionen US-Dollar an die "World Cocoa Foundation" gespendet haben, deren selbsterklärtes Ziel es ist, "die Markt- und Produktivitätseffizienz zu erhöhen und das Einkommen der Bauern in Westafrika zu sichern". Allein an der Elfenbeinküste, dem weltgrößten Kakaoproduzenten, arbeiten über 1,15 Millionen Kinder als Arbeitssklaven auf Kakaoplantagen. Diese Kinder werden oft von Menschenhändlern an die Plantagen verkauft, wo sie unter Bewachung bis zu 15 Stunden täglich arbeiten müssen und dabei ohne Schutzbekleidung giftige Pestizide auf die Kakaopflanzen sprühen. Rund 60 Prozent des Kakaos (192.000 Tonnen im Jahr 2014), den die Deutschen konsumieren, stammt von diesen Plantagen. An einer verkauften Tafel Schokolade verdient der Supermarkt 44,2 Prozent und der produzierende Konzern 35,2 Prozent. Für die Kakaobauern und -bäuerinnen bleiben lediglich 6,6 Prozent (1980 waren es noch 16 Prozent), was einem Tageseinkommen von 0,50 US-Dollar entspricht.
  • In Afrika werden derzeit noch über 80 Prozent des Saatguts auf informellen Märkten gehandelt, sprich, die Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern züchten und tauschen untereinander das wertvolle Saatgut ihrer Pflanzen. Die BMGF spendete bislang über 420 Millionen US-Dollar an die 2006 gegründete "Alliance for a Green Revolution in Africa" (AGRA), die einflussreichste Lobby-Organisation für industrielle Agrarwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent. Die von der BMGF mitgegründete AGRA setzt sich dafür ein, dass nur noch zertifiziertes Saatgut gehandelt wird, wodurch der Handel mit bäuerlichem Saatgut illegal wäre. Das "geistige Eigentum" der Patente von genmanipulierten Hybridsaatgut soll gesetzlich geschützt werden, um den Agrarkonzernen neue Märkte zu erschließen. Gleichzeitig propagiert die AGRA den Einsatz von Pestiziden, von denen man spätestens seit deren Einsatz in Lateinamerika weiß, dass sie sowohl für die Bauern als auch für die Verbraucher ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen, und darüber hinaus die Umwelt und den Boden mit Schadstoffen verschmutzen.

Im Aufsichtsrat der AGRA sitzt unter anderem Jeff Raikes, ehemaliger CEO der BMGF. Außerdem sitzt dort auch Pamela K. Anderson, die zugleich Direktorin des "Agricultural Development Program" der BMGF ist. Interessanterweise ist auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan Mitglied des Aufsichtsrats von AGRA.

Im Direktorium der BMGF wiederum sitzen Personen wie Sam Dryden, der zuvor bei Monsanto arbeitete und den der "Guardian" als die "weltweit mächtigste Person im Agrarwesen" bezeichnet. Ebenfalls im Direktorium der BMGF und der AGRA sitzt Rob Horsch, der 25 Jahre bei Monsanto arbeitete und zuletzt Vize-Präsident des Konzerns war. Der Gentechnik-Pionier Rob Horsch hat eine klare Zielvorgabe: "Meine Mission: Die Ernte-Erträge zu verbessern mit den besten und zweckmäßigsten Wissenschaften und Technologien, darunter der Biotechnologie, um die Probleme in Regionen wie Subsahara-Afrika zu lösen."

Bill Gates und seine Stiftung jedenfalls unterstützen nicht die notleidenden Menschen in Afrika, sondern etliche Agrarkonzerne und deren Profitinteressen. Über 1,6 Milliarden Menschen leben weltweit in kleinbäuerlichen Strukturen. Ihre Lebensgrundlage wird durch die Geschäftspraktiken der BMGF massiv bedroht. Vielleicht sollte sich die philanthropisch schmückende BMGF noch einmal den 1. Artikel des UN-Sozialpakts von 1966 in Erinnerung rufen: "In keinem Fall darf ein Volk seiner eigenen Existenzmittel beraubt werden."

Wie mächtig sind eigentlich die Agrarkonzerne, die von der BMGF gefördert werden? Sehr mächtig: Laut einer Berechnung der Nichtregierungsorganisation INKOTA hatten die zehn größten Saatgutkonzerne 1996 noch einen weltweiten Marktanteil von weniger als 30 Prozent, während es 2007 schon 67 Prozent und 2015 über 75 Prozent waren.

In der Saatgutbranche hat allein Monsanto einen weltweiten Marktanteil von 26 Prozent, es folgen der US-Konzern DuPont Pioneer mit 18,2 Prozent und der Schweizer Konzern Syngenta mit 9,2 Prozent. Syngenta ist zudem mit 23,1 Prozent Marktanteil weltweiter Spitzenreiter in der Pestizidbranche, gefolgt von Bayer CropScience mit 17,1 Prozent und der BASF mit 12,3 Prozent. Derzeit planen sowohl Monsanto und Syngenta als auch DuPont Pioneer und Dow Chemicals zu fusionieren.

Die Studie von "Global Justice Now" kommt zu dem Schluss, dass die AGRA und sein größter Geldgeber, die BMGF, die "größte direkte Bedrohung für die Ernährungssouveränität und die agrarökologischen Anbaumethoden in Afrika" darstellen. Und auch die weltweit bekannte Umweltaktivistin Vandana Shiva nannte die BMGF die "größte Gefahr für die Bauern in den Entwicklungsländern".

Patrick Spät lebt als freier Journalist und Buchautor in Berlin.

(Patrick Spät)

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