Bio aus dem Supermarkt?

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Für wenig Geld kann man Bio-Produkte heute in fast jedem Supermarkt kaufen. Eine Vielzahl an Bio-Siegeln verweist allerdings auf unterschiedliche Qualitäten bei der Herstellung

Früher einmal gab es Bio nur im Naturkostladen an der Ecke. Mit Lebensmitteln aus ökologischem Anbau verband man Naturnähe, Tierwohl und Schadstofffreiheit der Produkte. Regionale Erzeuger, Händler, Konsumenten wollten aus Überzeugung die Umwelt schützen und sich gesund ernähren. Heute werden Bioprodukte in Massen in den Discountern zu Mini-Preisen verramscht. Ist das überhaupt noch Bio?

Eigentlich ist es zu begrüßen, dass Bio-Produkte heute billig in Supermärkten angeboten werden, können sich doch auch Menschen mit weniger Geld nun Bioprodukte leisten. Zum Beispiel Bio-Milch, die gibt es im Discounter für weniger als einen Euro. Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass sie von deutschen Biobetrieben allein nicht mehr gedeckt werden kann.

Immer größere Mengen werden aus anderen EU-Ländern importiert. Das allerdings setzt deutsche Hersteller unter Preisdruck: Wegen der wachsenden Importe müssen sie immer billiger und effizienter produzieren. Doch Lebensmittel von deutschen Biobetrieben können schon allein wegen der höheren Lohnkosten nicht so billig sein wie die aus dem Ausland.

Bild: Aus der Serie "Már del plastico" von Christoph Knoch (Obst- und Gemüseanbau bei Almería)

Warum aber sind Bioprodukte aus dem Discounter so viel billiger als in Bioläden und Fachgeschäften? Zum Einen kaufen Discounter größere Mengen ein, weshalb sie höhere Rabatte erhalten, erklärt Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg in einem Interview mit dem SWR. Zum Andern können Bio-Artikel über andere Produkte mit subventioniert werden, das heisst, die Defizite durch Preissenkung werden auf die Preise anderer Produkte aufgeschlagen.

Glaubt man dem vom BÖLW veröffentlichten Bericht Zahlen, Daten, Fakten zur Bio-Branche 2017 lag die Umsatzsteigerung bei Bio-Lebensmitteln 2016 bei knapp 10 Prozent. Nahezu 40.000 Unternehmen wirtschaften hierzulande nach dem gesetzlichen Bio-Standard. Jeder Deutsche kauft für etwa 100 Euro im Jahr Bio-Essen und -Getränke. Und 41 Prozent der Deutschen gaben an, Bio-Produkte zu kaufen, wann immer es möglich ist. 80 Prozent legen Wert darauf, dass sie frei von Gentechnik sind.

Um ein Bio-Siegel tragen zu dürfen, müssen Bio-Produkte bestimmte Standards erfüllen. So setzt das Siegel mit dem Euro-Blatt auf hellgrünem Grund EU-weit einheitliche Mindeststandards für den ökologischen Landbau. Auch das sechseckige Bio-Siegel erfüllt die EU-Norm und darf in Deutschland zusätzlich zum EU-Bio-Logo verwendet werden

Als positiv ist zu bewerten, dass bei allen EU-Bio-zertifizierten Produkten der Einsatz von Gentechnik und Pestiziden generell verboten ist. Auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel wird verzichtet, Tiere haben etwas mehr Platz, ihre Anzahl ist an Flächen gebunden.

Die Futtermittel kommen aus biologischem Anbau und dürfen nicht gentechnisch verändert sein. In den verarbeiteten Lebensmitteln sind aber immerhin noch 49 Zusatzstoffe erlaubt (in konventionellen Produkten mehr als 300). Die Zutaten müssen zu 95 Prozent aus ökologischen Anbau, der Rest darf aus konventioneller Landwirtschaft stammen.

Außerdem ist beim EU-weiten Bio-Siegel eine Teilumstellung eines Betriebes möglich. Dies macht auch die Kontrollen schwieriger: Findet der Kontrolleur zum Beispiel einen Kanister mit Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger, kann der Bauer immer behaupten, dass er ihn auf dem konventionell bewirtschafteten Betriebsteil anwende.

Bei Produkten von Gäa-, Bioland-, Naturland-, und Demeter-zertifizierten Betrieben sind Teilumstellungen nicht erlaubt. Die Anforderungen an die ökologische Herstellung sind um Einiges strenger. So müssen alle Zutaten zu 100 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.

Schweine müssen auf Stroh stehen, Rinder zumindest zeitweise Auslauf haben. Antibiotika dürfen nicht prophylaktisch eingesetzt werden. Das Futter muss aus Bio-zertifiziertem Anbau stammen und mindestens die Hälfte davon auf dem eigenen Betrieb erzeugt werden.

Bei Demeter müssen zusätzlich zwei Drittel des Futters für alle Tierarten aus verbandseigenem Anbau stammen. Die Rinder dürfen nicht enthornt werden. Zur Boden- und Pflanzenverbesserung werden Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist angewendet. Im Getreidebau sind nur samenfeste Sorten zugelassen.

Bei Getreide, Gemüse und Geflügel gibt es eine verbandseigene Zucht.Während die EU-Bio-Verordnung Zusatzstoffe in der Fleischherstellung erlaubt, sind die meisten davon bei Demeter (einschließlich Jod, Nitritpökelsalz und natürliche Aromen) verboten. Während EU-Bio-Betriebe einmal im Jahr kontrolliert werden, gibt es auf Demeter-Betrieben darüber hinaus eine zusätzliche Verbandskontrolle. Die genannten Verbandsmarken werden nur im Naturkost-Fachhandel und Bio-Supermärkten angeboten. Basic hat 12.000, Dennree rund 13.000 Artikel, Tegut bis zu 3000 Bio-Artikel.

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