Biologischer Krieg

In den USA wurde erstmals ein Virengemisch gegen Bakterien auf der Wurst als angeblich ungefährlicher Lebensmittelzusatz genehmigt

Die US-Behörde für Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht (FDA) hat erstmals Viren als Zusatz von Lebensmitteln bewilligt. Dabei handelt es sich um einen Mix aus sechs bakteriophagen Virenarten, die auf Fleisch- und Geflügelprodukte den auf Menschen übertragbaren Krankheitserreger Listeria monocytogenes bekämpfen.

Die Bakterien, die zwar beim Kochen und Braten vernichtet werden, aber Tiefgefrieren und Trocknen überstehen, werden von Tieren und tierischen Produkten wie Fleisch, Milch oder Käse, aber auch von Gemüse und Obst auf den Menschen übertragen und können vor allem bei geschwächter Immunabwehr zum Ausbruch der Listeriose führen. Das ist eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, die auch Meningitis auslösen kann. Behandeln lässt sich Listeriose mit Antibiotika, gefährlich ist sie vor allem für Schwangere, Kleinkinder und ältere sowie kranke Personen. In den USA erkranken jährlich 2.500 Menschen an Listeriose, davon sterben 500. Nach Untersuchungen von Wissenschaftlern der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig und der Universität Gießen geben Listeria monocytogenes ein Gift ab, das die Oberfläche menschlicher Zellen verändert und Abwehrmechanismen blockiert, wodurch sie in die Zellen eindringen können.

Stäbchenförmige Zellen des Bakteriums Listeria monocytogenes (gelb) bei der Anheftung an eine menschliche Zelle. Foto: GBF/ Rohde

Den Antrag auf Bewilligung des viralen Gemisches, das auf Lebensmittel gesprayt wird, hatte die Firma Intralytix bereits 2002 gestellt. Durch die Einschränkung der Anwendung auf bereits zum Verzehr zubereitete Fleisch- und Wurstprodukte wurde die Genehmigung endgültig am 18. August erteilt. Die Mischung aus sechs Virenarten, die alle Listeria monocytogenes befallen, wird damit begründet, dass so eine Resistenz der Bakterien verhindert werden kann. Die sechs Phagen in Bakterienkulturen gezüchtet, dann nach Absterben der Bakterien gereinigt und in eine salzhaltige Lösung für die Anwendung gebracht. Zur Anwendung sollen vor der Verpackung der Fleisch- und Geflügelprodukte etwa 1 ml auf 500 Quadratzentimeter aufgebracht werden.

Der virale Lebensmittelzusatz wird von der Behörde als ungefährlich bezeichnet, weil Phagen nur bestimmte Bakterien, in diesem Fall nur Listeria m., aber keine Pflanzen- oder Tierzellen befallen, weil sie überall zu finden sind und die Menschen ihnen permanent ohne Schaden ausgesetzt sind, zumal Phagen auch im menschlichen Körper existieren. Rückstande von den Bakterien könnten zwar in Form des Toxins Listeriolysin (LLO) eine Gefahr darstellen. Das aber sei auf den Produkten nach Behandlung nicht gefunden worden und wäre auch bis zu einer Menge von 5 Nanogramm pro Milliliter nicht sehr bedenklich, zumal in Fleischprodukten Cholesterol enthalten sei, das LLO in hohem Maße inaktiv mache. Zudem würde LLO, wenn es von Menschen oral aufgenommen wird, im Darm schnell abgebaut. Unbedenklich bei richtiger Anwendung seien nach der FDA auch mögliche gefährliche Gene, die die Bakteriophagen mit sich führen. Phagen nehmen leicht Gene auf, weswegen sie auch in der Gentechnologie als Vektoren zum Einbau von Genen benutzt werden. Die im viralen Gemisch gefundenen Gene seien alle lytisch gewesen, würde also die Wirtszellen zerstören und sich nicht in deren Genom integrieren.

Vermutlich werden die Kunden in den USA nicht darüber informiert, ob die von ihnen gekauften Lebensmittel mit dem Virenspray behandelt wurden. Endgültig regeln muss dies das Landwirtschaftsministerium. Intralytix hat bereits nach eigenen Angaben eine Lizenz an einen multinationalen Konzern verkauft, das den Virenmix international vertreiben will. Den Namen des Konzerns nannte man bei Intralytix nicht. Die Firma will nun die Genehmigung für weitere Produkte mit Bakteriophagen beantragen, beispielsweise gegen E. coli und gegen Salmonellen. Bakteriophagen könnten auch als Ersatz für Antibiotika geeignet sein, gegen die Bakterien zunehmend immun werden. (Florian Rötzer)