Bischof aus der Schweiz spricht von Todesstrafe für Homosexuelle

Für Vitus Huonder sollen Bibelstellen, die die Todesstrafe für Homosexuelle fordern, der neue Leitfaden für den Umgang mit Homosexualität sein - ein Kommentar

Eigentlich kommt es in der katholischen Kirche, auch bei deren Hardlinern, nur noch selten vor, dass sich jemand für die Frage des Umgangs mit Homosexualität auf einzelne Bibelstellen beruft. Zu sehr durchgesetzt hat sich hier die Einsicht, dass ein wort-wörtliches Verstehen dieser Stellen, unberührt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten 100 Jahre, einen zum Fundamentalisten-Clown werden lässt.

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Selbst der als extrem homophob in die Geschichte eingehende Papst Benedikt XVI hat dies m.W. nie getan, sondern sich immer auf das (ganz und gar unbiblische) philosophische Naturrecht bzw. die Natur des Menschen berufen, um Homosexualität abzulehnen, da sie der "Reproduktion der Art" hinderlich sei.

Nun hat einer der kirchlichen Würdenträger mit diesem Tabu gebrochen. Und zwar ausgerechnet ein Bischof der Schweizer Katholiken, die eigentlich in aller Welt für eine verhältnismäßig liberale Einstellung zu Schwulen und Lesben bekannt sind. Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, hat sich in einem Vortrag bei einem Kongress des "Forums deutscher Katholiken" gleich mehrmals auf aus dem Gesamtkontext gerissene Bibelstellen berufen. Darunter natürlich die Lieblingsstelle fundamentalistischer homo-hassender Christen in aller Welt aus dem Buch Levitikus in den Mittelpunkt gestellt:

Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.

Das wäre noch keine Katastrophe. Wäre er fair und wissenschaftlich verantwortet vorgegangen, hätte er auch die von Gott besonders begnadete Liebesgeschichte von Jonathan und David erwähnt. Hätte er weiter exegetisch erklärt, warum das mit der Todesstrafe damals so in die "heiligen Bücher" geschrieben wurde.

Er hätte erklärt, dass das Stellen sind, die ein Nomadenleben in der Wüste regeln wollten. Ein Leben, das davon bestimmt ist, dass Stämme einander überfallen und der Stamm mit weniger Nachwuchs der schwächere Stamm ist. Und von daher in die Sklaverei geführt wird. Kinderlosigkeit (woher auch immer) wurde daher zur schlimmsten Sünde erklärt, die man sich vorstellen konnte (Krankheit und Sünder wurden ohnehin identifiziert).

Gleich neben diesem Verbot der Homosexualität finden sich auch Stellen, die das Essen von Schweinefleisch, den Genuss von Austern und anderen Schalengeweben (keine Lagerung ohne Kühlschränke) oder das Tragen vom Kleidung aus mehreren Geweben mit harten Strafen, auch mit der Todesstrafe belegen.

Die Bedingungen, die damals zu diesen Regeln führten, sind heute nicht mehr gegeben - von daher sind auch die Regeln schlicht hinfällig geworden. Nur so kann man die Bibel heute noch wissenschaftlich und menschlich verantwortlich lesen. Alles andere ist eine bösartige Irreführung der Gläubigen. Und ich verzichte darauf, was Jesus für solch einen Fall für drakonische Strafen vorsieht (sie sollen mit einem Mühlstein um den Hals ertränkt werden).

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Aber all das übergeht der geistliche Herr wohlweislich. Und bilanziert stattdessen aus diesen anachronistisch gelesenen Stellen:

Die beiden Stellen allein würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben.

Vitus Huonder

Die Anwesenden hatten offensichtlich recht gut verstanden, was Huonder darunter verstand, denn der Applaus war eindeutig. So hatte er es auch gar nicht mehr nötig, die auf der Hand liegenden konkreten Konsequenzen weiter auszuführen. Aber dass der Bischof keinerlei Probleme damit hätte, öffentliche Hinrichtungen von Schwulen und Lesben in vollem Ornat, mit Weihrauch und dem Segen der Kirche durchführen zu lassen, scheint doch sehr offensichtlich. Auch wenn er dies im Nachhinein vermutlich entschieden zurückweisen wird. Schließlich weiß er, dass dafür die Chancen in Land der Eidgenossen nicht sehr gut stehen.

Aber man könnte ihm vielleicht anbieten, dass er sich bei der IS oder bei der Regierung des Iran um eine Bischofsstelle in Falludscha, Mossul oder Teheran bewirbt. Dort ist man für unkomplizierte, schnelle und publikumswirksame Hinrichtungen gut vorbereitet. Und wie seinen Vortrag kann er diese feierlichen Autodafés auch auf Video aufnehmen und ins Netz stellen lassen. Vielleicht bekommt er dann aus dem Vatikan auch noch einen Preis, weil er sich für den interreligiösen Dialog stark gemacht hat. (David Berger)

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