Bitcoin: Staatliche Alternativen, Trittbrettfahrer und der Stromverbrauch

Grafik: TP

Wie Länder auf Kryptowährungen reagieren - Teil 2

Nicht nur in Russland, sondern auch in Großbritannien hat man Pläne für eine staatliche Digitalwährung: "RSCoin" soll mit 2000 statt sieben Transaktionen pro Sekunde Bitcoin Konkurrenz machen und von der Bank of England kontrolliert werden, die die Geldmenge (wie beim Pfund Sterling) an ihre Regulierungsziele anpassen möchte. Transaktionen sollen von Geschäftsbanken vorgenommen werden, denen sie via Blockchain entsprechende Rechte erteilt. Die im Entwurf vorgesehene Pseudonymität der Nutzer ist bei der RSCoin nicht gesichert: "Eine tatsächliche Implementierung durch die Zentralbank" könnte Axel Kannenbergs Einschätzung nach "auch den gegenteiligen Weg gehen und damit für gläserne Nutzer sorgen" (vgl. RSCoin: Das Kryptogeld für die britische Zentralbank).

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Ein drittes Land, dass eine staatliche Digitalwährung ankündigte, ist Venezuela (vgl. Venezuelas Staatschef will neue Kryptowährung "Petro" einführen): Sein "Petro" soll durch eine "Deckung" mit den Ölreserven des Landes Interessenten anlocken - eine Idee, bei der man sich anscheinend von der Londoner Firma R Fintech inspirieren ließ, die ihre Kryptowährung Bilur ebenfalls mit "gespeicherter Energie" als sicherere Anlage erscheinen lassen will (vgl. Kryptowährung will sich an den Ölpreis binden).

Im letzten Jahr hatten die venezolanischen Behörden zwei wichtige Bitcoin-Münzer festgenommen: Joel Padrón und José Perales. Sie wurden des "Missbrauchs von Elektrizität" und der Verursachung von Stromausfällen beschuldigt. Trotz - oder vielmehr gerade auch wegen - der niedrigen Strompreise ist Energie in Venezuela nämlich regelmäßig so knapp, dass der Strom zeitweise mehrere Stunden am Tag ausfällt. Vor allem dann, wenn gegen Ende der Trockenzeit der Pegel im wichtigsten Großkraftwerk des fast ganz von Wasserkraft abhängigen Landes sinkt (vgl. Venezuela: Bitcoin gegen Staatsversagen).

Der Stromverbrauch beim Bitcoin-Minig steigt mit der Zahl der erzeugten Münzen an, weil die Rechenprozesse dafür immer aufwendiger werden. Mit geschätzten 32,5 Terawattstunden 2017 entspricht er aktuell bereits dem Jahrestromverbrauch von Serbien. Der australische Notenbankchef Philip Lowe kritisierte Bitcoin wegen dieses seiner Ansicht nach "atemberaubenden" Energiebedarfs am Mittwoch als Währung, deren eigentliche Transaktionskosten nicht niedrig, sondern im Gegenteil sehr hoch seien.

Dass sich Bitcoin-Mining in Venezuela als wichtiger Schattenerwerbszweig etablieren konnte, lag an der Kombination aus dem oben aufgeführten künstlich niedrig gehaltenen Strompreis und einer Hyperinflation, die dazu führte, dass es für die Landeswährung Bolivar immer weniger zu kaufen gibt. Mit Bitcoins lassen sich dagegen über Kurierdienste in Miami Lebensmittel, Ersatzteile, Medikamente und andere knappe und begehrte Güter aus den USA importieren, die Venezolaner dort unter anderem bei Amazon kaufen. Der Versender akzeptiert zwar noch keine Digitalmünzen, aber Geschenkgutscheine von Diensten wie eGifter, die das machen.

Im deutschen Sprachraum ist die Schweiz das in Sachen Digitalwährung führende Land. Dort haben sich im "Cryptovalley" von Zug eine Reihe von Firmen angesiedelt, die sich mit Kryptowährung und Blockchain-Technologie befassen. Das vom Südafrikaner Johann Gevers gegründete Unternehmen Monetas entwickelt beispielsweise eine App, die den weltweiten Tausch von Währungen einfacher und weniger teuer machen soll. 2016 beschloss der Rat der schweizerischen Stadt Zug, dass Gebühren für den "Heimatschein" und andere Leistungen des Einwohneramts bis zu 200 Franken auch in Bitcoins beglichen werden können. Mit der bislang nur von etwa 50 Personen genutzten Option war die Stadtverwaltung international die erste Behörde, die Zahlungen in dieser Digitalwährung akzeptiert (vgl. SVP gegen Bitcoin-Annahme).

Über Initial Coin Offerings sollen Kryptowährungsfirmen in der Eidgenossenschaft inzwischen über 600 Millionen US-Dollar eingesammelt haben. Solche ICOs will die schweizerische Finanzaufsicht Finma nach eigenen Angaben in Zukunft genauer kontrollieren. Ein anderes Problem, dem sie sich verstärkt widmen will, sind Trittbrettfahrer, die den Bitcoin-Boom mit seinen fast täglichen Kursrekordschlagzeilen dazu nutzen, "Scheinwährungen" wie E-Coins unter die Leute zu bringen. Mit diesen "E-Coins" sollen Anleger über zwei Millionen Franken verloren haben.

In Österreich warnte das dortige Bundeskriminalamt Angestellte von Kiosken, Tankstellen und Postpartnern davor, Codes von Bitcoin-Ladebons keinesfalls am Telefon durchzusagen. Anlass für die Warnung waren über 60 betrügerische Anrufe angeblicher Bitcoins-Vertriebsfirmen, die den Angestellten solcher Abgabestellten in bis zu 90 Minuten dauernden Gesprächen vorlogen, die Codes hätten ihre Gültigkeit verloren und sie müssten mit finanziellen oder arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn sie sie nicht für eine vermeintliche Löschung durchgeben würden.

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In Deutschland ist der Handel mit Kryptowährungen bislang nur dann erlaubnispflichtig, wenn es sich um so genannte "Finanzkommissionsgeschäfte" handelt, die Banken und Finanzdienstleistern vorbehalten sind. Wer mit Bitcoin lediglich bezahlt, tauscht oder anlegt unterliegen dagegen nicht der Aufsicht der Finanzaufsicht Bafin, die trotzdem vor der Möglichkeit von Totalverlusten warnt.

(Peter Mühlbauer)

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