Blackout in Südamerika: Ursache noch unbekannt

Hochspannungsleitungen. Bild: Edesur

Die USA sollen verstärkt das russische Stromnetz hacken, hat das US-Cyberkommando auch das venezolanische Stromnetz im März ausgeschaltet? Und war in Argentinien nur das Netz marode?

Am frühen Sonntag um 7:07 Uhr Ortszeit legte ein Blackout die Stromnetze von Argentinien und Uruguay sowie von Teilen in weiteren Ländern wie Brasilien, Paraguay und Chile lahm. Edesur Argentina meldete: "Ein massiver Ausfall im System des Stromverbunds ließ ganz Argentinien und Uruguay ohne Strom." 5 Stunden begann sich die Stromversorgung von Buenos Aires langsam wiederherzustellen, bis Mittag sollen 450.000 Kunden wieder mit Strom versorgt gewesen sein. Krankenhäuser und Gesundheitszentren hätten Vorrang. Zuletzt hieß es, 80 Prozent der Kunden hätten wieder Strom.

Erst vor 5 Stunden berichtete der argentinische Stromkonzern, dass das Problem zwischen den Elektrizitätswerken Yacyretá und Salto Grande an der argentinischen Küste entstanden sei. Dadurch seien die Schutzsysteme der Stromwerke aktiviert worden, die sich in der Folge abgeschaltet haben. Und weil die Stromnetze transnational zusammenhängen, führte der argentinische Blackout auch zu einem Ausfall des Stroms in Uruguay und anderen Nachbarstaaten.

Der staatliche Stromkonzern Administración Nacional de Usinas y Trasmisiones Eléctricas (UTE) erklärte vor wenigen Stunden, die Stromversorgung sei um 13:30 Ortszeit zu 75 Prozent wiederhergestellt worden. Ursache sei ein Blackout in Argentinien gewesen. Die dortigen Behörden hätten die Ursache noch nicht mitgeteilt. Das transnationale Netz mache Schutzmechanismen notwendig, die Angebot und Nachfrage ausgleichen. Bei einem Stromausfall in Argentinien würden daher auch die Stromproduktion in den Nachbarländern automatisch abgeschaltet. Der Stromverbund verursache solche Risiken, die aber "absolut außergewöhnlich" seien.

Der argentinische Energieminister Gustavo Lopetegui erklärte, man kenne die Ursache noch immer nicht, versprach aber, dass man in 10 oder 15 Tagen Gewissheit haben würde. Der Blackout sei jedenfalls "sehr massiv" gewesen. Die Unternehmen müssten die Behörden informieren, was vorgefallen ist. Dann könne man eine Analyse machen, um zu wissen, "wie sich der außergewöhnliche Vorfall geschehen ist, der sich nicht wiederholen darf". Der Generaldirektor des Energiekonzerns Transener versicherte, das Stromnetz sei eigentlich robust. Um das System diese Robustheit zu geben, brauche es eine gewisse Menge an Automatismen zur Abschaltung, die mit Kommunikationssystemen verbunden seien, die Informationen von allen Kraftwerken und Umschaltstationen des Sistema Argentino de Interconexión (SADI) beziehen: "All das funktioniert in einem sehr komplexen System, und wenn in diesem System ein Element aus irgendeinem Grund, den wir heute noch nicht kennen, nicht korrekt funktioniert, kann daraus eine Situation des totalen Stromausfalls entstehen."

Argentinien kann allerdings von Glück sagen, dass sich der Blackout am Sonntag bei schlechtem Wetter ergeben hat. Das Chaos wäre an einem Werktag viel größer gewesen. Allein der Verkehr in Buenos Aires, wenn die Ampeln ausfallen und die öffentlichen Nahverkehrsmittel zusammenbrechen, Menschen in Aufzügen feststecken, die Kommunikations- und Computersysteme ebenso ausfallen wie die Wasserversorgung und fast nichts mehr geht.

2009 war bereits ein großer Blackout in Brasilien eingetreten. Ursache war ein Problem im weltweit zweitgrößten Wasserkraftwerk Itaipú am gleichnamigen riesigen Stausee, das fast ganz Paraguay und 20 Prozent von Brasilien mit Strom versorgt.

Venezuelas Blackouts

Und natürlich erinnert der Blackout an die Stromausfälle, die in Venezuela ab Anfang März für längere Zeit und wiederholt auftraten. Oppositionsführer Guaidó und die amerikanische Regierung nahmen sie zum Anlass, die Maduro-Regierung zu beschuldigen, die wegen Korruption und Misswirtschaft oder überhaupt wegen des Sozialismus die Strominfrastruktur verkommen hätten lassen. Das aber ist offenbar nicht nur in Venezuela der Fall, sondern auch in anderen Staaten.

Dass der Stromausfall nun von Argentinien seinen Ausgang nahm, passt nicht zum amerikanischen Anti-Maduro-Narrativ. Argentinien ist nicht nur Mitglied der von den USA geschaffenen Anti-Maduro-Lima-Gruppe, seit 2015 ist der konservative und neoliberale Ex-Unternehmer Mauricio Macri Präsident, der sein Land wieder in die Rezession und Inflation führte und ein stramm neoliberales Programm verfolgte. Unter seiner Präsidentschaft wurden die Strompreise kräftig erhöht.

Bekanntlich hatte die Maduro-Regierung erklärt, dass die USA das für die zentrale Versorgung Venezuelas zuständige Wasserkraftwerk durch einen Cyberangriff sabotiert hätten. Daraufhin seien Umspannwerke durch Anschläge von oppositionellen Terrorgruppen in Brand gesetzt worden. Gesprochen wurde von einem "Stromkrieg" der USA.

Abwegig erscheint das nicht ganz, gerade wenn man zur Kenntnis nimmt, dass nach der Lockerung der Regeln für Cyberangriffe durch Donald Trump im letzten Jahr die Geheimdienste und das Cyberkommando offensiver vorgehen würden. Die New York Times hatte mit Verweis auf Informanten berichtet, dass vor allem das russische Stromnetz verstärkt "mit nie zuvor ausprobierter Tiefe und Aggressivität" gehackt worden sei, um es bei Bedarf lahmlegen zu können (Vor einem Cyberwar? USA legen "Cyberminen" im russischen Stromnetz). Das könnte natürlich auch in Venezuela ausprobiert worden sein.

Stromausfall kann als Warnung vor einem Cyberwar dienen

In Argentinien geht man bislang nicht von Anschlägen oder Cyberangriffen auf das Stromnetz aus. Offenbar konnte die Stromversorgung auch sehr viel schneller als in Venezuela wiederhergestellt werden. Aber der Vorfall macht deutlich, welche Folgen es haben kann, wenn Geheimdienste und Militärs mit Cyberangriffen oder einem Cyberwar auf das Stromnetz eines gegnerischen Landes beginnen.

Die Folgen wären mit relativ kostengünstigen Mitteln weitaus größer als bei begrenzten militärischen Konflikten, wenn in ganzen Ländern das Licht ausgeht. Wenn die Stromversorgung bei gezielten Angriffen auf wichtige Elemente länger lahmgelegt wird, könnte auch die staatliche Ordnung zusammenbrechen, es könnten gewaltige wirtschaftliche Verluste entstehen. Und bei Blackouts wie jetzt bei dem in Argentinien, wird man nicht mehr von vorneherein ausschließen können, dass sie Folge eines gezielten Angriffs sein könnten. Das ist in Argentinien unwahrscheinlich, aber es könnte ja auch eine Übung oder ein Test gewesen sein. (Florian Rötzer)