Blatt vor dem Mund

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BILD-Zeitung fordert Vollverschleierung

Die BILD-Zeitung, die den Österreicher Kanzler Kurz trotz seines Totalversagens in Ischgl zum starken Mann hochschrieb, fordert wie dieser nun reaktionär das Tragen von Masken.

Derzeit tobt allerdings ein Gelehrtenstreit über den Nutzen des Maskentragens. Aus Laiensicht müsste die These eines Schutzes durch Maske in "wahr" oder "unwahr" zu kategorisieren sein. Der Beweis eines Schutzgewinns müsste eigentlich durch physikalische Gutachten oder medizinische Erfahrungswerte geführt werden können, wie sie die Hygieneindustrie eigentlich besitzen sollte. Oder man vergleicht Ausbreitungs-Statistiken von Ländern mit und ohne Maskenpflicht. Doch auch renommierte Wissenschaftler und Institute widersprechen einander diametral. Und mittendrin die armen Journalisten, die nicht wissen, welchem Narrativ sie heute hinterherrennen sollen (Corona ist der neue Kaffeesatz).

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt sieht den Sinn vor allem bei infizierten Personen, die dadurch ihre Tröpfchen vermeiden. Da niemand so genau wissen kann, ob er Überträger ist, erscheint ein solcher Maulkorb bei konsequenter Durchsetzung also als zweckmäßig. Zum Zwecke des Selbstschutzes allerdings bestreitet u.a. Corona-Experte Christian Drosden eine Evidenz.

Während auf den ersten Blick das Tragen einer Barriere zu Nase und Mund als sinnvoll einleuchtet und insbesondere die Neigung hindert, mit der Hand dorthin zu fassen, ist zweifelhaft, ob die Wirkung unterm Strich effektiv ist. So werden Masken schnell durch die Finger kontaminiert, wenn man sie auf und absetzt, oder sich darunter kratzt. Außerdem ist zu befürchten, dass durch ein falsches Sicherheitsgefühl die definitiv wirksame soziale Distanz relativiert wird. Insbesondere Personen, die bereits das Virus in sich tragen, sollten nicht auch noch zu Ausflügen ermutigt werden. Die World Health Organisation (WHO) rät von Masken ab.

Das praktische Problem mit einem staatlich verordneten Maskenball ist außerdem, dass schlicht und ergreifend zu wenig professionelle Masken verfügbar sind. Selbst geschneiderte Stoffmasken dürften eher dem subjektiven Sicherheitsgefühl und dem Herdentrieb dienen. Weitere Probleme sind juristischer Natur. So gilt in Österreich anscheinend sowohl Maskenpflicht als auch Vermummungsverbot bei Demonstrationen. Und ob man sich wohl in Banken usw. wirklich sicherer fühlt, wenn Personen mit Gesichtsmasken den Raum betreten?

Wer keine Maske kaufen kann oder will, findet Bauanleitungen im Net. Kein Hindernis bei der Produktion von Masken sind ab sofort jedenfalls die bislang kostenpflichtigen DIN-Normen. Um die Herausforderungen der Corona-Krise zu meistern, stellt DIN in Absprache mit der Europäischen Kommission bis auf Weiteres verschiedene Normen für medizinische Ausrüstung kostenlos zur Verfügung. Ziel ist es, dem wachsenden Mangel an Schutzmasken, -handschuhen und weiteren Produkten zu begegnen, mit dem viele europäische Länder zu kämpfen haben. Mit der Bereitstellung der Normen soll Unternehmen geholfen werden, die ihre Produktlinien umstellen wollen, um die so dringend benötigte Ausrüstung kurzfristig herzustellen.

Es bleibt spannend, welche Wahrheiten uns die Medien in den kommenden Wochen verkünden. Etwa bei der Beurteilung der Mortalität sahen sich in den letzten Wochen Medienvertreter verpflichtet, kritische Wissenschaftler als Ketzer zu brandmarken, die von Corona-Toten nur dann sprechen wollten, wenn das Virus auch ursächlich für den Tod war - eigentlich wissenschaftlicher Standard. Dienstagabend allerdings begann Der Spiegel mit Journalismus und befragte den renommierten Medizinstatistik-Experten Gerd Antes , der unverblümt einräumte, dass die "Zahlen vollkommen unzuverlässig" seien.

Während in Deutschland für den Gleichklang der Medien der Herdentrieb ausreichend scheint, werden in anderen Ländern "Falschmeldungen" unter Strafe gestellt, etwa in Tschechien. In Turkmenistan ist man da deutlich weiter: Dort wurde das Wort Corona-Virus verboten, was jegliche Falschberichterstattung zuverlässig ausschließt.

Bereits im Februar forderte EU-Vizekommissionschefin Věra Jourová jedenfalls das gezielte Verbreiten von Falschmeldungen unter Strafe zu stellen. Was genau "gezieltes Verbreiten" sein soll, ist schwierig abzugrenzen, denn jeder Verbreiter verfolgt wohl das Ziel, seine Meinung zu verbreiten, und ob eine Meldung zu Corona wirklich falsch ist und ob dem Verbreiter eine Falschheit auch bekannt und dieses nachzuweisen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Vor zwei Wochen bekannte sich auch der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius zu derartigen Zensurwünschen, um Panik in der Bevölkerung entgegen zu steuern. Die BILD-Zeitung wird Politprofi Pistorius wohl nicht gemeint haben. Bundesjustizministerin Lambrecht winkte ab, offensichtlich hat sie das Grundgesetz gelesen.

Maskenpflicht hin oder her: Augen auf bei der Masken-Wahl!

Update: Der Autor bezieht keine eigene Position zum Tragen von Masken, sondern ist vom journalistischen Umgang mit unklaren Sachverhalten fasziniert. (Markus Kompa)