Blutgrätschen und Steilvorlagen im Nahost-Konflikt

Bild: Israelisches Presseamt

Ein abgesagtes Fußballspiel in Jerusalem, die Boykottbewegung und Antisemitismus-Vorwürfe: Im Ringen um Deutungshoheit wird mit harten Bandagen gekämpft

Die Tickets waren schon verkauft, die Vorfreude groß: Aus Gründen, die niemand so richtig erklären kann, ist die argentinische Fußballnationalmannschaft in Israel sehr beliebt. Wenn dieses Team dann auch noch dazu bereit ist, gegen die israelische Nationalmannschaft zu spielen, überdies auch noch in Israel, dann ist das schon was.

Und so war die Enttäuschung groß und die Wut noch größer, als dieses Freundschaftsspiel kurzfristig abgesagt wurde. Was passiert ist, daran scheiden sich auch jetzt, mehr als eine Woche später, noch die Geister, und dies nicht so sehr, weil die Fakten umstritten wären.

"In Israel, in den palästinensischen Gebieten wird ständig alles, was jemand tut, darauf geprüft, ob man es vielleicht für die eigenen Zwecke nutzen kann", sagt ein ausländischer Diplomat, aus einem Land, das exzellente Beziehungen zu Israel pflegt, aber dennoch Jerusalem nicht als dessen Hauptstadt anerkennen mag:

Da werden dann auch Taktiken angewandt, auf beiden Seiten, die undiplomatisch und, aus meiner Sicht, auch unfair sind. Künstler, Journalisten, Prominente werden auf die politische Bühne gezerrt, von der einen oder anderen Seite vereinnahmt. Ihre persönliche Meinung, ihre eigenen Bedürfnisse sind dabei egal.

Anonymer Diplomat

Genau so etwas ist der argentinischen Nationalmannschaft geschehen: Ursprünglich hatte das Freundschaftsspiel am 9. Juni im nordisraelischen Haifa stattfinden sollen; so war es wohl schon seit mehreren Monaten geplant gewesen. Doch dann tauchte US-Präsident Donald Trump auf, entschied, dass die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen sei.

Das veränderte "Konzept Jerusalem"

Am 14. Mai, nach westlichem Kalender der 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels, war es dann, zumindest symbolisch, so weit: Aus dem amerikanischen Konsulat in West-Jerusalem (es gibt zudem auch ein US-Konsulat in Ost-Jerusalem) wurde, offiziell, die US-Botschaft, obwohl ein Großteil der Belegschaft bis auf Weiteres im bisherigen Botschaftsgebäude in Tel Aviv arbeiten wird.

Schon die Ankündigung veränderte allerdings die Wahrnehmung des Konzepts "Jerusalem" im Ausland: Plötzlich landete ein Thema, dass ob seiner extremsten Komplexität in Friedensverhandlungen stets zurück gestellt wurde, ganz oben auf der Tagesordnung, wo es von der israelischen rechts-religiösen Koalition unter Führung von Regierungschef Benjamin Netanjahu unilateral als "ohne Aussprache und Abstimmung beschlossen" abgehakt wurde, bevor man sich dann mit entschiedener Forschheit an die Durchsetzung machte.

Die Verlegung des Spiels

Im Fall des Fußballspiels Argentinien-Israel wurde entschieden, dass das Spiel nach Jerusalem zu verlegen sei. Nach Auskunft eines Sprechers des israelischen Fußballverbandes habe Kultur- und Sportministerin Miri Regev, die einst Chefzensorin des israelischen Militärs war, die Verlegung "angeordnet"; man selbst sei nicht gefragt worden. Regev indes bestreitet, dass sie für die Verlegung verantwortlich war; die Initiative sei von Netanjahu ausgegangen.

Der neue Spielort erschien auch dem argentinischen Verband als unverfänglich: Das Teddy Kolek-Stadion liegt im Westteil der Stadt. "Wir konnten uns auch nicht vorstellen, dass das was mit Politik zu tun haben könnte", sagt ein Sprecher: "Uns war gesagt worden, dass es dort einfach mehr Platz gibt, den man brauche, weil das Interesse so groß sei."

Doch dann schrieb Netanjahu einen Brief an den argentinischen Präsidenten Mauricio Macri, in dem er ihn dazu einlud, dem Freundschaftsspiel "in unser ewigen Hauptstadt Jerusalem" beizuwohnen. Argentinien hatte sich zuvor bei den Vereinten Nationen in einer Abstimmung über eine Resolution enthalten, die die US-Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels verurteilt.

"Messi-Trikots werden verbrannt": Auftritt Jibril Rajoub

Doch was wohl als galantes Dribbling gedacht war, wurde in Argentinien als superfiese Blutgrätsche aufgefasst, und in Palästina /den palästinensischen Autonomiegebieten als Steilvorlage. Nachdem die Sache bekannt geworden war, trat Jibril Rajoub, Vorsitzender des palästinensischen Fußballverbandes und einer der Hoffnungsvolleren unter den Anwärtern auf die Nachfolge des mittlerweile 83jährigen Präsidenten Mahmud Abbas, vor die Presse, und erklärte, palästinensische Fußballfans würden Trikots des argentinischen Star-Spielers Lionel Messi verbrennen, falls die Argentinier in Jerusalem spielen sollten.

Kurz darauf sagte der argentinische Verband das Spiel ab, und ließ sich auch nicht mehr umstimmen. "Wir haben einen bedeutenden Erfolg gegen die Bemühungen errungen, die israelische Besatzung unseres Landes international zu legitimieren", ist sich Rajoub sicher.

"Das Problem war nicht der Spielort, sondern die Vielzahl von Terrordrohungen gegen die argentinische Mannschaft", behauptet indes Regev. "Unsere Spieler wollten einfach nur vor ihren Fans Fußball spielen, egal welche Herkunft sie haben", teilt indes Argentiniens Außenminister Jorge Faurie in einer Stellungnahme mit: "Die Deutungshoheit darüber wurde ihnen entrissen und durch neue Narrative ersetzt."

Und es hört nicht auf: Die Verwerfungen um das Freundschaftsspiel riefen auch pro-israelische und pro-palästinensische Aktivisten auf den Plan; vor allem in sozialen Netzwerken, in den Kommentarspalten der Medien ist man dabei, das eigene Narrativ, also die Sicht auf die Ereignisse, zu verbreiten.

Fußball, Antisemitismus und Völkermord

Die Argentinier seien vor "Israel-Hassern", "Antisemiten", "Terroristen" eingeknickt, schallt es von Seiten der Israel-Fraktion.

Die argentinische Mannschaft habe ein "richtiges Signal gegen Israel gesetzt", sei ein "Beispiel für den Erfolg der Boykott-Bewegung", habe "bewiesen, dass man auch im Fußball die Augen" vor dem "Völkermord", dem "Genozid", den "Massakern" durch die "israelischen Besatzer am palästinensischen Volk" nicht verschließe, schreit die Palästina-Fraktion zurück; die genannten Zitate fallen in solchen Äußerungen online und offline immer wieder, und auffällig dabei ist stets, dass die Meinungen sich hochschaukeln und schnell, sehr schnell die reinen Fakten verlassen.

Politik ist eine Sache. Man lernt mit der Zeit, die Motivationen und Hintergründe zu durchschauen, aus denen heraus dieser oder jene Politiker etwas tut; auch die öffentlichen Reaktionen sind recht gut zu durchschauen. Doch im israelisch-palästinensischen Konflikt gibt es eine Vielzahl von Aktivisten, mehr als in jedem anderen Konflikt, und sie sind zwar omnipräsent, aber kaum einzuschätzen.

Denn kaum ein anderer Konflikt treibt die Emotionen auch im Ausland bei derart vielen Menschen derart hoch. Zehntausende nehmen sich tagtäglich die Zeit, um ihre Meinung in die Kommentarspalten der Medien, bei Facebook, bei Twitter einzutippen.

Tausende betreiben in Parlamenten, an Universitäten, in Kirchengemeinden Lobbyarbeit für eine der beiden Seiten. Und so mancher reist um die halbe Welt, um sich im Westjordanland israelischen Soldaten bei Demonstrationen entgegen zu stellen, oder beim israelischen Militär Hilfsjobs zu verrichten.

Warum Israel? Warum Palästina? "Ich habe mich in meiner Zeit als Außenminister immer wieder gefragt, warum die Leute uns oder die Palästinenser mit derart viel Hingabe unterstützen", sagt Silwan Schalom, Likud, der das Amt von 2003 bis 2006 innehatte:

Die Antwort, die ich für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass Israel auch in vielen Nichtjuden drin steckt: Es kommt schon in der Bibel vor, und dann gab es den Holocaust, aber auch die Mythen, die sich um den Mossad ranken, unseren ständigen Kampf ums Überleben.

Silwan Schalom

Ähnliches ist auch auf der palästinensischen Seite zu hören: "Wir Palästinenser sind anders als andere Araber", sagt Sari Nussaibeh, der bis 2014 Präsident der al Kuds-Universität war: "Wir sind politisch aktiver, meinungsfreudiger. Und unserer Kampf um einen eigenen Staat hat etwas von David gegen Goliath."

Doch die Aktivisten, ganz gleich für welche Seite, sind weder eine homogene Gruppe, noch sind sie stets der gleichen Meinung. Debatten haben sich entfacht, die teils akademisch, teils auch nur mit pseudo-akademischem Anstrich geführt werden. Da gibt es jene, die jegliche Kritik an Israel, und sei es auch nur an der israelischen Politik ablehnen, weil Israel-Kritik antisemitisch sei.

"Bollwerk gegen Muslime"

Dann gibt es jene, die Israel unterstützen, weil sie das Land als Bollwerk gegen Muslime sehen. "Viele von diesen Leuten sollte man nicht als Freund haben", sagt Schalom: "Denn gerade diese Gruppe ist bestrebt, den Konflikt zwischen uns und der arabischen Welt anzufachen, während wir uns ja gerade das Gegenteil wünschen müssen."

Aber: Vor allem Premierminister Netanjahu und seine Regierung nutzen diese Argumentationen aus, wo es nur geht. Jenseits der Debatte, ob es eine Bedrohung durch den Iran gibt, sei das Konzept "islamische Republik" für Netanjahu auch ein Mittel, um sich als "Retter der freien Welt" zu präsentieren, sagt Zehawa Gal-On von der linksliberalen Meretz-Partei:

Im Wahlkampf hat er sich als einziger dargestellt, der die iranische Bedrohung abwehren kann, und auch bei den Vereinten Nationen oder internationalen Konferenzen stellt er sich so dar.

Zehawa Gal-On, Meretz

"Landesvater" Netanjahu

Gleichzeitig hat es Netanjahu geschafft, bei den Unterstützern Israels sowie auch und vor allem in europäischen Parlamenten, vom Politiker mit eher mäßigen Wahlergebnissen, der allein deshalb seit Jahren an der Macht ist, weil er es gut versteht, Koalitionen zu bilden, zum "Landesvater" zu werden, von dem immer wieder behauptet wird, die Mehrheit der Israelis stehe nun mal hinter ihm.

In Zahlen: Netanjahus Likud erhielt bei den Wahlen 2015 23,4 Prozent der Stimmen, und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass es jemals bedeutend mehr werden könnten. Wenn seine Koalitionspartner und deren Wähler könnten, dann würden sie ihn auch bei der nächsten Gelegenheit durch die eigenen Parteivorsitzenden ersetzen.

Dass das trotz der hauchdünnen Mehrheit der Koalition nicht passiert, liegt vor allem daran, dass vor allem die Klientel der rechten, der Siedlerbewegung nahestehende Partei Jüdisches Heim vom Mythos von Netanjahu, dem Landesvater, profitieren.

Das Narrativ der Rechten wird übernommen

Denn nahezu unbemerkt hat die pro-Israel-Lobby vor allem in den internationalen Parlamenten das Narrativ der israelischen Rechten übernommen. Wenn Abgeordnete fordern, das eigene Land möge bitte die Botschaft nach Jerusalem verlegen, dann ist ihnen sehr oft nicht bewusst, was dies tatsächlich bedeutet.

Denn auch wenn in Israels Politik außerhalb von Meretz und den arabischen Parteien Jerusalem als Hauptstadt gesetzt ist, gibt es zwischen den Parteien, den politischen Lagern Differenzen über die Grenzen dieses Jerusalem. Denn Jerusalem, wie es heute auf der Landkarte aussieht, ist ein weitgehend künstliches Konstrukt, in das arabische Dörfer, israelische Siedlungen eingemeindet wurden.

Für die Rechte ist all' dies Jerusalem, die unteilbare Hauptstadt Israels, während die Linke das recht kleine Stadtzentrum aus West- und Ostjerusalem sowie der Altstadt samt Klagemauer als Jerusalem betrachtet; wo die Grenzen des künftigen israelischen Jerusalem verlaufen sollen, hat man dabei offen gelassen.

Denn jenseits von Likud und Jüdisches Heim, zusammen 30,14 Prozent der Wählerstimmen in 2015, sind alle Parteien dafür, dass man sich über die Grenzen von Jerusalem mit den Palästinensern einig werden muss, und die Eingemeindung von palästinensischen Dörfern im Westjordanland weder politisch noch administrativ irgendeinen Sinn ergibt.

Doch Netanjahu und sein Team wollen das nicht gelten lassen; man sei dabei Geschichte "in Stein zu meißeln" und die internationale Gemeinschaft helfe ihm dabei, klagte Jitzhak Herzog, einst Vorsitzender der Zionistischen Union, einem Verbund aus der sozialdemokratischen Arbeitspartei und der Kleinpartei Kulanu, die vor allem aus Ex-Außenministerin Zippi Livni besteht, vor einigen Wochen: Denn nicht nur in Sachen Jerusalem schafft er vollendete Tatsachen, sondern auch im Westjordanland, wo in den Siedlungen so viel gebaut wird, wie selten zuvor.

Um internationale Kritik daran abzublocken, benutzt man seit einigen Monaten auch offen ein Instrument, "dessen Nutzung nur für absolutesten, extremsten Ausnahmefall vorbehalten bleiben muss", so Schimon Peres im Jahr 2005, als Israel drauf und dran war, die Siedlungen im Gazastreifen zu räumen und Rechte ihre Kinder in KZ-Uniformen auf die Straße schickten: der Antisemitismus-Vorwurf.

Kritik und die Boykott-Bewegung

Die Kritik am Verhalten der Regierung in der Fußball-Affäre sei "antisemitisch", schrieb Kulturministerin Regev vor einigen Tagen auf Facebook, und ähnliche Aussagen sind auch immer wieder dann zu hören, wenn beispielweise die Europäische Union den Siedlungsbau kritisiert oder Staaten am Iran-Abkommen festhalten wollen. Aber auch linke jüdische Organisationen werden nicht verschont: So kritisiert die Israel-Lobby Banken, die solchen Organisationen Konten anbieten, als antisemitisch.

Dabei werden Kritiker auch gerne mit dem pro-palästinensischen "Boycott, Divestment and Sanctions Movement" (BDS) in Verbindung gebracht, auch wenn sie damit nicht in Verbindung stehen. Die Bewegung ist Israels Rechte so sehr ein Dorn im Auge, dass man vor einiger Zeit ein Gesetz verabschiedete, dass jenen, die öffentlich den Israel-Boykott unterstützen, die Einreise verweigert werden kann. Doch auch bei den Palästinensern ist BDS umstritten.

Denn diese lose Bewegung fordert, grob gesagt, einen Boykott von allem, was mit Israel zu tun hat, von israelischen Produkten, über künstlerische Aktivitäten in Israel bis hin zu Kooperationen mit israelischen Universitäten und Akademikern. Prominentester Vertreter der BDS-Bewegung ist wohl Roger Waters, Mitbegründer von Pink Floyd.

Jeder Musiker, der in Israel auftreten will, wird von ihm aufgefordert, dies nicht zu tun, meist begleitet von einer Kampagne, in der ebenfalls mit harten Bandagen gekämpft wird: "Nach einer einigermaßen netten Aufforderung folgen dann im Falle der Ablehnung böse Briefe von angeblichen Fans, die damit drohen, nie wieder Geld für die Musik des Künstlers auszugeben", sagt ein Sprecher des Managements von Madonna, die trotz Kritik und Kampagnen in Israel auftrat.

Doch viele andere Künstler wollen sich auf Anfrage zu dem Thema überhaupt nicht äußern: "Wir machen Unterhaltung, keine Politik, und wir können gerade bei jungen unerfahrenen Künstlern nie sicher sein, dass sie nicht durch Zufall in irgendein Fettnäpfchen treten", heißt es bei einer Plattenfirma.

Roger Waters und die BDS-Bewegung halten das für einen Erfolg. Doch in den palästinensischen Gebieten ist man da durchaus anderer Ansicht: "Es hilft uns keinen Meter weiter, wenn in Israel ein Konzert nicht stattfindet", sagt Sari Nussaibeh: auch einen akademischen Boykott Israels lehnt er ab: "Es macht doch überhaupt keinen Sinn, ausgerechnet jene Israelis auszuschließen, die eine andere, gebildete Sicht auf die Dinge haben."

Doch in den nahezu ausschließlich von ausländischen Aktivisten verfassten Schriften, die sich für BDS aussprechen, sind Israelis, die sich für ein Miteinander, für Kooperation aussprechen, Feigenblätter, die einem "Apartheid-Staat" einen liberalen Anstrich geben sollen oder wollen.

Auch hier wird in der Argumentation mit starken Begriffen wie "Apartheid", "Völkermord", "Genozid", "Massaker" hantiert, während die Argumentation selbst, wenn man sie einem Faktencheck unterzieht, in sich Fragen aufwirft.

"Nicht dienlich"

So betont man auf der einen Seite, dass man für die Zwei-Staaten-Lösung sei, kritisiert aber, dass Israel die Einreise von Palästinensern begrenzt. In Bezug auf Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft, immerhin gut 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, beschränkt man sich oft nicht darauf, Missstände zu kritisieren, sondern behauptet pauschal, diese Bevölkerungsgruppe sei Opfer einer "Apartheid-Politik".

Einer der prominentesten Kritiker der BDS-Bewegung ist der kontroverse Politikwissenschaftler Norman Finkelstein, der der BDS-Bewegung vorwarf, im Grunde das Existenzrecht Israels zu leugnen und nicht zur Lösung des Konflikts beitragen zu wollen.

Auch Rami Hamdallah, palästinensischer Regierungschef, steht BDS kritisch gegenüber; "unsere gesamte Regierung tut das": Die Realität sei sehr viel komplexer, und die "bedingungslose Dämonisierung" Israels, wie sie von Vertretern der Bewegung betrieben werde, sei einer Annäherung nicht dienlich:

Wir streben eine Änderung in der israelischen Politik, nicht die Zerstörung Israels an, und wir wollen deshalb, dass die Menschen lernen können, sich entfalten können, und dann mit uns sprechen können.

Rami Hamdallah

Gleichzeitig macht er aber auch keinen Hehl daraus: Das Rajoub sich in die Argentinien-Sache eingemischt hat, ist seiner Regierung ein Dorn im Auge, weil sich Rajoub damit innenpolitisch in den Vordergrund gedrängt hat; "wir brauchen keine weiteren innenpolitischen Konflikte."

Der nächste Ärger

Doch der nächste Ärger ist schon im Werden: Israel hat den Eurovision Song Contest gewonnen, und soll ihn im kommenden Jahr ausrichten. Die Regierung möchte, dass der Wettbewerb in Jerusalem ausgetragen wird - beziehungweise: Regierungschef Netanjahu und Kulturministerin Regev haben über Twitter und Facebook schon mitgeteilt, dass das so sein wird, ohne das vorher ein Wort mit der veranstaltenden European Broadcasting Union gewechselt wurde.

In mehreren Ländern, darunter Island und Irland wurden derweil Petitionen gestartet, die fordern, man möge auf die Teilnahme in Israel verzichten.