Boeing entwickelt Kampfjet-Drohne

ATS. Bild: Boeing

Die neue Multimissions-Drohne wird für den Einsatz im Schwarm mit bemannten Kampfflugzeugen und auch mit KI-Steuerung für den "unabhängigen" Einsatz entwickelt

Boeing hat angekündigt, in Australien einen neuen Drohnentyp in Form eines Kampfjets für viele Missionen zu entwickeln, um einen "disruptiven Vorteil" gegenüber Gegnern zu haben. Das Boeing Airpower Teaming System (ATS) wird vom Konzern nicht allein für das Pentagon, auch nicht für die Nato, sondern für alle interessierten Kunden angeboten. Ein Modell wurde schon einmal auf der Australian International Airshow vorgestellt. Der Rüstungskonzern hat es eilig mit der Entwicklung, der erste Flug soll bereits 2020 stattfinden, andere Rüstungskonzerne wie Lockheed sind Konkurrenten, die ähnliche Projekte verfolgen.

Die Drohne soll 11,6 Meter lang sein und eine Reichweite von 3700 km haben. Über die angestrebte Geschwindigkeit schweigt sich der Konzern aus, ebenso darüber, wie "stealth" die Drohne sein wird. Man hofft aber damit offensichtlich, Neuland zu betreten. Das australische Verteidigungsministerium ist denn auch überzeugt, wie Minister Christopher Pyne sagte, dass die Kampf- und Überwachungsdrohne "enorme Exportchancen" habe. Zunächst scheint man an die anderen Five-Eyes-Länder zu denken.

Gedacht ist die Drohne u.a. als Begleitschutz, als Loyal Wingman, für bemannte Militärflugzeuge. Am Konzept von solchen Schwärmen bemannter und unbemannter Flugzeugen wird auch anderswo gearbeitet bzw. wie beim deutsch-französischen Projekt für ein "zukünftiges Luftkampfsystem" ("Future Combat Air System - FCAS) angestrebt. Hinter dem Konzept steht, dass ein solcher Schwarm nicht nur besser geschützt, sondern auch effektiver im Angriff sein kann. Drohnen können, ohne ausgerichtet auf Piloten zu sein, billiger hergestellt werden: "Fighter-like capability at a fraction of the cost" (Boeing). Damit kann das Risiko für die verbleibenden bemannten Kampfflugzeuge gesenkt werden, während Drohnen auch auf Suizidmissionen aggressiver eingesetzt werden können (Mit einem Schwarm billiger Wegwerf- oder Suizid-Roboter in den Krieg ziehen).

Die Boeing-Drohne dürfte ein weiterer Schritt sein, die Kriegsführung durch ein Mensch-Maschine-System zu verändern, wenn nun unbemannte Kampfjets bzw. mit Kampfjet-ähnlichen Eigenschaften mit großer Geschwindigkeit lange in der Luft sein und anders als die bislang relativ gemächlichen Kampfdrohnen schnell Ziele, auch andere Kampfflugzeuge, angreifen können.

Kampfjet-Drohne ATS (5 Bilder)

Bild: Boeing

Im Schwarm mit anderen Flugzeugen soll die Drohne mit dem Airpower Teaming System im Verbund fliegen und entsprechenden Sicherheitsabstand einhalten. Eingesetzt werden könne sie nach Boeing nicht nur als Kampfdrohne, sondern auch zur elektronischen Kriegsführung und zur Aufklärung bzw. zu einer Kombination der Methoden. Nach Shane Arnott von Boeing könnten 4-6 der Drohnen mit einer bemannten 18E/F Super Hornet im Schwarm fliegen. Mit dem Vorteil der Drohnen, könne man, so sagte er, "ein höheres Risiko akzeptieren. Es ist besser, wenn eines dieser Flugzeuge getroffen wird als eine bemannte Plattform."

Der Vorteil von Kampfjet-Drohnen ist ähnlich wie bei Hyperschalldrohnen. Sie könnten schneller fliegen und vor allem durchstarten, als wenn sie von Menschen gesteuert werden. Menschen im Cockpit brauchen nicht nur zusätzlichen Platz, sie können nur gewisse körperliche Belastungen aushalten und ihre mentalen Kapazitäten sind, u.a. wegen des Flaschenhalses der Aufmerksamkeit, beschränkt.

Die Kampfjetdrohne soll natürlich auch alle Einsätze fliegen und einen weiteren Schritt Richtung Autonomie gehen. Sie soll nicht nur vom Boden oder vom bemannten Flugzeug aus ferngesteuert werden, sondern auch in der Lage sein, mit Künstlicher Intelligenz "unabhängig" zu fliegen. Genaueres verrät Boeing nicht, also ob die Drohne autonome Entscheidungen treffen und auch auf ein gegnerisches Flugzeug oder anderes Ziel feuern kann. Einen wirklichen Vorteil dürften Kampfjet-Drohnen nur dann haben, wenn sie in Situationen, die schnelle Reaktionen verlangen, auch autonom entscheiden und auf den verzögernden human-in-the-loop verzichten könnten. Spätestens dann, wenn Schwärme von Kampfjet-Drohnen auf gegnerische Schwärme stoßen, wird der Mensch, viel zu langsam für KI-gesteuerte Prozesse, ausgebootet sein. (Florian Rötzer)

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