Boko Haram predigt: 45 Tote

Gwoza-Region teilweise in der Hand der Salafisten

Die salafistische Anti-Bildungs-Sekte Boko Haram hat am Mittwochabend in der Ortschaft Bardari, die in der Nähe der nordostnigerianischen Universität Maiduguri liegt, etwa 45 Personen unter dem Vorwand einer religiösen Ansprache vor die Dorfmoschee gelockt und dort unter "Allahu-Akbar"-Rufen erschossen. Skeptischen Bewohnern hatten sie vorher versichert, sie würden nur predigen und niemanden töten wollen. Anschließend zündeten die Salafisten zahlreiche Häuser an und stahlen das Vieh.

Insgesamt kamen in dieser Woche mehrere Hundert Menschen durch den Terror der nigerianischen Salafisten ums Leben: 200 bis 500 starben zwischen Sonntag und Dienstag bei Angriffen auf insgesamt sechs Dörfer in der an der Grenze zu Kamerun gelegenen Gwoza-Region im Bundesstaat Borno. Die genaue Zahl der Todesopfer zu ermitteln ist den nigerianischen Behörden zufolge unmöglich, weil die Terroristen Mobiltelefonmasten zerstörten und viele Bewohner nach den Überfällen und anschließenden Bombardements der Armee in die Mandara-Berge flohen.

Die Bombardements wurden angeordnet, weil Boko Haram das Gebiet kontrolliert und in mehreren Ortschaften die schwarze Dschihadistenflagge weht. Militärisch scheinen die Luftangriffe nur bedingt erfolgreich gewesen zu sein: Angeblich zogen sich die Terroristen nur kurz zurück und rückten danach wieder in die Dörfer ein.

In Attagara wendeten die Salafisten einen Trick an: Sie verkleideten sich als Soldaten und redeten den Bewohnern ein, sie seien gekommen, um sie zu beschützen. Deshalb sollten sich alle Männer und Jungen auf dem Dorfplatz versammeln. Einem Augenzeugen zufolge feuerten sie danach "sehr lange Zeit" bis sie sicher waren, alle getötet zu haben - sogar Kinder, die noch von ihrer Mutter gesäugt wurden.

Weniger erfolgreich im Sinne der Terroristen war eine Attacke auf das Dorf Madagali im Bundesstaat Adamawa, dem nur zwei Menschen zum Opfer fielen. Dort waren Sicherheitskräfte vor Ort, die sich mit den Salafisten ein etwa dreistündiges Feuergefecht lieferten. Das Niederbrennen einer katholischen Kirche und eines Verwaltungsgebäudes konnten die Soldaten jedoch nicht verhindern.

Im Irak versuchten die Boko-Haram-Gesinnungsgenossen der Gruppe Islamischer Staat Syrien und Levante (ISIL) gestern, die Stadt Samarra zu erobern. Nach ersten Teilerfolgen scheiterten sie dabei allerdings an Stammesmilizen und der irakischen Luftwaffe. Samarra liegt im sunnitischen Dreieck, enthält aber mehrere wichtige schiitische Heiligtümer, die in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel der Zerstörungswut von Salafisten waren. (Peter Mühlbauer)