Bolivien: Proteste wegen Wasserknappheit

Der Laguna-Gletscher im bolivianischen El Nevado Illampu. Foto: Bjork. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Abgeschmolzene Gletscher, ausgetrocknete Seen und schwer bewachte Tankwagen

In Bolivien sollen heute in mehreren Städten Protestdemonstrationen stattfinden, um die Regierung dazu zu bringen, mehr in die Wasserversorgung zu investieren. Vorher hatte der Wasserversorger EPSAS das Trinkwasser in sieben Großstädten rationiert - und Staatspräsident Evo Morales hatte den Chef des Staatsunternehmens entlassen, den Notstand verhängt, Hilfsgelder freigegeben und an einem weitgehend erfolglosen Aymara-Regenritual teilgenommen.

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Bis der Regen kommt, verteilen in den beiden am schlimmsten getroffenen Städten La Paz und El Alto von bewaffneten Sicherheitskräften bewachte Tanklaster täglich drei Millionen Liter Wasser für mehrere Hunderttausend Menschen. Die drei Stauseen in der Nähe der Regierungshauptstadt sind fast leer. Zwei andere Seen, der 135 Quadratkilometer große Uru-Uru und der 2.300 Quadratkilometern Poopo, liegen bereits vollständig trocken.

Eine Ursache für den Wassermangel sind geschmolzene Gletscher wie der praktisch verschwundene Chacaltaya und die beiden deutlich verkleinerten Tuni-Condoriri-Eismassen in der Nähe der beiden besonders betroffenen Gebirgsstädte. Da solche Gletscher den Berechnungen des Stockholmer Umweltinstitut (SEI) nach zwischen 20 bis 28 Prozent zur Wasserversorgung in Bolivien beitragen erwarten Experten, dass sich die Lage auch nach den nächsten stärkeren Regenfällen nur temporär bessert.

Neben den Bewohnern der Städte sind auch die Landwirtschaft, die Energieversorgung und der Bergbau von der Wasserknappheit betroffen. Bergbauunternehmen verbrauchen in Bolivien zusammengerechnet täglich fast Hundert Millionen Liter Wasser - und der Verbrauch steigt wegen der relativ hohen Rohstoffpreise und der deshalb ausgebauten Produktionskapazitäten weiter an.

Einige kleinere Unternehmen mussten wegen der aktuellen Wasserknappheit bereits die Produktion vorläufig einstellen. Größere Firmen haben das Kapital, neue Brunnen zu bohren und tiefere Grundwasservorräte anzuzapfen. Das erregt die Besorgnis von Bergbauingenieuren wie Hector Cordova, der bei der bolivianischen Jubilee-Stiftung beschäftigt ist und warnt, dass dem Boden aktuell deutlich mehr Wasser entnommen wird als nachfließt, weshalb die Grundwasservorräte rasant schrumpfen.

Daran änderten Cordova zufolge auch die starken Regenfälle im Februar und März nichts, die zu Überflutungen und Erdrutschen führten. Insgesamt fielen beispielsweise in La Paz bis Ende November nämlich mit 438,8 Millimeter immer noch neun Prozent weniger Regen als in einem Durchschnittsjahr. Ob sich das in der zweiten Dezemberhälfte (die in Bolivien ebenso wie der Januar und der Februar zur regenreichen Zeit zählt) noch ändern wird, ist offen: Meteorologen befürchten aufgrund der aktuell schwachen El-Niño-Meerestemperaturausprägung im Pazifik, dass die Dürre bis 2017 anhalten könnte. (Peter Mühlbauer)

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