"[Boris Johnson] wäre ein großartiger Premierminister"

Der Blenheim Palace. Foto: Walwegs. Lizenz: Public Domain

Trump stellt bei seinem Englandbesuch nicht nur das Handelsabkommen mit dem UK, sondern auch Theresa May infrage

Am Mittwoch gab Donald Trump der Sun ein Interview, das die englischen Boulevardzeitung erst gestern Abend veröffentlichte, als der US-Präsident bereits im Oxforder Blenheim Palace mit der britischen Premierministerin Theresa May zu Abend aß. In diesem Interview stellt Trump ein Post-Brexit-Handelsabkommen zwischen den USA und dem UK infrage, das May kurz vor dem Essen noch als "beispiellose Gelegenheit" gelobt hatte.

Der von May seit letzten Freitag offiziell angestrebte Brexit mit einer Warenfreihandelszone mit der EU würde so ein Handelsabkommen Trumps Worten nach "wahrscheinlich töten", weil die USA dann wieder mit Brüssel verhandeln müssten. Und, so der US-Präsident dazu, "wir haben genug Schwierigkeiten mit der EU, wir gehen gerade jetzt gegen die EU vor, weil sie beim Handel nicht fair mit den Vereinigten Staaten umgegangen sind". Er hätte eine Brexit-Strategie "ganz anders" gestaltet und habe "Theresa May auch gesagt, wie man das macht, aber sie [habe] nicht auf [ihn] gehört", sondern das Gegenteil gemacht. Das sei jedoch "in Ordnung", denn sie sollte halt "verhandeln, wie sie es am besten kann".

Die in britischen Medien nach ihrem Entstehungsort "Chequers" benannte Brexit-Strategie, auf die sich Trump dabei bezog, war vorher bereits innerhalb von Mays Tories auf heftige Kritik gestoßen. Konservative Abgeordnete drohten, wenn man das Votum der Wähler derart verfälsche, werde das dazu führen, dass der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn Premierminister wird. Mays innerparteilicher Rivale Jacob Rees-Mogg sprach von einer "absoluten Schande". Über einen anderen innerparteilichen Rivalen Mays, den am Montag zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson, meinte Trump zur Sun, er wäre ein "großartiger Premierminister".

Die Migration, vor der Trump auf dem NATO-Gipfel bereits gegenüber anderen Medien gewarnt hatte, hat seinem im Sun-Interview geäußerten Eindruck nach "das Gefüge Europas verändert, und wenn man nicht sehr schnell handelt, wird es nie wieder sein, was es war". Das, so Trump klarstellend, meine er "nicht positiv", weil die Europäer dadurch "ihre Kultur verlieren" würden.

Über ein anderes in Brüssel angesprochenes Thema findet sich dagegen zumindest in den bisher veröffentlichten Teilen des Sun-Interviews nichts. Bei der Abschlusskundgebung des NATO-Gipfels hatte der US-Präsident auf eine Reporterfrage hin gemeint, er sei zwar "nicht glücklich" darüber, was unter der Präsidentschaft seines Vorgängers Barack Obama auf der Krim geschehen sein, könne aber auch nicht sagen, "was von diesem Punkt an passieren wird".

Auf Wladimir Putin angesprochen meinte Trump, er sehe den russischen Staatspräsidenten nicht als "Feind", sondern als "Konkurrenten" und hoffe, dass er "eines Tages ein Freund sein" werde. Erst einmal werde er aber mit ihm sprechen - nicht nur über die Krim und die Ukraine, sondern auch über russische Politikeinflussnahmevorwürfe, den Syrienkrieg und darüber, wie sich die Zahl der Atomwaffen auf der Welt verringern lässt.

May, deren Zustimmungswerte gerade auf ein vorher noch nicht erreichtes Tief von minus 37 fielen, ließ inzwischen über ihr Büro ausrichten, sie "freu[e] sich darauf, sich [heute] mit dem [US-]Präsidenten zusammenzusetzen und mit ihm das [Chequers-]Weißbuch durchzugehen".

Während Trump das macht und später von der englischen Königin empfangen wird, wollen seine Gegner auf der Insel gegen ihn demonstrieren. Der Baby-Ballon, den der Labour-Abgeordnetenenkel Leo Murray dazu über London steigen ließ, löste zwar viel Medienaufmerksamkeit, aber auch eine Crowdfunding-Aktion mit einem Ballon aus, der den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan parodieren soll, einem erklärten Gegner des US-Präsidenten. Über ihn meinte Trump im Sun-Interview, er "denke, dass er einen sehr schlechten Job beim Terrorismus gemacht hat, einen sehr schlechten Job bei der Kriminalität".

Trump-Gegner hatten wegen des Besuchs des US-Präsidenten außerdem dazu aufgerufen, das Green-Day-Stück "American Idiot" an die Spitze der Charts zu kaufen, was ihnen gelang. Der Text dieses Stücks könnte mit Zeilen wie "Can you hear the sound of hysteria, one nation controlled by the media" allerdings auch von Trump selbst verfasst worden sein, wie unter anderem dem konservativen YouTube-Kommentator Paul Joseph Watson auffiel. (Peter Mühlbauer)

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