Britische Regierung plant "boot camps" für arbeitslose Jugendliche

Die Teilnahme soll verpflichtend sein und eine "bequeme Sozialhilfekultur" beenden. Gelernt werden soll die Suche nach einem Arbeitsplatz und die richtige Bewerbung

Der konservative Politiker Matthew Hancock bekleidet das Regierungsamt des Großzahlmeisters und ist überdies Vorsitzender einer Task-Force mit dem bündigen Namen "Earn or Learn". Hancock will, dass die Regierung kein Geld an Menschen verpulvert, die es nicht verdienen. Bei Arbeits- bzw. Erwerbslosen ist das Urteil darüber problematisch; Gerechtigkeit, so es die gibt, ist annäherungsweise nur über Einzelfallprüfung zu erlangen.

Der britische Politiker, ein in Oxford und Cambridge ausgebildeter Ökonom mit Abschluss in Philosophie, zielt, wie andere Konservative auch, auf ein generelles Phänomen: eine "Sozialhilfekultur" ("welfare culture") , in der es sich Arbeitslose in gewissen "gefährdeten Gemeinschaften" bequem gemacht haben. Er will sie beenden.

Anstelle dessen will er eine "no excuse"-Kultur schaffen, die bei Jugendlichen ansetzt.

Dafür hat die Task-Force unter seiner Leitung ein dreiwöchiges Programm entwickelt, das arbeitslose Jugendliche auf Trab bringen soll. Sein Versprechen lautet, dass die Regierung bis 2020 bis zu drei Millionen neue Ausbildungsstellen schafft. Doch sollen auch die Jugendlichen ihren Teil besteuern und fit gemacht werden.

Wir wollen sicherstellen, dass ein Leben, das auf staatliche Sozialhilfen basiert, einfach keine Lösung ist; wir wollen die Abhängigkeit vom Wohlfahrtsstaat beenden, so dass sie nicht länger von einer Generation auf die andere weitergegeben wird.

Matthew Hancock

Künftig sollen arbeits- oder erwerbslose Jugendliche dazu verpflichtet werden, an einer dreiwöchigen Grundausbildung ("boot camp") teilzunehmen, wenn sie es nicht riskieren wollen, dass sie die staatlichen Unterstützungszahlungen verlieren.

Dort sollen die 18-bis 21-Jährigen innerhalb eines Intensive Activity Programme (IAP) in 71 Stunden lernen, wie man sich am besten bewirbt, wie man sich bei einem Bewerbungsgespräch am besten anstellt und wie man sich am besten auf die Suche macht, um Gelegenheiten für eine Bewerbung aufzuspüren. Ein "Job Coach" soll sich nach dem Ausbildungskurs um die Jugendlichen kümmern, damit das dort Gelernte auch in die Praxis umgesetzt wird.

Laut der offiziellen Darstellung des Programms soll es im April 2017 verbindlich werden.

Als zentrale Punkte werden angeführt, dass das neue "boot camp" - man verwendet tatsächlich den militärisch angehauchten Ausdruck - die Anspruchsberechtigten für staatliche Arbeitslosenunterstützung innerhalb von sechs Monaten fit macht für eine Arbeitsstelle.

Die jungen Anspruchsberechtigten müssen einen Job oder eine Ausbildungsstelle oder eine Praktikantenstelle annehmen, andernfalls verlieren sie ihren Anspruch auf die Stütze. Dazu kommen Streichungen bei Wohnzuschüssen für Personen unter 21, wie dies Premierminister Cameron bereits angekündigt hatte. Dagegen hatte sich der neue Hoffnungsträger der Linken, Jeremy Corbyn (Ken Loach darf nicht für Jeremy Corbyn stimmen) bereits deutlich ausgesprochen.

Auch das neue Vorhaben hält er für falsch. Sein Wahlkampf-Kampagnen- Sprecher kritisierte den "bestrafenden Ansatz". Mit Kürzungen und einem auf Strafen basierenden Wohlfahrtssystem werde man der Jugendarbeitslosigkeit nicht beikommen, zumal die Tory-Regierung daneben auch die Studiengebühren teurer gemacht habe und Stipendien wie Zuschüsse gekürzt habe.

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