Britische Regierung will die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen erlauben

Nach einem vom Gesundheitsministerium vorgelegten Gesetzesentwurf dürften für die wissenschaftliche Forschung drei unterschiedliche hybride Embryo erzeugt werden

Großbritannien hat sich durch gesetzliche Lockerungen bereits zu einem der führenden Länder für die Forschung mit embryonalen Stammzellen und therapeutischem Klonen gemacht, während viele andere europäische Länder hier noch aus ethischen Gründen sehr restriktiv verfahren oder dies ganz verbieten. Letzte Woche hat die britische Regierung beschlossen, die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen zu ermöglichen, nachdem noch im Dezember 2006 an ein Verbot gedacht wurde.

Auf Druck von Wissenschaftlern und Politikern akzeptierte die bislang eher zögerliche britische Regierung, die von einer Ablehnung in der breiten Bevölkerung ausging, die Empfehlung des Wissenschafts- und Technikausschusses des britischen Parlaments, die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen zu wissenschaftlichen Zwecken zu genehmigen. Nach dem Human Fertilisation and Embryology Act von 1990 ist die Herstellung von Chimären, bei denen menschliche und tierische Gene vermischt werden, verboten. Forscher drängen auf diese Möglichkeit, weil es zu wenige embryonale Stammzellen von Menschen gebe und zudem Experimente mit Stammzellen aus Tier-Mensch-Embryonen leichter durchzuführen seien, weil die moralichen Bedenken geringer eien.

Die Debatte brach in Großbritannien letztes Jahr auf, als Wissenschaftler vom King's College London bei der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) den Antrag einreichten, Eizellen von Kühen und anderen Säugetieren zur Herstellung von menschlichen embryonalen Stammzellen verwenden zu dürfen. Dabei wird die tierische Eizelle entkernt und ein menschlicher Zellkern eingesetzt. Aus den Embryos sollten spätestens nach 14 Tagen die Stammzellen gewonnen werden, die eigentlich, so die Wissenschaftler, keine wirklichen Chimären wären, da deren Genom zu mehr als 99 Prozent aus menschlichen Genen bestünde und nur die Mitochondrien außerhalb des Zellkerns tierischen Ursprungs seien (Mensch-Tier-Chimären zur Gewinnung von Stammzellen). Mit den so hergestellten Stammzellen sollte nach Therapiemöglichkeiten für neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson geforscht werden.

In dem jetzt vom britischen Gesundheitsministerium vorgelegten Gesetzesentwurf, der noch vom Parlament gebilligt werden muss und auch Veränderungen im Bereich der künstlichen Reproduktion umfasst, wird davon ausgegangen, dass die Herstellung von embryonalen Mensch-Tier-Chimären zur Forschung notwendig ist - auch zur Sicherung des Wisseneschaftstandorts. Erlaubt würde die Erzeugung von drei unterschiedlichen hybriden Embryos.

  1. Die Herstellung eines hybriden zytoplasmatischen Embryos durch die Entkernung einer tierischen Eizelle oder einer tierischen embryonalen Zelle und die Einfügung eines menschlichen Zellkerns.
  2. Die Erzeugung von transgenen Embryos durch Einfügung von tierischen Genen aus dem Zellkern oder aus Mitochondrien.
  3. Die Herstellung einer Mensch-Tier-Chimäre durch die Einfügung einer oder mehrerer Zellen von Tieren in menschliche Embryos.

Der Gesetzesvorschlag hat also die ursprünglichen Wünsche der Wissenschaftler noch erweitert. Weiter verboten bleibt die Herstellung von "wirklichen" Hybriden durch die Vermischung von menschlichen und tierischen Gameten. Die hybriden Embryos, die erzeugt werden können, dürfen nicht länger als zwei Wochen in einem Laboratorium heranwachsen, und sie dürfen nicht in den Uterus einer Frau eingepflanzt werden.

Die EU hat 2005 ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Jochen Taupitz vom Imstitut für Medizinrecht der Universität Mannheim gestartet, um die mit der Herstellung von Chimären und Hybriden einhergehenden Fragen zu klären (Mäuse mit menschlichen Gehirnzellen). Im Sommer dieses Jahres soll ein abschließender Bericht vorgelegt werden.

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