Britische Schulen sollen "gutes Verhalten, strenge Disziplin, Ordnung und Sicherheit" bieten

Die Regierung will bei Schuleintritt Verträge verpflichtend machen, in denen Eltern auch unter Strafandrohung ihren Kindern Manieren beibringen sollen

Großbritannien ist seit Jahren beherrscht von einer Angst vor der jungen Generation, der man wieder "Respekt" beibringen will (Blair will "antisoziales Verhalten" ausrotten). Aufs Korn genommen wurde von der britischen Regierung eine Vielzahl von unerwünschten Verhaltensweisen, die als "antisozial" etikettiert wurden ("Wir schlagen zurück"). Kinder und Jugendliche sollen durch Strafen und Disziplinierung, beispielsweise durch so genannte ASBOs (anti-social behaviour order), auf die rechte Bahn geführt werden.

Am Mittwoch wurde erst wieder vom Innen-, Justiz- und Bildungsminister von den lokalen Behörden gefordert, mehr zur Eindämmung der Jugendkriminalität zu unternehmen. Dabei geht es vor allem um die vor einem Jahr eingeführten Family Intervention Projects (FIPs), mit denen gestörte Familien (out-of-control families) dazu gebracht werden sollen, antisoziales Verhalten, Kriminalität oder Gewaltausübung ihrer Kinder zu unterbinden. Hier wird mit Strafandrohung, beispielsweise in Form einer Gefängnisstrafe, einer Einweisung in eine Jugendhaftanstalt oder des Verlusts der Wohnung oder des Hauses, versucht, besseres Verhalten zu erzeugen. Dazu kommen Youth Offending Teams (YOTs), um Eltern und Kinder "herumzudrehen", bevor sie ernsthaft straffällig werden.

Auch in den Schulen wird teils mit drastischen Maßnahmen versucht, Ruhe und Ordnung herzustellen (Maßvolle physische Gewalt). Diesen soll nun ein neues Instrument zugeordnet werden, das auf den bereits praktizierten Vereinbarungen mit Eltern aufbaut, die in Form von so genannten Home School Agreements (HSA) schon praktiziert werden, wenn Kinder in der Schule Schwierigkeiten machen. Die Eltern müssen sich darin verpflichten, gewisse Auflagen einzuhalten.

In einem Whitepaper des Bildungsministeriums heißt es, man wolle sicherstellen, dass jedes Kind eine erfolgreiche Ausbildung durchläuft, eine "lebenslange Liebe zum Lernen" ausbildet und damit fit für die "Herausforderungen des 21. Jahrhunderts" sei. Um zu gewährleisten, dass Großbritannien der "beste Ort zum Aufwachsen" ist, müsse jedes Kind in eine Schule gehen, "in der es gutes Verhalten, strenge Disziplin, Ordnung und Sicherheit lerne".

Dazu müssen nach Vorstellung des Bildungsministeriums auch Kinder und Eltern beitragen. Letztere sollen bei Eintritt ihres Kindes in die Schule und dann jährlich erneut einen Vertrag unterschreiben, in dem sie sich verpflichten, dass sie sich und ihre Kinder der Schuldordnung unterwerfen, wozu Regeln für das Verhalten, die Schuluniform, der Schulbesuch oder die Hausaufgaben gehören. Verletzen sie die daraus hervorgehenden Verpflichtungen, soll dies schwere Folgen haben können, beispielsweise etwa eine gerichtliche Verfügung, nach der sie beispielsweise verpflichtet werden können, an Kursen teilzunehmen, ihre Kinder abends nicht mehr aus dem Haus zu lassen oder zu verhindern, dass sie falsche Freunde haben oder anderweitig ungünstig beeinflusst werden. Sollten die Eltern auch dann nicht in der Lage oder willens sein, ihre Kinder zur Einhaltung der Regeln zu disziplinieren, drohen Geldstrafen bis 1000 britische Pfund. Überdies sollen Eltern sich auch bei der Schule beschweren können, wenn ihnen auffällt, dass andere ihre Verpflichtungen nicht einhalten. Der Bildungsminister Ed Balls hofft, mit den geplanten Zuchtmaßnahmen zu verhindern, dass ein einzelner Schüler den Lernerfolg einer ganzen Klasse verhindert

Disziplin kommt mithin zuerst, erst dann folgen andere Pläne wie die Garantie für jeden Schüler auf einen Lehr- oder Studienplatz oder die persönliche Förderung jedes einzelnen Schülers. Geplant ist ein fortlaufender "Fortschrittsbericht" (progress check), wer zurückliegt, bekommt ein paar Nachhilfestunden. Die Eltern sollen, um ihrer Aufsichtspflicht gerecht zu werden, online in Echtzeit über Leistung und Verhalten informiert werden. Allerdings werden nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch Lehrer und die Schulen streng beobachtet, ob sie die erwartete Leistung erfüllen, innovativ sind und neue Kenntnisse erwerben oder Angebote machen.

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