Britische Zeitung führt Petition gegen einen Irak-Krieg durch

Nach der Mobilisierung weiterer 26.000 Soldaten ist für den Daily Mirror die Entscheidung für den Krieg gefallen

Nicht nur Mitglieder des Sicherheitsrats wie China, Frankreich oder Deutschland, die Friedensbewegung, Kirchen, Parteien oder andere kritische Organisationen und Kettenmails (Sofort lesen, sonst passiert was!) wenden sich gegen den von der US-Regierung forcierten Krieg gegen den Irak. Auch die britische, der Labour-Partei nahestehende Zeitung Daily Mirror, seit langem gegen die Kriegspläne des Gespanns Bush/Blair auftretend, sucht jetzt die Antikriegsstimmung zu schüren und fordert auf der Titelseite zur Beteiligung an einer Petition gegen einen Krieg ohne eine neue Resolution des Sicherheitsrats auf.

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Daily Mirror Titel vom 6.1.2003

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hat gestern die Mobilisierung von weiteren 26.000 britischen Soldaten angekündigt, die in die Golfregion verlegt werden. Das ist ein Viertel der gesamten Armee. Trotz dieses Aufgebots versicherte Hoon in der eingeübten Rhetorik der britischen und amerikanischen Regierung, es noch keine Entscheidung gefallen. Für eine Abrüstung des Irak sei aber notwendig, Hussein, den die US-Regierung gerade mit Amnestie und Exil aus dem Land locken will, mit einer "glaubwürdigen Bedrohung" zu konfrontieren.

Mirror sieht die glaubwürdige Drohung, interpretiert die Mobilisierung aber anders:

"Also es ist Krieg. Was der Verteidigungsminister auch immer sagen mag, kein Land mobilisiert 26.000 Soldaten für nichts."

Der Mirror braucht nicht damit zu rechnen, für die Petition gegen den Krieg mit großen Lesereinbußen zu rechnen, weswegen die US-Medien zumindest zu Beginn des von Bush ausgerufenen "Kriegs gegen den internationalen Terrorismus" sich fast jeder Kritik enthielten. Nach einer aktuellen Umfrage der Zeitung Guardian sind über 81 Prozent der Briten gegen einen Krieg, wenn er nicht durch eine neue Resolution des Sicherheitsrats legitimiert wird. Insgesamt sprechen sich nur 30 Prozent überhaupt für einen Krieg aus, 47 Prozent sind dagegen. Auch in Großbritannien gingen am Wochenende Tausende von Menschen auf die Straße und beteiligten sich an Antikriegsdemonstrationen. Gegen den Krieg wenden sich neben Gewerkschaften und Kirchen auch viele aus der regierenden Labour Partei.

Für den Mirror ist die Sache klar. Bush und seine Falken, die im Interesse der Verteidigungs- und Energiekonzerne handeln, hätten sich schon vor Monaten für einen Krieg gegen den Irak entschieden, um die Aufmerksamkeit von den wirtschaftlichen Problemen abzulenken und die Ölversorgung zu sichern: "Wir ziehen in den Krieg", so der Mirror zu den Lesern, "damit das Öl weiter fließt." Blair starte "in unserem Namen" einen Krieg, den die große Mehrheit nicht will. Während der Mirror Herrchen Bush als "versessen" bezeichnet, wird Blair als dessen "Pudel" beschimpft.

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Der Mirror warnt, dass in einem Krieg nicht nur britische Soldaten getötet würden, sondern auch eine "Massenabschlachtung" an irakischen Soldaten und Zivilisten stattfinden werde. Ein Krieg ohne die Billigung des Sicherheitsrats werde die Weltgemeinschaft spalten und Terroristen zu weiteren Anschlägen stimulieren: "Sicherheit wird nirgendwo mehr geben, der gefährlichste Ort wird Großbritannien sein, das offen die USA unterstützt."

Bislang gäbe es noch nicht einmal den Ansatz für einen zufriedenstellenden Beweis, dass Hussein noch über Massenvernichtungswaffen verfügt, nur ein paar staubige Sprengköpfe und Dokumente im Haus eines Atomwissenschaftlers.

Mirror ruft die Leser dazu auf, Emails oder die vorgedruckte Seite mit Name und Adresse an die Zeitung zu schicken, um sich damit gegen jeden Krieg "ohne einen eindeutigen Beweis" auszusprechen. "Gemeinsam", so die Losung, "können wir ihren amoralischen Krieg verhindern." (Florian Rötzer)

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