Britischer Außenminister hält Donald Trump für potenziell friedensnobelpreiswürdig

Ob Regen in Genf, Wind in Warschau oder Sonnenschein in Singapur: Die Frisur sitzt (bei beiden Politikern). Bild "Kim Jong-Un": User P388388 / CC-BY-SA-4.0; Bild "Donald Trump": U.S. federal government

USA-Nordkorea-Gipfel findet in Singapur statt

Von den neun Städten, die im April als Veranstalter des geplanten Treffens zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un im Gespräch waren (vgl. Trifft Trump Kim Jong Un in Prag?), wurde südkoreanischen Medien nach inzwischen eine ausgewählt: Der Stadtstaat Singapur. Nicht näher genannte Diplomaten sollen der Zeitung Chosun Ilbo außerdem verraten haben, dass der Gipfel nicht Ende Mai, sondern erst Mitte Juni stattfinden könnte. Trump bestätigte bislang lediglich, dass man sich auf den Ort des ersten Treffens zwischen einem US-Präsidenten und einem nordkoreanischen Staatschef geeinigt hat.

Im April hatte sich Kim Jong Un, der seit der Winterolympiade Entspannungssignale aussendet, mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In getroffen. Dabei hatte Kim Jong Un unter anderem die Rückkehr seines Landes zur koreanischen Normalzeit verkündet und betont, seine Ziele seien ein dauerhafter Frieden und eine Halbinsel ohne Atomwaffen (vgl. Nordkorea: Atomwaffentestgelände scheint unbrauchbar geworden zu sein).

Während sich Trump am 22. Mai in Washington mit Moon Jae In trifft, um das Treffen im Juni vorzubereiten, könnte Kim Jong Un zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit nach Peking gereist sein. Dieses Mal aber nicht mit dem Zug, sondern mit einem nordkoreanischen Flugzeug, das chinesischen Weibo-Nutzern nach unter auffälligen Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt Dalian landete. Das chinesische Außenministerium meint dazu bislang lediglich, es habe keine Informationen. Allerdings bestätigte es auch den Besuch mit dem Zug erst nach Kim Jong Uns Heimreise (vgl. Nordkorea: Gipfelvorbereitungen).

Fest steht dagegen, dass der britische Außenminister Boris Johnson die USA besuchte. Dort sprach er zwar mit Vertretern der Administration über Nordkorea, den Iran und Syrien, aber nicht mit dem Präsidenten. Dafür sprach er über ihn und erzeugte damit wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit, als er es mit einem Sprechen mit ihm vermocht hätte:

"Wenn er Nordkorea in Ordnung bringen kann und auch das Atomabkommen mit Iran", so Johnson zu Sky News kurz vor der Bekanntgabe der Kündigung dieses Abkommens durch den US-Präsidenten, "dann sehe ich nicht, warum [Donald Trump] ein weniger geeigneter Kandidat [für den Friedensnobelpreis] sein sollte als […] Barack Obama, der ihn bekommen hat, bevor er irgendetwas gemacht hat". Das kann man sowohl als Lob für Donald Trump, als auch an Kritik an Barack Obama und den Kriterien für die Verleihung von Friedensnobelpreisen lesen. Dass der ebenbürtig exzentrisch wie Donald Trump und Kim Jong Un frisierte englische Altphilologe (der vor seiner Zeit als Außenminister sowohl in Sozialen Medien als auch in Kolumnen und Reden ausgiebig zeigte, dass ihm Sarkasmus nicht fremd ist) eher auf letzteres abzielte, ist durchaus nicht ausgeschlossen.

In der Vergangenheit gab es auch abseits von Obama einige Friedensnobelpreisverleihungen, die im Nachhinein betrachtet zumindest verfrüht wirken: Der ehemalige US-Präsident Teddy Roosevelt, der die Auszeichnung 1906 verliehen bekam, hatte 1898 seinen Posten als Vize-Marineminister aufgegeben und war in den Spanisch-Amerikanischen Krieg gezogen. Heute weiß man durch die archäologische Untersuchung des Wracks, dass der Kriegsgrund dafür - die Explosion des US-Kriegsschiffs Maine im Hafen von Havanna - kein spanischer Anschlag, sondern ein Unfall war.

Ein weiteres Beispiel ist der Friedensnobelpreisträger Woodrow Wilson, der die USA in den Ersten Weltkrieg führte und danach eine kurzlebige Friedensordnung mitverantwortete, die nicht nur seinen erklärten Kriegszielen (wie dem Selbstbestimmungsrecht der Völker) widersprach, sondern auch den Keim für die Katastrophe des kommenden Krieges in sich trug. Beim ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, der den Friedensnobelpreis 1973 verliehen bekam, stellte sich später heraus, dass er eventuell eine Mitschuld an Gräueltaten der Militärjuntas in Chile und Argentinien trägt und 1976 auf einen US-Angriff auf Kuba drängte.

Als der Friedensnobelpreis 2012 an die Europäische Union wunderten sich die Mainstreammedien in Deutschland und Frankreich nicht weiter über diese Entscheidung, obwohl die EU im Lissabon-Vertrag ihre Mitgliedsstaaten zur Aufrüstung verpflichtete und sich selbst ein ius ad bellum verlieh - ein "Recht zum Kriege". Ganz anders in Großbritannien: Dort verglich der Telegraph die Auszeichnung mit dem Ritterschlag des Superbanksters Sir Freddie Goodwin. Zur Begründung, dass die EU dem Kontinent Frieden gebracht habe, merkte der Kolumnist Iain Martin treffend an, es seien ja wohl eher Briten und Amerikaner gewesen, die diese Aufgabe erledigten (vgl. "Jenseits einer Parodie"). (Peter Mühlbauer)

Anzeige